Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

FAL - Wissenschaftlerin untersucht Umwelteinflüsse der Broilermast auf Böden

16.03.2004


Ganze 115 g Kot pro Tag fabriziert ein Broiler, was allein für die Produktion in Deutschland mehr als 2 Millionen Tonnen pro Jahr ausmacht. Wie stark dieses mit 33 Millionen kg Stickstoff und 7 Millionen kg Phosphor auf der Umweltseite zu Buche schlägt, und zwar insbesondere hinsichtlich der Belastung bei konventioneller und ökologischer Auslaufhaltung der Tiere, hat nun Frau Dr. Sylvia Kratz, Wissenschaftlerin am Institut für Pflanzenernährung und Bodenkunde der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) in Braunschweig, in einer von der Gesellschaft der Freunde der FAL prämierten Forschungsarbeit untersucht. In der Fallstudie wurden konventionelle intensive Stallhaltung, konventionelle Auslaufhaltung und ökologische Auslaufhaltung verglichen. Bei der intensiven Stallhaltung mit 22-24 Tieren pro Quadratmeter, d.h. insgesamt 20.000-40.000 Tiere in einem Stall (Bild 1), erreichen die Vögel schon nach rund 6 Wochen ihr Endgewicht von 1,8 kg und haben hierbei "nur" etwa 5 kg Kot produziert. Dieser fällt kontrolliert und konzentriert im Stall an. Bleibt nur das Problem, dass die z.T. sehr hohen Mengen nicht einfach entsorgt werden können, sondern allein nach den Regeln "guter fachlicher Praxis", d.h. dem Bedarf landwirtschaftlicher Nutzpflanzen an Stickstoff und Phosphor angepasst, auf Ackerböden auszubringen sind.


Konventionelle intensive Stallhaltung (Aufnahme: Martina Wolf-Reuter)


Ökologische Auslaufhaltung mit mobilen Wechselausläufen (Aufnahme: Martina Wolf-Reuter



Gestattet man im konventionellen Betrieb den Tieren einen Auslauf ins Freie, so teilen sich "nur" noch 13 Tiere einen Quadratmeter, in einem Stall mit etwa 6000-15000 Artgenossen. Die haben dazu aber auch noch "Anspruch" auf etwa 1 m2 pro Tier im Freien. Das macht das Leben nicht nur abwechslungsreicher, sondern gleich auch noch ein wenig länger. Trotz gleichem Mastendgewicht von 1,8 kg verlängert sich das Leben um ganze zwei Wochen, was dann aber auch entsprechend mehr an Mist hinterlässt. Zusätzliches Problem: Im Auslauf halten sich die Tiere meist in Stallnähe auf, so dass kaum mehr als 30% der tatsächlichen Auslauffläche genutzt werden mit der Folge, dass es hier zu bedenklichen punktuellen Anreicherungen an Stickstoff und Phosphor mit potenziellem Risiko der Belastung von Grund- und Oberflächengewässern kommt.



Luxuriös lebt im Vergleich dazu der Broiler im Ökobetrieb bei "Auslaufhaltung mit mobilen Wechselausläufen", sprich in versetzbaren Hütten mit etwa 300 Artgenossen auf 30 m2 und dazu einem Auslauf von 600 m2 im Freien (Bild 2). Das längere Leben von in der EU-Öko-Verordnung vorgeschriebenen mindestens 12, aber in der Praxis auch bis zu 22 Wochen, und das höhere Mastendgewicht von 2,8 kg hat aber auch seinen ökologischen Preis: 16 kg Kot fallen hier im Mittel pro Tier an. Diese sind aber infolge der kleineren und nach jedem Mastdurchgang umsetzbaren Einheiten gleichmäßiger über die Fläche verteilt und können damit der Speicherfähigkeit des Bodens und dem Bedarf der Pflanzen besser angepasst werden.

Mit "Freiheit schmeckt besser" wirbt Frau Künast, Bundesministerin für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft für die artgerechte Haltung von Geflügel, auch wenn vielleicht nicht jeder Gaumen das nachvollziehen kann. Wie jede Freiheit hat natürlich auch die der Broiler ihren Preis. Aber ist es nicht so, wie schon vor 250 Jahren der Philosoph Immanuel Kant schrieb: "Der Mensch sollte den Tieren gegenüber Güte zeigen, denn wer grausam zu ihnen ist, wird den Menschen gegenüber ebenso unempfindlich sein"?

Kontakt: Prof. Dr. Dr. Ewald Schnug & Dr. Sylvia Kratz, Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL), Institut für Pflanzenernährung und Bodenkunde, Bundesallee 50, D-38116 Braunschweig, Tel.: 0531 5962101, E-mail: pb@fal.de

Margit Fink | idw
Weitere Informationen:
http://www.fal.de

Weitere Berichte zu: Auslauf Auslaufhaltung Kot Phosphor Stall Stickstoff

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Feuerbrand bekämpfen und Salmonellen nachweisen
14.06.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Das Potenzial nichtheimischer Baumarten für den forstlichen Anbau in Deutschland sachlich prüfen
14.06.2017 | Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Future Security Conference 2017 in Nürnberg - Call for Papers bis 31. Juli

26.06.2017 | Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

„Digital Mobility“– 48 Mio. Euro für die Entwicklung des digitalen Fahrzeuges

26.06.2017 | Förderungen Preise

Fahrerlose Transportfahrzeuge reagieren bald automatisch auf Störungen

26.06.2017 | Verkehr Logistik

Forscher sorgen mit ungewöhnlicher Studie über Edelgase international für Aufmerksamkeit

26.06.2017 | Physik Astronomie