Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Erfolgsgeschichte des biologischen Pflanzenschutzes

18.08.2003


Schnittrose mit Blattlausbefall


Viren gegen Insekten und Pilze gegen Pilze


Der biologische Pflanzenschutz ist eine der großen Erfolgsgeschichten in der Landwirtschaft der letzten beiden Jahrzehnte. Im Gewächshaus wie im Freiland werden heute auf großen Flächen Millionen von Insekten und Raubmilben ausgebracht, um schädliche Insekten zu fressen oder zu parasitieren. Virus- und Pilzkrankheiten, die ganz spezifisch wirken und für den Menschen völlig ungefährlich sind, werden gegen die Obstmade oder gegen eine Krankheit beim Raps eingesetzt.

Wie die Biologische Bundesanstalt jetzt mitteilte, werden in Deutschland auf mehr als 40.000 Hektar Krankheiten und Schädlinge biologisch bekämpft. Verglichen mit den insgesamt 17 Millionen Hektar Nutzfläche klingt dies zwar wenig, aber Steigerungen um fast das Dreifache gegenüber vor zehn Jahren lassen große Hoffnungen für diesen umweltschonenden Weg der Landwirtschaft aufkommen. Dies wird sich allerdings erst in ferner Zukunft herausstellen, wie Georg Backhaus, der Präsident der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft, auf einer Pressekonferenz in Frankfurt relativierte. Dazu sei noch sehr viel Forschung notwendig. Aber er ist zuversichtlich.


Im Gewächshaus fing die Erfolgsgeschichte aus Holland kommend vor fast 30 Jahren an. Heute werden 90 % des Tomatenanbaus mit Nützlingen behandelt. Dabei gehen die Gärtner teilweise sehr raffiniert vor. So werden Blattläuse mit ihren Parasiten, kleinen Schlupfwespen, gemeinsam ausgebracht, allerdings mit Getreideblattläusen, die nicht an Tomaten oder Gurken saugen. Die Schlupfwespen fliegen im Gewächshaus umher, ernähren sich von den Getreideblattläusen. Sie können dadurch die ersten Tomatenblattläuse, die durch Lüftungsöffnungen von draußen eindringen, parasitieren. Diese Methode nennt sich "offenen Zucht".

Große Veränderungen hat es auch im Freiland mit neuen Mikroorganismen gegeben. So wurde ein bereits seit 40 Jahren bekanntes Virus vor zehn Jahren nur auf 70 Hektar eingesetzt, heute jedoch auf 13.000 Hektar. Das ist knapp die Hälfte der gesamten deutschen Apfelplantagen. Gespritzt wird das Apfelwickler-Granulosevirus, eine Krankheit, die die Obstmade im Apfel, die Larve eines Schmetterlings, abtötet. Auch hier besteht keine Gefahr für den Menschen ebenso wenig wie für die Umwelt.

Ein Pilz mit dem wundersamen Namen Coniothyrium minitans war vor zehn Jahren noch so gut wie unbekannt. Heute wird er auf 7.800 Hektar im Raps und Salat gegen eine Welkekrankheit eingesetzt, die von dem Pilz Sclerotinia verursacht wird. Engerlinge des Maikäfers werden auf mehreren hundert Hektar mit dem Pilz Beauveria bekämpft. Mit Bacillus thuringiensis wird gegen Traubenwickler im Weinbau auf 7.200 ha angegangen. Eine Unterart des gleichen Krankheitserregers wird auch gegen den Kartoffelkäfer gespritzt.

Fortschritte sind zu erwarten. Im Darmstädter Institut der Biologischen Bundesanstalt wird ausprobiert, ob die nur zwei Millimeter großen Fransenflügler, landläufig auch Gewitterfliegen genannt, mit zwei biologischen Methoden im Porreeanbau kombiniert bekämpft werden können. Erste Ergebnisse sind erfolgversprechend. In Braunschweig bemüht sich Ellen Richter um Rosen. Der Verbraucher würde Schnittrosen mit Blattlaus- oder Fransenflüglerbefall nicht akzeptieren. Auch hier müssen verschiedene Nützlinge und Verfahren kombiniert werden, zumal auch Mehltau auftreten kann. " Die Verfahren werden komplizierter, aber sie funktionieren in den Gewächshäusern der Biologischen Bundesanstalt und weiteren Versuchsbetrieben gut." sagt Ellen Richter.

Zur Zeit läuft ein Forschungsprojekt des Bundesverbraucherschutzministeriums, von dem auch die Versuche mit Rosen und Porree finanziert werden. Damit sollen vor allem Ergebnisse geliefert werden, die schnell von der Praxis übernommen werden können.

Dr. P. W. Wohlers | BBA
Weitere Informationen:
http://www.bba.de

Weitere Berichte zu: Biologischen Erfolgsgeschichte Gewächshaus Insekt Pflanzenschutz

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Kaskadennutzung auch bei Holz positiv
11.12.2017 | Technische Universität München

nachricht Warum pflanzt man Bäume auf dem Acker?
29.11.2017 | Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Immunsystem - Blutplättchen können mehr als bislang bekannt

LMU-Mediziner zeigen eine wichtige Funktion von Blutplättchen auf: Sie bewegen sich aktiv und interagieren mit Erregern.

Die aktive Rolle von Blutplättchen bei der Immunabwehr wurde bislang unterschätzt: Sie übernehmen mehr Funktionen als bekannt war. Das zeigt eine Studie von...

Im Focus: First-of-its-kind chemical oscillator offers new level of molecular control

DNA molecules that follow specific instructions could offer more precise molecular control of synthetic chemical systems, a discovery that opens the door for engineers to create molecular machines with new and complex behaviors.

Researchers have created chemical amplifiers and a chemical oscillator using a systematic method that has the potential to embed sophisticated circuit...

Im Focus: Nanostrukturen steuern Wärmetransport: Bayreuther Forscher entdecken Verfahren zur Wärmeregulierung

Der Forschergruppe von Prof. Dr. Markus Retsch an der Universität Bayreuth ist es erstmals gelungen, die von der Temperatur abhängige Wärmeleitfähigkeit mit Hilfe von polymeren Materialien präzise zu steuern. In der Zeitschrift Science Advances werden diese fortschrittlichen, zunächst für Laboruntersuchungen hergestellten Funktionsmaterialien beschrieben. Die hiermit gewonnenen Erkenntnisse sind von großer Relevanz für die Entwicklung neuer Konzepte zur Wärmedämmung.

Von Schmetterlingsflügeln zu neuen Funktionsmaterialien

Im Focus: Lange Speicherung photonischer Quantenbits für globale Teleportation

Wissenschaftler am Max-Planck-Institut für Quantenoptik erreichen mit neuer Speichertechnik für photonische Quantenbits Kohärenzzeiten, welche die weltweite...

Im Focus: Long-lived storage of a photonic qubit for worldwide teleportation

MPQ scientists achieve long storage times for photonic quantum bits which break the lower bound for direct teleportation in a global quantum network.

Concerning the development of quantum memories for the realization of global quantum networks, scientists of the Quantum Dynamics Division led by Professor...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Call for Contributions: Tagung „Lehren und Lernen mit digitalen Medien“

15.12.2017 | Veranstaltungen

Die Stadt der Zukunft nachhaltig(er) gestalten: inter 3 stellt Projekte auf Konferenz vor

15.12.2017 | Veranstaltungen

Mit allen Sinnen! - Sensoren im Automobil

14.12.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Weltrekord: Jülicher Forscher simulieren Quantencomputer mit 46 Qubits

15.12.2017 | Informationstechnologie

Wackelpudding mit Gedächtnis – Verlaufsvorhersage für handelsübliche Lacke

15.12.2017 | Verfahrenstechnologie

Forscher vereinfachen Installation und Programmierung von Robotersystemen

15.12.2017 | Energie und Elektrotechnik