Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Öko-Schweine: besser für die Umwelt

25.03.2004


IÖW vergleicht die ’wahren’ Kosten der ökologischen und der konventionellen Schweinemast


Die konventionelle Schweinemast verursacht durch Umweltschäden deutlich höhere gesellschaftliche Kosten als die ökologische. Dies ist das Ergebnis einer heute in Berlin vorgestellten Studie des Instituts für ökologische Wirtschaftsforschung (IÖW). Würden diese Kosten nicht wie bisher von der Allgemeinheit getragen, sondern den Verursachern direkt angelastet, müsste jedes konventionell erzeugte Mastschwein rund 50 Euro mehr kosten. Pro Kilogramm Schweinefleisch bedeutete das einen Aufschlag von rund 47 Cent. Die Studie verdeutlicht beispielhaft die Vorteile einer Ausweitung der ökologischen Landwirtschaft.

Von den jährlich 37,5 Millionen Mastschweinen in Deutschland werden nur 100.000 nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus gemästet. Dabei, so die IÖW-Studie im Auftrag der Verbraucherorganisation foodwatch, haben die Öko-Schweine erhebliche Vorteile für die Umwelt: bei der Futterproduktion werden keine Pflanzenschutzmittel und Mineraldünger eingesetzt. Der Primärenergieverbrauch ist um ein Viertel geringer, und die Stickstoffeinträge in Gewässer sind um mehr als drei Viertel niedriger. Die konventionelle Schweinemast trägt bezogen auf ein Kilogramm Fleisch viermal so viel zum Treibhauseffekt bei. "Die externen Kosten für die Vermeidung der Umweltschäden aus der konventionellen Schweinemast summieren sich auf 47,3 Cent je Kilogramm", so Michael Steinfeldt, Experte für Ökobilanzen am IÖW.


Thomas Korbun, Wissenschaftlicher Geschäftsführer des IÖW und Leiter der Studie, sieht neben der besseren Ökobilanz noch weitere Vorteile der ökologischen Schweinemast: "Bei Öko-Schweinen treten weniger Verletzungen und Verhaltensstörungen auf, da die Haltungsbedingungen deutlich tiergerechter sind. Die ökologische Schweinemast setzt anders als die konventionelle kein gentechnisch verändertes Soja als Futtermittel ein und die Zahl der Arbeitsplätze je Mastschwein ist um 40 - 90 % höher."

Öko-Schnitzel sind mit 13 Euro/kg an der Ladentheke fast doppelt so teuer wie konventionelle Schnitzel. Dies hält viele Konsumentinnen und Konsumenten vom Kauf ab. Konventionell erzeugtes Schweinefleisch wiederum kann so billig verkauft werden, weil die mit seiner Produktion einhergehenden Umweltschäden nicht in den Preis eingehen. Andererseits ist Öko-Schweinefleisch an der Ladentheke vor allem deshalb so teuer, weil seine Verarbeitung und der Vertrieb aufgrund des geringen Marktanteils von rund 0,5 % im Vergleich zum konventionellen Massenmarkt erhebliche Mehrkosten verursacht.

Aus den Ergebnissen der Studie ziehen die IÖW-Experten zwei Schlüsse für die Agrarpolitik: Zum einen müssen die Umweltschäden durch die konventionelle Massenproduktion von Schweinen durch Auflagen oder ökonomische Instrumente deutlich gesenkt werden. Zum anderen sollte die ökologische Schweinehaltung besser gefördert werden. Eine zentrale Rolle spielen dabei die Entwicklung fester Abnahmebeziehungen zwischen Erzeugern und Handel und die Professionalisierung der Verarbeitungs- und Vermarktungsstrukturen.

Die IÖW-Studie "Was kostet ein Schnitzel wirklich? Ökologisch-ökonomischer Vergleich der konventionellen und der ökologischen Produktion von Schweinefleisch in Deutschland" wurde im Auftrag der Verbraucherorganisation foodwatch e.V. durchgeführt und von der Stuttgarter Stiftung für Bildung und Behindertenförderung (SBB) gefördert.

Eine Kurzfassung der Studie ist Bestandteil des "foodwatch-Reports über falsche Preise und wahre Kosten der Fleischproduktion", in dem die Verbraucherorganisation foodwatch ihre politischen Folgerungen aus den Ergebnissen darstellt. Der Report ist unter www.foodwatch.de zum Download verfügbar.

Die Langfassung ist als IÖW-Schriftenreihe 171/04 (ISBN 3-932092-72-4, 19,50 EUR) erschienen. Bestellen: vertrieb@ioew.de, Rezensionsexemplar anfordern: kommunikation@ioew.de.

Kontakt

Institut für ökologische Wirtschaftsforschung gGmbH (IÖW)
Thomas Korbun (Projektleitung)
Potsdamer Str. 105, 10785 Berlin
Tel. 030-884594-0, Fax 030-8825439
E-Mail: Thomas.Korbun@ioew.de

Institut für ökologische Wirtschaftsforschung gGmbH (IÖW)
Michael Steinfeldt
Potsdamer Str. 105, 10785 Berlin
Tel. 030-884594-0, Fax 030-8825439
E-Mail: Michael.Steinfeldt@ioew.de

Kirstin Wulf | idw
Weitere Informationen:
http://www.ioew.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Feuerbrand bekämpfen und Salmonellen nachweisen
14.06.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Das Potenzial nichtheimischer Baumarten für den forstlichen Anbau in Deutschland sachlich prüfen
14.06.2017 | Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mainzer Physiker gewinnen neue Erkenntnisse über Nanosysteme mit kugelförmigen Einschränkungen

27.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wave Trophy 2017: Doppelsieg für die beiden Teams von Phoenix Contact

27.06.2017 | Unternehmensmeldung

Warnsystem KATWARN startet international vernetzten Betrieb

27.06.2017 | Informationstechnologie