Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Neue Verbünde der Agrarwirtschaft im Europa der 25

15.01.2004

"Die in Deutschland vielfach vorherrschende Taktik des nahezu täglichen Wechselns der Vermarktungspartner ist nur unter den gegenwärtigen Strukturdefiziten in Schlachtung und Zerlegung erfolgreich. Ein Zukunftskonzept für die deutsche Agrarwirtschaft ist dieser Zustand nicht, da der Fleischwirtschaft für die erfolgreiche Marktbearbeitung entscheidende finanzielle Ressourcen entzogen werden", erklärte Manfred Nüssel, Präsident des Deutschen Raiffeisenverbandes, heute auf der DLG-Wintertagung zum Thema "Das neue Europa - Perspektiven für die Agrarwirtschaft".

In der Europäischen Union ändern sich die Strukturen in der Verarbeitung und Vermarktung insbesondere von Fleisch grundlegend. Zunehmend geben europäisch ausgerichtete Gruppierungen den Ton an bei der überregionalen Fleischvermarktung. "Wenn die deutsche Fleischwirtschaft im Wettbewerb bestehen will, muss sie sich rasch auf die Anforderungen des Marktes und die Strategien ihrer ausländischen Wettbewerber einstellen", erklärte der Raiffeisen- Präsident. So setzt z. B. die gesamte dänische Schweinebranche auf ein integriertes Sektorkonzept. Dieses branchenweite Konzept umfasst aufwändige Rationalisierungs- und Erweiterungsinvestitionen in der Tierhaltung sowie im Schlachterei- und Verarbeitungssektor. Dazu gehören auch gemeinsame Beteiligungen und Kooperationen der Branchenunternehmen in Forschung und Entwicklung, Beratung und Information sowie im Absatz und Export.

"In Deutschland ist der Umgang innerhalb der arbeitsteiligen Agrarwirtschaft bisher vorwiegend von Konkurrenz und weniger von Partnerschaft bestimmt", kritisierte Nüssel. Die unternehmerische Verantwortung endet in der Regel immer noch an der Schnittstelle zur nächsten Verarbeitungsstufe. Dabei haben alle Akteure den gleichen Adressaten: den Verbraucher! Diese Gemeinsamkeiten finden im täglichen Handeln bislang kaum Niederschlag. Gebraucht wird dringend ein partnerschaftlicher Verbund in der "Wertschöpfungskette Nahrungsmittel". Alle Sektoren der landwirtschaftlichen Produktion und alle Stufen von Erzeugung, Verarbeitung und Vermarktung sind zu vernetzen. "In diesen Verbund sollte auch der Lebensmittelhandel im Sinne einer Wertschöpfungspartnerschaft - wie bereits im QS-System erfolgt - eingebunden werden", betonte der Raiffeisen-Präsident.

EU-Osterweiterung: Wachstumsschub für die Agrarmärkte

Aus der Erweiterung der EU zum 1. Mai 2004 werden weit reichende Verschiebungen im Wettbewerb resultieren. Der Markt für Agrarprodukte und Ernährungsgüter wird durch die Osterweiterung einen erheblichen Wachstumsschub erfahren. Diese veränderte Wettbewerbssituation und die sich daraus ergebenden Chancen sollte insbesondere die deutsche Agrarwirtschaft angesichts ihrer geographischen Lage konsequent nutzen, so Nüssel.

Auf den für die deutsche Landwirtschaft wichtigen Absatzmärkten ist die Europäisierung der Vermarktungsstrukturen bereits weit fortgeschritten. "Dies ist die logische Folge der Europäisierung im Lebensmitteleinzelhandel. Unterschiedliche Maßstäbe in der Wettbewerbspolitik auf nationaler und EU-Ebene sind deshalb nicht mehr zeitgemäß und nicht länger hinzunehmen", forderte Nüssel. Bei vielen deutschen Unternehmen - das betrifft nicht nur die Land- und Agrarwirtschaft - ist das Bewusstsein für die Europäisierung vorhanden. Die Bereitschaft zur Umsetzung entsprechender unternehmerischer Ausrichtungen muss weiter wachsen. Deutsche Unternehmen stehen in diesem Prozess nicht grundsätzlich im Nachteil. Allerdings verfügen wichtige Konkurrenten, wie Dänemark und die Niederlande, über eine bessere Ausgangsposition, weil die dortigen Strukturen frühzeitig und weitgehend ohne kartellrechtliche Einflussnahme konsolidiert worden sind.

Diese Defizite im Kartellrecht dürfen allerdings nicht, so Nüssel, von den Handlungsnotwendigkeiten und Umsetzungsproblemen ablenken, die in der Land- und Agrarwirtschaft vorhanden sind. Das Bemühen um Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit der Nahrungsmittelbranche in Deutschland muss daher auf eine Effizienzsteigerung in der gesamten Nahrungswertschöpfungskette abzielen. Die Fokussierung auf zukunftsträchtige Marktsegmente und das Streben nach Kostenführerschaft ist aber nur dann eine Erfolgs- und Überlebensgarantie, wenn die Strukturen in Verarbeitung und Vermarktung ein Handeln auf gleicher Augenhöhe mit dem Lebensmittelhandel ermöglichen. "Dieser Spagat ist ausschließlich mit einer weiteren Bündelung der Kräfte zu leisten. Die Allianzen, die sich derzeit herausbilden, gehen genau in diese Richtung. Auf europäischer Ebene entstehen viele - nach den bisherigen Vorstellungen unkonventionelle - Erfolg versprechende Kooperationen und Allianzen", erklärte der DRV-Präsident auf der DLG-Wintertagung in Berlin.

Monika Windbergs | Deutscher Raiffeisenverband
Weitere Informationen:
http://www.raiffeisen.de

Weitere Berichte zu: Agrarwirtschaft Verbund Vermarktung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Neue Strategie zur Kupferreduktion im Pflanzenschutz entwickelt
21.02.2018 | Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

nachricht Da haben wir den Salat: Erste Ernte aus aufbereitetem Abwasser im Forschungsprojekt HypoWave
20.02.2018 | ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics