Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Mykotoxine im landwirtschaftlichen Bereich

11.05.2001


Die schleichende Gefahr für die Gesundheit von Mensch und Tier


In unterschiedlichen Bereichen der Land- und Ernährungswirtschaft werden wir mit Pilzen konfrontiert. Sie können einerseits positive Auswirkungen haben, wie die Geschmacksverbesserung durch Schimmelpilze bei Käse und Wurst, andererseits aber auch die Qualität von Nahrungs- oder Futtermitteln negativ beeinflussen.
In der modernen Tierhaltung besteht ein großer Teil des eingesetzten Futters aus Konservaten. Dazu gehören z. B. das in der Nutztierhaltung eingesetzte Getreide oder Silage ("konserviertes" Gras oder "konservierter" Mais). Schimmelpilze, die sich im Futter entwickeln, können toxische Stoffwechselprodukte, so genannte Mykotoxine, absondern. Diese stellen eine schleichende Gefahr für die Gesundheit und Leistungsfähigkeit der Tiere dar. Sie können auch über das Tier in die Nahrungsmittel gelangen. Zur Vermeidung von Mykotoxinen müssen durch fachgerechte Konservierung und Lagerung Bedingungen geschaffen werden, bei denen die mykotoxinbildenden Schimmelpilze nicht leben können.

Als Konservierungsmittel eingesetzte Milchsäure inaktiviert Schimmelpilze
Im Institut für Agrartechnik Bornim (ATB) untersucht und bewertet man deshalb in einem Forschungsschwerpunkt unterschiedliche Verfahren der Konservierung von Futtergetreide.
Bei der Konservierung von feuchtem Futtergetreide werden z. Z. häufig Propionsäure oder Mischungen anderer Säuren eingesetzt. Sie führen zur Abtötung oder Inaktivierung der am Korn anhaftenden Mikroorganismen einschließlich der Schimmelpilze. Da der Umgang mit der korrosiven Propionsäure nicht ganz unproblematisch ist, wurde untersucht, ob der Einsatz von Milchsäure eine Alternative sein kann. Mit Erfolg: Sie ist weniger aggressiv, besitzt aber vergleichbare konservierende Eigenschaften. Besonders positiv ist, dass sich Milchsäure nicht nur auf chemischem Wege, sondern auch biotechnologisch auf der Basis nach-wachsender Rohstoffe herstellen lässt.

Lagerung unter Luftabschluss
Eine weitere Möglichkeit der Konservierung ist die Lagerung von geschrotetem Getreide unter Luftabschluss bei Gutfeuchten bis maximal 20 %. Nach der Zerkleinerung des feuchten Getreides, z. B. mit einem Doppelwalzenstuhl wird das Schrot in einem Flachsilo mit einem Traktor festgefahren und mit Folie möglichst luftdicht abgedeckt. Die Untersuchungen am ATB haben ergeben, dass im Getreideschrot der Besatz an Ochratoxin A, einem gefährlichen Mykotoxin bestimmter Schimmelpilze, bei dieser Lagerungsart unter dem zur Zeit diskutierten Grenzwert lag.
Das Schroten mit dem Doppelwalzenstuhl und die Schrotlagerung unter Luftabschluss sind auch auf Grund des geringen Energiebedarfs zu empfehlen.

Feldholzhackschnitzel verlustarm und gesundheitsverträglich lagern
Mikrobiell bedingte Verluste und Schädigungen treten aber nicht nur bei der Futterkonservierung auf, sondern können auch in anderen Bereichen erhebliche Ausmaße annehmen. Ein Beispiel dafür ist die Lagerung von Feldholzhackschnitzeln, die z. B. in Holzfeuerungsanlagen zur Energieerzeugung verwendet werden. Im Unterschied zu Waldholz, bei dem zwischen dem Fällen der Bäume und dem Hacken meist längere Zeit vergeht, in der das Holz abtrocknen kann, muss Feldholz, z B. Pappeln und Weiden, unmittelbar nach dem Schneiden abtransportiert werden, um den Neuaufwuchs nicht zu gefährden. Es hat zu diesem Zeitpunkt einen Wassergehalt von 50 bis 55 %, was zu einer erhöhten Stoffwechseltätigkeit der Mikroorganismen und dadurch zu erheblichen Trockenmasseverlusten und zur Schimmelpilzbildung führt. Das ist energetisch und wirtschaftlich ungünstig und kann arbeitshygienisch bedenklich werden, wenn das Bedienpersonal den Pilzsporen in erhöhtem Maße aus-gesetzt ist. Am ATB wurden deshalb Untersuchungen zur Lagerung verschiedener Feldholz-Hackgutfraktionen durchgeführt, die letztendlich zu Empfehlungen für eine verlustreduzierte und humanhygienisch verträgliche Lagerung dieser Biobrennstoffe geführt haben.

