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Ergebnisse der Internationalen Forstwirtschaftskonferenz in Bonn

23.05.2003


Rund 200 Forstexperten aus internationalen Organisationen, Nichtregierungsorganisationen und Unternehmen sowie Regierungsvertreter aus über 40 Ländern haben in dieser Woche in Bonn darüber diskutiert, wie der Schutz der biologischen Vielfalt tropischer Wälder zugleich zur Reduzierung der millionenfachen Armut beitragen kann und welche Aufgaben dabei die Forschung zu übernehmen hat.


Die Ergebnisse der Konferenz fallen zusammen mit einer Erklärung der Europäischen Kommission diese Woche, in der ein Aktionsplan zur Bekämpfung illegalrer Abholzung von Wäldern angekündigt wird. Der Aktionsplan sieht vor, dass nur noch legal erzeugtes Holz in die Europäische Union importiert werden darf. Eine Forderung, die auch von den Teilnehmern der Bonner Konferenz erhoben wurde.

Trotz der alarmierend hohen Zerstörungsraten sehen die Konferenzteilnehmer Anlass zur Hoffnung für den Erhalt der Wälder und damit für die Sicherung der Existenzgrundlagen von etwa 240 Millionen Menschen, die in den Waldregionen leben und vom Ertrag der Wälder abhängig sind. Allerdings können die große biologische Artenvielfalt der Wälder und die daraus resultierenden wirtschaftlichen Potenziale zur globalen Armutsminderung nur gesichert werden, wenn sowohl die Entwicklungsländer als auch die Industrieländer gemeinsam Strategien zur Entwicklung und zum Forstmanagement umsetzen.


David Kaimowitz, Direktor des in Indonesien ansässigen Internationalen Waldforschungszentrums CIFOR, das zu den Organisatoren der Bonner Konferenz gehört und dessen Arbeit von Deutschland unterstützt wird, betonte, die Menschen in den Industrieländern müssten erkennen, dass auch für sie der Verlust tropischer Wälder zu ernsthaften Konsequenzen führt: "Zwar war das Hauptaugenmerk der Konferenz auf die tropischen Wälder und die Millionen Armen in den Entwicklungsländern gerichtet, es wurde aber auch klar, dass die Bedeutung der Regenwälder wieder stärker von denen beachtet werden muss, die in den wohlhabenden Nationen leben. Tatsache ist, dass dort immer noch zu viele glauben, der Verlust der tropischen Wälder ginge sie nichts an."

"Viele haben noch nicht erkannt, dass der Verlust der tropischen Wälder und die damit verbundene fortschreitende Verarmung der Menschen, die in den Waldregionen leben, auch negative Folgen für das Leben von Menschen in den wohlhabenden Nationen haben werden," sagte Kaimowitz.

Als Beispiel hob Kaimowitz hervor, dass mit den tropischen Wäldern auch die dort anzutreffende große biologische Vielfalt verloren gehe und damit eine der wichtigsten Quellen für die Entwicklung neuer Arzneimittel. "Ich möchte gar nicht darüber nachdenken, wie wir mit dem Ausbruch neuer Krankheiten fertig werden sollen, beispielsweise SARS, wenn wir nicht mehr auf die genetische Vielfalt in den Regenwäldern zurückgreifen können, die die Grundlage für neue chemische Verbindungen und Heilmittel ist."

Als weiteres Beispiel nannte Kaimowitz, den globalen Anstieg der Kohlendioxydbelastung und damit der Erderwärmung, die mit dem Verlust der Wälder einhergingen. Die Vernichtung von Wäldern trägt mit 20 Prozent einen erschreckend hohen Anteil zur gesamten globalen CO2-Freisetzung bei. "Es gibt bereits Hinweise dafür, dass durch die Veränderung des Weltklimas die Häufigkeit und Schwere von Dürren und Überschwemmungen zunehmen und zugleich die Nahrungsmittelproduktion zurückgehen wird." Die Menschen in den Industrienationen müssten sich darüber bewusst werden, dass auch sie von den Folgen betroffen seien.

