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Resistenzrisiko bei Antibiotika steigt

19.11.2003


Weniger Tierarzneimittel einsetzen



Einen zurückhaltenden Einsatz von Tierarzneimitteln mahnten zahlreiche Wissenschaftler auf einem internationalen Symposium an, zu dem das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) Mitte November nach Berlin eingeladen hatte. Wenn die Wirksamkeit von antibiotisch wirksamen Substanzen langfristig erhalten werden solle, müsse ihr Einsatz weiter reduziert werden, mahnte der Präsident des Instituts Professor Andreas Hensel. Insbesondere bei der Behandlung ganzer Tierbestände, wenn nur wenige Tiere erkrankt sind, sehen die Wissenschaftler Möglichkeiten zu Einsparungen. Ausdrücklich wurde betont, dass therapeutische Behandlungen von diesen Empfehlungen ausgenommen sind, denn kranke Tiere haben genau wie kranke Menschen Anspruch auf Behandlung. Antibiotika werden zur Behandlung bakterieller Krankheiten sowohl in der Human- als auch in der Veterinärmedizin eingesetzt. Die Zahl der resistenten Bakterien nimmt aber zu und neue wirksamere Substanzen sind nicht in Sicht. Vor dem Hintergrund der zunehmenden Resistenzen ist vor jeder Anwendung von Antibiotika - sowohl bei Menschen als auch bei Tieren - eine Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich.

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Wie brisant das Thema ist, zeigt, dass zeitgleich an der Universität Leipzig ebenfalls ein Symposium zu diesem Thema stattfand. Infektionskrankheiten nehmen in den Industrieländern zu, die Mittel dagegen verlieren aber zunehmend an Wirksamkeit. Ein gegen Pneumokokken, die Erreger der Lungenentzündung, wirksames Antibiotikum weist inzwischen eine Versagerquote von 20 Prozent auf. Auch in der Humanmedizin muss deshalb ein Umdenken stattfinden. Nicht bei jedem grippalen Infekt sei es notwendig vom Arzt ein Antibiotikum einzufordern. Außerdem werde im Alltag der niedergelassenen Ärzte oft aus Kosten- und Logistikgründen eine gründliche Erregerdiagnostik vernachlässigt. Um von der Antibiotika-Gläubigkeit der Menschen wegzukommen, müssten alle Möglichkeiten der Prophylaxe genutzt werden.

Zu diesem Ergebnis kamen auch die Teilnehmer des BfR-Symposiums in Berlin. Sie sprachen sich dafür aus, im Sinne der Vorsorge zunächst alles zu tun, um das Risiko einer Resistenzentwicklung zu minimieren. In Skandinavien wurden bereits Erfolge erzielt. In der Schweinemast wurde der Antibiotikaeinsatz deutlich reduziert, die Resistenzbildung ging zurück, ohne dass die Zahl der erkrankten Tiere in der Folge angestiegen wäre.

Renate Kessen | aid infodienst
Weitere Informationen:
http://www.aid.de

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