Ansprechpartner:
Dr. Christine Idler, Dr. Thomas Hoffmann, Dr. Volkhard Scholz
Abteilung Technik der Aufbereitung, Lagerung und Konservierung
Tel: (0331) 5699-124, -324 bzw. -312

Renate Scheidemann | idw

Weitere Berichte zu: Getreide Konservierung Lagerung Milchsäure Mykotoxin Schimmelpilz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Sturmwarnung: 150 Jahre Schäden im Schweizer Wald
21.09.2016 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

nachricht Das Rätsel der Monodominanz - Wie im Regenwald natürliche Monokulturen entstehen
06.09.2016 | Deutsches Zentrum für integrative Biodiversitätsforschung (iDiv) Halle-Jena-Leipzig

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: New welding process joins dissimilar sheets better

Friction stir welding is a still-young and thus often unfamiliar pressure welding process for joining flat components and semi-finished components made of light metals.
Scientists at the University of Stuttgart have now developed two new process variants that will considerably expand the areas of application for friction stir welding.
Technologie-Lizenz-Büro (TLB) GmbH supports the University of Stuttgart in patenting and marketing its innovations.

Friction stir welding is a still-young and thus often unfamiliar pressure welding process for joining flat components and semi-finished components made of...

Im Focus: Neuer Schalter entscheidet zwischen Reparatur und Zelltod

Eine der wichtigsten Entscheidungen, die eine Zelle zu treffen hat, ist eine Frage von Leben und Tod: kann ein Schaden repariert werden oder ist es sinnvoller zellulären Selbstmord zu begehen um weitere Schädigung zu verhindern? In einer Kaskade eines bisher wenig verstandenen Signalweges konnten Forscher des Exzellenzclusters für Alternsforschung CECAD an der Universität zu Köln ein Protein identifizieren (UFD-2), das eine Schlüsselrolle in dem Prozess einnimmt. Die Ergebnisse wurden in der Fachzeitschrift Nature Structural & Molecular Biology veröffentlicht.

Die genetische Information einer jeden Zelle liegt in ihrer Sequenz der DNA-Doppelhelix. Doppelstrangbrüche der DNA, die durch Strahlung hervorgerufen werden...

Im Focus: Forscher entwickeln quantenphotonischen Schaltkreis mit elektrischer Lichtquelle

Optische Quantenrechner könnten die Computertechnologie revolutionieren. Forschern um Wolfram Pernice von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster sowie Ralph Krupke, Manfred Kappes und Carsten Rockstuhl vom Karlsruher Institut für Technologie ist es nun gelungen, einen quantenoptischen Versuchsaufbau auf einem Chip zu platzieren. Damit haben sie eine Voraussetzung erfüllt, um photonische Schaltkreise für optische Quantencomputer nutzbar machen zu können.

Ob für eine abhörsichere Datenverschlüsselung, die ultraschnelle Berechnung riesiger Datenmengen oder die sogenannte Quantensimulation, mit der hochkomplexe...

Im Focus: First quantum photonic circuit with electrically driven light source

Optical quantum computers can revolutionize computer technology. A team of researchers led by scientists from Münster University and KIT now succeeded in putting a quantum optical experimental set-up onto a chip. In doing so, they have met one of the requirements for making it possible to use photonic circuits for optical quantum computers.

Optical quantum computers are what people are pinning their hopes on for tomorrow’s computer technology – whether for tap-proof data encryption, ultrafast...

Im Focus: Quantenboost für künstliche Intelligenz

Intelligente Maschinen, die selbständig lernen, gelten als Zukunftstrend. Forscher der Universität Innsbruck und des Joint Quantum Institute in Maryland, USA, loten nun in der Fachzeitschrift Physical Review Letters aus, wie Quantentechnologien dabei helfen können, die Methoden des maschinellen Lernens weiter zu verbessern.

In selbstfahrenden Autos, IBM's Watson oder Google's AlphaGo sind Computerprogramme am Werk, die aus Erfahrungen lernen können. Solche Maschinen werden im Zuge...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

European Health Forum Gastein 2016 beginnt

28.09.2016 | Veranstaltungen

Compliance im Fokus - CLARIUS.LEGAL auf der Dialog on Tour in Hamburg

28.09.2016 | Veranstaltungen

Laser für Neurochirurgie und Biofabrikation - LaserForum 2016 thematisiert Medizintechnik

27.09.2016 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Wald in Inventur: Unbemannte Helikopter zur Datenerhebung

28.09.2016 | Informationstechnologie

Besserer Schutz vor Gebärmutterhalskrebs

28.09.2016 | Biowissenschaften Chemie

Carsharing-Software: Störungen auf der anderen Seite des Globus erkennen

28.09.2016 | Informationstechnologie