Mit dem Rückgang der Wälder sei auch eine Zunahme der Armut verbunden, was nicht ohne Auswirkungen auf die wohlhabenden Nationen bleibe, so Kaimowitz. "Wenn Millionen Menschen, deren Existenz von den Wäldern abhängt, ihre Lebensgrundlage verlieren, werden sie in noch tiefere Armut fallen. Dann sind es die Industrieländer und ihre Steuerzahler, die um Hilfe gebeten werden. Wie wir bereits heute sehen, kommen die Armen der Welt auf der Suche nach Arbeit, häufig illegal, auch in diese Länder. Kaimowitz machte auf einen weiteren Punkt aufmerksam: "Menschen, deren Existenz von den Wäldern abhängt, geben ihr Land nicht leichten Herzens her. Überall in der Welt sind Wälder zur Kampfzone geworden, wo sich Regierungstruppen, Rebellengruppen und die einheimische Bevölkerung Auseinandersetzungen um das Holz liefern. Holz, das wir nicht selten als Gartenmöbel in den wohlhabenden Nationen wiederfinden. Und üblicherweise werden bei solchen Konflikten die Regierungen der Industrienationen um wirtschaftliche und humanitäre Hilfe gebeten.

Ziel der Konferenz sei es nicht gewesen, auf die Bedeutung tropischer Wälder für die Industrienationen hinzuweisen, betonte Kaimowitz. Im Mittelpunkt standen die armen Bevölkerungsgruppen und die Frage, wie Forschung dazu beitragen kann, dass die Menschen auch in Zukunft durch nachhaltiges Forstmanagement von den Wäldern leben können.

"Obgleich die tropischen Wälder auch für die entwickelte Welt lebenswichtig sind, darf sich die Waldforschung nicht nur an deren Bedürfnissen orientieren. Wir müssen die Prioritäten der einheimischen Bevölkerung in den Waldregionen anerkennen und besser verstehen," sagte Kaimowitz.

Die Delegierten der Konferenz waren sich darüber einig, dass die vorgetragenen Erfolgsberichte eher die Ausnahmen als die Regel seien. Sie stellten aber auch fest, dass wegen der Komplexität der Probleme Erfolge nur schrittweise zu erreichen seien. Diese Komplexität mache es erforderlich, die große Bandbreite aller Beteiligten anzusprechen und mehr Mittel für die Wirkungsforschung bereit zu stellen.

"Niemand würde behaupten, wir hätten auf der Konferenz die perfekte Lösung gefunden," sagte Kaimowitz. "Aber wir sind zuversichtlich, dass mit den Konferenzergebnissen, die im kommenden Jahr in das 4. UN-Waldforum einfließen, die Forstwissenschaftler eine klarere Ausrichtung der künftigen Forschungen in der Hand haben. Es wird dann an den wohlhabenden Nationen liegen, die Forschung zu unterstützen. Aber auch sie werden vom Schutz der Existenzgrundlagen, die die Wälder den Menschen bieten, und vom Schutz der biologischen Vielfalt profitieren."


Zusammenfassung der Konferenzergebnisse und -empfehlungen

1. Die schnell wachsenden städtischen Märkte für Holz, Holzkohle und Heilkräuter in den Entwicklungsländern schaffen gute Möglichkeiten, das Einkommen der armen Bevölkerungsgruppen in den ländlichen Gebieten zu verbessern. Regierungen und Nichtregierungsorganisationen sollten Mikrofinanzierungssysteme und Marktinformationen unterstützen, damit die Vorteile dieser aussichtsreichen Märkte wahrgenommen werden können.

2. Partnerschaften sollten zwischen forstwirtschaftlichen Unternehmen und lokalen Gemeinden aufgebaut werden. Dabei sollten die Unternehmen Holz von den Gemeinden aufkaufen sowie Kredite bereitstellen und die Entwicklung von Märkten und Infrastruktur fördern. Solche Partnerschaften hätten vor allem für viele armen Bauern große Vorteile.

3. Zahlreiche Verordnungen und Regelungen machen es für Kleinbauern und andere Bevölkerungsgruppen schwer, Einkommen aus den Wäldern zu erwirtschaften. Weil Kleinbauern keine Bäume fällen dürfen, um Holz oder andere Produkte zu gewinnen, pflanzen sie auch keine Bäume. Regierungen sollten solche Verordnungen und Regelungen aufheben oder vereinfachen.

4. In vielen Ländern haben die Regierungen versucht, die Wälder zu schützen, indem sie Schutzzonen ausgewiesen und Menschen, die dort lebten, umgesiedelt haben. Die Konferenzteilnehmer vertraten die Ansicht, dass dies kein gutes Vorgehen sei und langfristig auch keinen Schutz der Wälder bedeute.

5. Die Vergabe von Landtiteln oder von umfangreichen Einschlagkonzessionen an Unternehmen hat den Zugang zu den Wäldern für die armen Bevölkerungsgruppen und die Nutzung der Wälder als Quelle von Nahrungsmitteln, Heilkräuter, Feuerholz und anderen Gütern erschwert. Bei der Vergabe von Landtiteln und privaten Eigentums- und Nutzungsrechten an den Ressourcen der Wälder müssen künftig die Bedürfnisse der armen Bevölkerungsgruppen berücksichtigt werden.

6. Wild ist besonders in Afrika, aber auch in Teilen Asiens und Lateinamerikas eine wichtige Einkommensquelle und Grundlage bei der Proteinversorgung der lokalen Bevölkerung. Die Regierungen sollten aber auch nicht die gesamte kommerzielle Jagd für illegal erklären, sondern mit den örtlichen Gemeinden und Behörden zusammenarbeiten, um die Zahl der zur Jagd freigegebenen Wildtiere zu regulieren und den Tierbestand nicht zu gefährden. Dies wird zwar nicht einfach umzusetzen sein, aber die Jagd völlig zu verbieten, erweist sich als nachteilig für die armen Bevölkerungsgruppen und fördert illegales Handeln.

7. Die globalen ökologischen Wirkungen von Wäldern muss als Leistung der Waldbesitzer oder Waldbewirtschafter anerkannt und honoriert werden. Ländliche Gemeinden für den Schutz der biologischen Vielfalt zu bezahlen, könnte ein guter Weg sein, um sowohl den Bestand der Wälder zu sichern als auch der ansässigen Bevölkerung ein zusätzliches Einkommen zu verschaffen. Weitere Pilotprogramme sind erforderlich, um geeignete Strategien dafür zu entwickeln. Damit Bemühungen der ansässigen Bevölkerung erfolgreich sein können, ist es erforderlich, ihr eindeutige Rechte an den Wäldern zu übertragen.

8. Es existieren mittlerweile weite Gebiete, die von den Regierungen als "Waldgebiete" ausgewiesen worden sind, obwohl dort seit vielen Jahren überhaupt kein Wald mehr vorhanden ist. Diese Flächen sollten stattdessen als Acker- oder Weideland klassifiziert werden, um vor allem den Kleinbauern zu ermöglichen, Eigentumsrechte daran zu sichern. Dies würde die Kleinbauern zudem ermutigen, die Flächen besser zu bewirtschaften und gegebenenfalls auch Aufforstungen anzulegen. Dieses Problem besteht vor allem in Asien.

9. Sofortige Schritte müssen unternommen werden, um die großflächige Abholzung durch Rancher, große Plantagenunternehmen und Holzfäller einzudämmen. Dabei müssen auch Subventionen sowie die Vergabe von Staatswald und Staatsland an Großfarmen und Unternehmen ausgeschlossen werden.

10. Forstwirtschaftliche Projekte und Wiederaufforstungsprojekte können erfolgversprechende Alternativen sein, um den Lebensunterhalt der ländlichen Bevölkerung zu verbessern. Allerdings werden diese Projekte nur dann funktionieren, wenn die Bevölkerung auch darüber entscheiden kann, welche Bäume wo gepflanzt und wann sie geschlagen und verkauft werden sollen.

11. Forstliche Zertifizierung kann der ansässigen Bevölkerung durch Legalisierung ihrer forstwirtschaftlichen Aktivitäten eine Einkommensquelle sichern und zugleich den örtlichen Gemeinden den Umgang mit Holzfällerfirmen vereinfachen helfen. Es wird allerdings erforderlich sein, die Zertifizierungskosten für die wenig intensive Waldnutzung und für forstwirtschaftliche Aktivitäten auf niedrigem Niveau zu senken, damit Zertifizierung großflächig erfolgen und in weiten Regionen die ansässigen Bevölkerung Nutzen daraus ziehen kann.

Oliver Hanschke | idw
Weitere Informationen:
http://www.beaf.de
http://www.cifor.cgiar.org

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