Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

"Wildretter" schützt Rehkitze und Hasen: Sensoren helfen Landwirten

27.11.2003


Glück gehabt: Ein Rehkitz kann dank des "Wildretters" rechtzeitig geortet und so vor der Mähmaschine in Sicherheit gebracht werden.


Die jährliche Todesrate von bis zu 500.000 wildlebenden Tieren in Deutschland - darunter allein 90.000 Rehkitze -, die nach Schätzungen von Jägern durch landwirtschaftliche Mähmaschinen umkommen, kann vielleicht schon bald deutlich verringert werden. Die oberpfälzische Firma ISA Industrieelektronik (Weiden) hat in enger Zusammenarbeit mit dem Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) einen "Wildretter" entwickelt, der diese Unfälle in Zukunft vermeidbar machen könnte. Er versetzt mit Infrarot- und Mikrowellen-Sensoren Landwirte erstmals in die Lage, in Wiesen und Feldern verborgene Tiere zu entdecken, die dann nicht mehr durch Maschinen verletzt oder getötet werden. Damit leistet die von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit rund 95.000 Euro geförderte innovative Technik einen Beitrag zum Tierschutz, der seit 2002 im Grundgesetz verankert ist. DBU-Generalsekretär Dr. Fritz Brickwedde: "Nur mit Technik können wir die Aufgabe lösen, moderne Landwirtschaft und Tierschutz zu vereinbaren."


Eigentlich müsste jede Wiese vor der Bearbeitung genau inspiziert werden, so Brickwedde. Doch welcher Landwirt habe schon Zeit, vor dem Mähen nach Rehkitzen, jungen Hasen und Füchsen oder Bodenbrütern wie Fasane und Rebhühner zu suchen? Dr. Volker Tank vom Institut für Optoelektronik am Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (Oberpfaffenhofen) hatte die Idee, einen "Tier-Detektor" zu entwickeln. Eine Anleihe bei der Raumfahrttechnik habe schließlich den entscheidenden Schritt nach vorn gebracht: Gemeinsam mit Kollegen modifizierte und vereinfachte Tank eine Technik, die auch verwendet wird, um von Satelliten aus Wärmebilder von der Erde aufzunehmen. Wärme- oder Infrarotstrahlung sei wie das gewöhnliche Licht elektromagnetische Strahlung, besitze aber längere Wellenlängen und sei deshalb für das Auge unsichtbar.

Tanks fingerkuppengroßer Infrarot-Sensor macht die Körperwärme von Tieren "sichtbar", indem er auf ihre natürliche elektromagnetische Wärmestrahlung reagiert und ein Warnsignal abgibt. Maximal 16 Infrarot-Sensoren sitzen im Abstand von 50 bis 60 Zentimetern an einem Fahrzeug-Ausleger und suchen jeweils den Geländestreifen ab, der als nächster gemäht wird. Ist ein Tier aufgespürt, ertönt ein Signal und die Steuereinheit zeigt, welcher Sensor reagiert hat, so dass der Landwirt genau erkennen kann, wo sich das Tier versteckt.


Während in Zusammenarbeit mit der Firma ISA Industrieelektronik die ersten Prototypen gebaut wurden, habe sich herausgestellt, dass die Infraroterkennung ihre Tücken habe. "Auch von der Sonne erwärmte Steine wurden von den Sensoren gemeldet", berichtet Dr. Roland Nitsche von der Firma ISA. "Das war für die Bauern frustrierend, die ihre Arbeit umsonst unterbrochen hatten. Wir brauchten eine weitergehende Technik, um blinde Alarme zu vermeiden." Die Experten begannen, gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Hochfrequenztechnik der Technischen Universität (TU) München Sensoren zu testen, die schwache Mikrowellen aussenden und auf Wasser reagieren - also auch auf den hohen Wasseranteil von Tierkörpern. "Durch die Kombination der Werte Körperwärme und Flüssigkeitsgehalt lässt sich ein Tier zuverlässig identifizieren", erklärt Tank.

Entsprechend groß sei das Interesse aus Landwirtschaft, Jagd und Naturschutz an dem System. "Am Ziel sind wir aber noch nicht", sagt Nitsche selbstkritisch. "Wir sind auf der Suche nach kostengünstigen Mikrowellenkomponenten, um das System zur Marktreife zu entwickeln." Nach Ansicht von DBU-Fachreferent Dr. Holger Wurl sind die wichtigen Grundlagen gelegt, um das Sensor-System zu einer Standardeinrichtung werden zu lassen: "Damit werden die Bauern in Zukunft auch wirtschaftlich entlastet, denn Gras, das mit verletzten oder toten Tieren in Berührung kommt, wird als Viehfutter unbrauchbar."

Franz-Georg Elpers | DBU
Weitere Informationen:
http://www.wildretter.de
http://www.caf.dlr.de/caf/anwendungen/projekte/projekte_nutzung/wildretter

Weitere Berichte zu: Landwirt Luft- und Raumfahrt Rehkitze Sensor Tank

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Kaskadennutzung auch bei Holz positiv
11.12.2017 | Technische Universität München

nachricht Warum pflanzt man Bäume auf dem Acker?
29.11.2017 | Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Carmenes“ findet ersten Planeten

Deutsch-spanisches Forscherteam entwirft, baut und nutzt modernen Spektrografen

Seit Januar 2016 nutzt ein deutsch-spanisches Forscherteam mit Beteiligung der Universität Göttingen den modernen Spektrografen „Carmenes“ für die Suche nach...

Im Focus: Fehlerfrei ins Quantencomputer-Zeitalter

Heute verfügbare Ionenfallen-Technologien eignen sich als Basis für den Bau von großen Quantencomputern. Das zeigen Untersuchungen eines internationalen Forscherteams, deren Ergebnisse nun in der Fachzeitschrift Physical Review X veröffentlicht wurden. Die Wissenschaftler haben für Ionenfallen maßgeschneiderte Protokolle entwickelt, mit denen auftretende Fehler jederzeit entdeckt und korrigiert werden können.

Damit die heute existierenden Prototypen von Quantencomputern ihr volles Potenzial entfalten, müssen sie erstens viel größer werden, d.h. über deutlich mehr...

Im Focus: Error-free into the Quantum Computer Age

A study carried out by an international team of researchers and published in the journal Physical Review X shows that ion-trap technologies available today are suitable for building large-scale quantum computers. The scientists introduce trapped-ion quantum error correction protocols that detect and correct processing errors.

In order to reach their full potential, today’s quantum computer prototypes have to meet specific criteria: First, they have to be made bigger, which means...

Im Focus: Search for planets with Carmenes successful

German and Spanish researchers plan, build and use modern spectrograph

Since 2016, German and Spanish researchers, among them scientists from the University of Göttingen, have been hunting for exoplanets with the “Carmenes”...

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neue Konfenzreihe in Berlin: Landscape 2018 - Ernährungssicherheit, Klimawandel, Nachhaltigkeit

18.12.2017 | Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Lipid-Nanodisks stabilisieren fehlgefaltete Proteine für Untersuchungen

18.12.2017 | Biowissenschaften Chemie

Von Alaska bis zum Amazonas: Pflanzenmerkmale erstmals kartiert

18.12.2017 | Biowissenschaften Chemie

Krebsforschung in der Schwerelosigkeit

18.12.2017 | Biowissenschaften Chemie