Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Antibiotika-Resistenzen bei Bakterien in Hühnern

10.12.2003


Schweizer Studie zeichnet erschütterndes Bild


Mehr als 40 Prozent der Bakterien, die in Schweizer Hühnern gefunden wurden, weisen nach einer soeben veröffentlichten Studie Resistenzen gegen mindestens ein Antibiotikum auf. Die Ergebnisse haben nach Ansicht der Experten Auswirkungen beim Kampf gegen Lebensmittelvergiftungen, berichtet das Fachmagazin BMC Public Health.

In Untersuchungen des Schweizer Veterinäramtes wurden 415 Proben von mehr als 120 verschiedenen Einzelhändlern aus der gesamten Schweiz und aus Liechtenstein genommen und auf die Antibiotika-Resistenzen untersucht. Insgesamt wurden 91 verschiedene Campylobacter-Stämme identifiziert, davon waren 59 Prozent gegen alle getesteten Antibiotika resistent. 19 Stämme waren resistent gegen ein einzelnes Antibiotikum, neun Stämme gegen zwei und acht Stämme gegen drei. Fleisch war übrigens eher mit Campylobacter infiziert, wenn es nur gekühlt, nicht aber gefroren war. Dennoch machen Lagerbedingungen keinen Unterschied, ob mehr Resistenzen auftraten oder nicht.


Das Bakterium Campylobacter verursacht weltweit zwischen fünf und 14 Prozent aller Durchfallerkrankungen. Meistens sind unsauberes Trinkwasser, unzureichend gekochtes Fleisch zumeist von Geflügel und nicht-pasteurisierte Milchprodukte die Ursache dafür. Üblicherweise ist die Erkrankung nach etwa einer Woche auch ohne Behandlung abgeklungen. Für Kleinkinder und Menschen mit geschwächtem Immunsystem kann eine solche Infektion aber lebensbedrohlich sein. In den meisten Fällen werden daher Antibiotika verabreicht, um zu verhindern, dass die Bakterien in die Blutbahn gelangen.

Die Zahlen der Antibiotika-Resistenzen in der Schweiz waren zwar hoch, dennoch war lokal geliefertes Fleisch weniger häufig mit Antibiotika-resistenten Campylobacter infiziert als etwa ausländisches Fleisch. "Die Resistenz hängt davon ab wieviel Antibiotika den Hühnern verabreicht wird", berichtet Jürgen Danuser, einer der Studienleiter. Die Untersuchung ergab auch, dass konventionell gehaltene Tiere in Batterien eher Resistenzen zeigten als Tiere, die im Freien gehalten wurden. Die Studienergebnisse zeichnen ein erschütterndes Bild über die hohe Zahl der Resistenzen. Experten gehen davon aus, dass in den USA 90 Prozent der Hühner gegen mindestens ein Antibiotikum resistent sind, 45 Prozent sogar gegen zwei. Die Zahl hat die EU 1999 dazu veranlasst, vier Antibiotika, die auch als Wachstumsmittel eingesetzt wurden, zu verbieten. Die USA waren 2000 mit dem Verbot nachgezogen. Die Forscher sind aber besorgt, denn die Campylobacter-Infektionen durch Hühnerfleisch sind im Vormarsch. Derzeit sind die Zahlen mit eins zu 1.086 pro Jahr in der Schweiz noch niedrig, in den USA gehen Experten aber von einer zehnmal größeren Infektionsrate aus.

Wolfgang Weitlaner | pressetext.schweiz
Weitere Informationen:
http://www.biomedcentral.com

Weitere Berichte zu: Antibiotika-Resistenzen Antibiotikum Bakterien Hühnern Resistenz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Julius Kühn-Institut etabliert Forschungszentrum für landwirtschaftliche Fernerkundung (FLF)
22.03.2017 | Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen

nachricht Im Drohnenflug dem Wasser auf der Spur
03.03.2017 | Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Besser lernen dank Zink?

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Lebenswichtige Lebensmittelchemie

23.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen