Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neuartiger Dünger macht es Pflanzenfreunden einfach

21.06.2004


Maria Hogrebe mit einem Muster des Depot-Düngers


Die Dosis macht das Gift - diese alte Paracelsus-Weisheit gilt auch für’s Düngen: Bei permanentem Nährstoff-Notstand verkümmern Veilchen und Ficus, zuviel Dünger kann der grünen Pracht sogar vollends das Garaus machen. Agrarwissenschaftler der Universität Bonn haben nun einen neuartigen Dünger zum Patent angemeldet, der nicht nur Pflanzenliebhabern ohne den sprichwörtlichen "Grünen Daumen" helfen soll. Ein auf die Kultur abgestimmtes Depot gibt über viele Monate hinweg immer die passende Nährstoff-Menge ab, ohne dass - wie bei anderen Depot-Düngern - die Gefahr besteht, dass der Boden "versalzt". Auch Gärtnereien könnten von dem umweltschonenden Verfahren profitieren. Die Wissenschaftler suchen nun nach Industriepartnern, die den Depotdünger in Serie produzieren.

... mehr zu:
»Depot »Dünger »Nährsalze »Pflanze

Mit den bekannten "Düngestäbchen" hat die Neuentwicklung nichts gemein: "Die halten nur vier bis sechs Wochen - je häufiger man gießt, desto kürzer", erklärt Maria Hogrebe, die am Bonner Institut für Pflanzenernährung promoviert. "Unser Ziel ist, dass der Gärtner nur einmal pro Jahr den Depotdünger zugibt und sich danach nicht mehr darum kümmern muss."

Das Care-Paket für Zimmerpflanzen besteht aus einem kleinen Kunststoffbecher, der mit einer Trägersubstanz gefüllt ist. Dieser Träger ist der Schlüssel des neuen Verfahrens: "Er kann Nährsalze wie Kalzium, Magnesium oder Eisen, aber auch Stickstoff- oder Phosphorquellen binden und nach Bedarf an die Pflanze abgeben", erklärt die Wissenschaftlerin, die inzwischen bei der Uni-Ausgründung "GeWiTra" (Gesellschaft für Wissenstransfer) beschäftigt ist. Schon nach kurzer Zeit umschließt ein dichtes Wurzel-Geflecht das Nährstoff-Depot in der Blumenerde, das später nur unwesentlich mehr kosten soll als heute gebräuchliche Dünger. "Die Pflanze nimmt sich, was sie braucht", bekräftigt auch Professor Dr. Heiner Goldbach, Direktor des Instituts für Pflanzenernährung - anders als bei herkömmlichen Depots, bei denen der Dünger von porösem Kunststoff umhüllt ist: Bei denen hängt die Abgaberate außer von der Porengröße hauptsächlich von Temperatur und Feuchte ab. Und das kann je nach Entwicklungsstadium und Pflanze zu viel oder zu wenig Düngung bedeuten.


Umweltschonende Alternative

Und noch ein weiterer Aspekt spricht für die Plastik-Power-Packs: Bei der Anzucht im Freiland wird oft ein Großteil des Düngers gar nicht von den Wurzeln aufgenommen, sondern beim Gießen ausgewaschen. Mögliche Folge ist eine erhöhte Nitratbelastung des Bodens. Daher müssen beispielsweise Anzuchtbetriebe für Heidekraut (Erica- und Calluna-Arten) ihre Beete sogar mühsam mit Plastikfolie abdichten, damit die Nährstoffe nicht ins Grundwasser gelangen. "Derartige Düngemittelverluste sind bei unserem Verfahren weitaus geringer", sagt Professor Goldbach: "Die Nährsalze kommen wirklich dort hin, wo sie benötigt werden." Wie gut das funktioniert, zeigen ein knappes Dutzend Ficus benjamini-Exemplare, die im 1. Stock des Instituts Spalier stehen: "Seit dreißig Monaten düngen wir sie mit unseren Depots; wir haben die Behälter erst einmal gewechselt", sagt Maria Hogrebe und zeigt mit spürbarem Stolz auf den üppigen Mini-Ficus-Wald. Doch nicht alle Pflanzen haben die gleichen Ansprüche; daher versucht die Doktorandin momentan, den Düngemix für verschiedene Kulturen zu optimieren.

Häufig haben Gärtnereien zudem mit einer extremen Salzanreicherung in den oberen Bodenschichten zu kämpfen: Viele Betriebe bewässern ihre Jungpflanzen von unten, beispielsweise, indem sie die Plastiktöpfe auf ein Steinwollvlies stellen und dieses permanent feucht halten. Dabei setzen sie dann auch direkt die nötigen Nährsalze zu. Die werden aber nur unvollständig von der Pflanze aufgenommen: Wenn das Wasser im Topf nach oben steigt und schließlich verdunstet, bildet sich an der Oberfläche mit der Zeit eine extrem nährsalzhaltige Schicht. "Dann gießt der Käufer seine Usambaraveilchen zu Hause ein paar Mal von oben, wäscht die Nährsalze Richtung Wurzelballen aus, und plötzlich ist es mit der Pracht vorbei", so Goldbach. "Im schlimmsten Fall kann die Pflanze sogar eingehen." Selbst der Profi ist vor derartigen Enttäuschungen nicht gefeit: Eine der Neuerwerbungen Goldbachs fiel jüngst fast einem derartigen "Düngeschock" zum Opfer - nur ein intensives Auswaschen des Wurzelballens und Umtopfen rettete das junge Pflänzchen.

Die Bonner Agrarwissenschaftler wollen mit einem jüngst gegründeten "Kompetenzzentrum Gartenbau" ihre gartenbaulichen Forschungsaktivitäten weiter stärken. Ihr besonderes Augenmerk gilt dabei dem schnellen Transfer der Ergebnisse in die Praxis.

Ansprechpartnerin:

Maria Hogrebe
Institut für Pflanzenernährung der Universität Bonn
Telefon: 0228/73-3323
E-Mail: mhogrebe@uni-bonn.de

Maria Hogrebe | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-bonn.de

Weitere Berichte zu: Depot Dünger Nährsalze Pflanze

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Plant3, Zukunftsstrategie für Landwirtschaft, Fischerei und Weiterverarbeitung in Nordosdeutschland
25.05.2018 | Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

nachricht Die letzten Urwälder Europas
25.05.2018 | Humboldt-Universität zu Berlin

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

Je mehr die Elektronik Autos lenkt, beschleunigt und bremst, desto wichtiger wird der Schutz vor Cyber-Angriffen. Deshalb erarbeiten 15 Partner aus Industrie und Wissenschaft in den kommenden drei Jahren neue Ansätze für die IT-Sicherheit im selbstfahrenden Auto. Das Verbundvorhaben unter dem Namen „Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) wird durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 7,2 Millionen Euro gefördert. Infineon leitet das Projekt.

Bereits heute bieten Fahrzeuge vielfältige Kommunikationsschnittstellen und immer mehr automatisierte Fahrfunktionen, wie beispielsweise Abstands- und...

Im Focus: Powerful IT security for the car of the future – research alliance develops new approaches

The more electronics steer, accelerate and brake cars, the more important it is to protect them against cyber-attacks. That is why 15 partners from industry and academia will work together over the next three years on new approaches to IT security in self-driving cars. The joint project goes by the name Security For Connected, Autonomous Cars (SecForCARs) and has funding of €7.2 million from the German Federal Ministry of Education and Research. Infineon is leading the project.

Vehicles already offer diverse communication interfaces and more and more automated functions, such as distance and lane-keeping assist systems. At the same...

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Im Fokus: Klimaangepasste Pflanzen

25.05.2018 | Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Berufsausbildung mit Zukunft

25.05.2018 | Unternehmensmeldung

Untersuchung der Zellmembran: Forscher entwickeln Stoff, der wichtigen Membranbestandteil nachahmt

25.05.2018 | Interdisziplinäre Forschung

Starke IT-Sicherheit für das Auto der Zukunft – Forschungsverbund entwickelt neue Ansätze

25.05.2018 | Informationstechnologie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics