Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Heißes Wasser hält Äpfel gesund

05.05.2003


Neuer ForschungsReport stellt Projekt zur nicht-chemischen Pilzbekämpfung vor


Gloeosporium-Fäule an einem Bio-Apfel der Sorte Topaz


Temperatur-Profil eines Apfels nach 2 min Tauchen in 53 °C heißem Wasser



Viele Äpfel müssen nach der Ernte über Monate hinweg gelagert werden, um im Winter- und Frühjahr für die Verbraucher zur Verfügung zu stehen. Fangen in den Kühllagern einzelne Äpfel an zu faulen, kann dies rasch um sich greifen und zu erheblichen wirtschaftlichen Verlusten führen. Wissenschaftler der Bundesforschungsanstalt für Ernährung (BFE) in Karlsruhe haben ein überraschend einfaches Verfahren perfektioniert, das Abhilfe gegen einen der wichtigsten Fruchtfäule-Erreger, den Pilz Gloeosporium, schafft. Mit Hilfe von heißem Wasser wird den Sporen dieses Pilzes der Garaus gemacht.

... mehr zu:
»Ernte »Kühllagern »Äpfel


Fruchtfäule-Pilze infizieren Äpfel schon vor der Ernte im Freiland. Besonders bei Früchten aus Ökologischem Landbau sind Lagerausfälle durch Gloeosporium-Fäule ein großes Problem, da hier Behandlungen mit chemischen Fungiziden (Pilzbekämpfungsmitteln) tabu sind. Dies ist einer der Gründe, warum für Öko-Äpfel schon ab Januar häufig hohe Preise auf dem Markt gezahlt werden müssen. Selbst in Kühllagern und bei der Lagerung unter kontrollierter Atmosphäre mit reduziertem Sauerstoff- und erhöhtem Kohlendioxid-Gehalt (hierdurch werden Stoffwechselvorgänge verlangsamt) können sich Fäuleschäden - wenn auch mit Verzögerung - breit machen. Überlegungen, mit welchen nicht-chemischen Methoden sich die Fruchtfäule an Äpfeln reduzieren lässt, führten die Karlsruher Wissenschaftler zur Heißwasserbehandlung. Dieses Verfahren wurde schon von hundert Jahren zur Pilzbekämpfung an Getreidesaatgut angewendet.

Bei der Behandlung werden die Äpfel kistenweise in heißes Wasser getaucht. Doch welche Temperatur und Behandlungsdauer ist optimal? Einerseits sollen die Pilzsporen zuverlässig abgetötet werden, andererseits will man auch keine Bratäpfel produzieren. Versuchsreihen im Technikum der Bundesforschungsanstalt ergaben, dass bei einer Tauchzeit von zwei Minuten in 53 °C heißem Wasser die besten Ergebnisse erzielt werden. Gloeosporium-Sporen, das zeigten begleitende Versuche im Labor, werden bei dieser Temperatur zuverlässig inaktiviert. Mit Hilfe von Infrarotkameras und Thermofühlern beobachteten die Ernährungswissenschaftler die Temperaturgradienten in den behandelten Äpfeln und der Heißwassertauchanlage. Eine gute Isolierung der Tauchbehälter sowie der Leitungen und Pumpen ist beim Transfer in die Praxis das A und O, denn für die untersuchten 20 kg Obstkisten müssen in der gewählten Versuchsanordnung rund 900 Liter Wasser beheizt werden. Um das Verfahren für Bio-Bauern kommerziell nutzbar zu machen, werden an der BFE derzeit weiterführende Untersuchungen an handelsüblichen 300 kg Apfelkisten durchgeführt.

Genauere Informationen über das Projekt gibt der Artikel "Heißes Wasser hält Äpfel gesund" im neu erschienenen ForschungsReport 1/2003. Das Wissenschaftsmagazin des Senats der Bundesforschungsanstalten berichtet außerdem über ein neu entwickeltes HighTech-Instument zur sekundenschnellen Bestimmung der Reife und des Zuckergehalts von Äpfel und Pfirsichen, über die Rolle von Schwefel für die Gesundheit von Pflanzen und den Gesundheitswert pflanzlicher Lebensmittel sowie über den Einsatz von Nutzinsekten für den Gartenbau unter Glas.



Dr. Michael Welling | idw
Weitere Informationen:
http://www.bmvel-forschung.de

Weitere Berichte zu: Ernte Kühllagern Äpfel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Julius Kühn-Institut etabliert Forschungszentrum für landwirtschaftliche Fernerkundung (FLF)
22.03.2017 | Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen

nachricht Im Drohnenflug dem Wasser auf der Spur
03.03.2017 | Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Atome rennen sehen - Phasenübergang live beobachtet

Ein Wimpernschlag ist unendlich lang dagegen – innerhalb von 350 Billiardsteln einer Sekunde arrangieren sich die Atome neu. Das renommierte Fachmagazin Nature berichtet in seiner aktuellen Ausgabe*: Wissenschaftler vom Center for Nanointegration (CENIDE) der Universität Duisburg-Essen (UDE) haben die Bewegungen eines eindimensionalen Materials erstmals live verfolgen können. Dazu arbeiteten sie mit Kollegen der Universität Paderborn zusammen. Die Forscher fanden heraus, dass die Beschleunigung der Atome jeden Porsche stehenlässt.

Egal wie klein sie sind, die uns im Alltag umgebenden Dinge sind dreidimensional: Salzkristalle, Pollen, Staub. Selbst Alufolie hat eine gewisse Dicke. Das...

Im Focus: Kleinstmagnete für zukünftige Datenspeicher

Ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Chemikern der ETH Zürich hat eine neue Methode entwickelt, um eine Oberfläche mit einzelnen magnetisierbaren Atomen zu bestücken. Interessant ist dies insbesondere für die Entwicklung neuartiger winziger Datenträger.

Die Idee ist faszinierend: Auf kleinstem Platz könnten riesige Datenmengen gespeichert werden, wenn man für eine Informationseinheit (in der binären...

Im Focus: Quantenkommunikation: Wie man das Rauschen überlistet

Wie kann man Quanteninformation zuverlässig übertragen, wenn man in der Verbindungsleitung mit störendem Rauschen zu kämpfen hat? Uni Innsbruck und TU Wien präsentieren neue Lösungen.

Wir kommunizieren heute mit Hilfe von Funksignalen, wir schicken elektrische Impulse durch lange Leitungen – doch das könnte sich bald ändern. Derzeit wird...

Im Focus: Entwicklung miniaturisierter Lichtmikroskope - „ChipScope“ will ins Innere lebender Zellen blicken

Das Institut für Halbleitertechnik und das Institut für Physikalische und Theoretische Chemie, beide Mitglieder des Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), der Technischen Universität Braunschweig, sind Partner des kürzlich gestarteten EU-Forschungsprojektes ChipScope. Ziel ist es, ein neues, extrem kleines Lichtmikroskop zu entwickeln. Damit soll das Innere lebender Zellen in Echtzeit beobachtet werden können. Sieben Institute in fünf europäischen Ländern beteiligen sich über die nächsten vier Jahre an diesem technologisch anspruchsvollen Projekt.

Die zukünftigen Einsatzmöglichkeiten des neu zu entwickelnden und nur wenige Millimeter großen Mikroskops sind äußerst vielfältig. Die Projektpartner haben...

Im Focus: A Challenging European Research Project to Develop New Tiny Microscopes

The Institute of Semiconductor Technology and the Institute of Physical and Theoretical Chemistry, both members of the Laboratory for Emerging Nanometrology (LENA), at Technische Universität Braunschweig are partners in a new European research project entitled ChipScope, which aims to develop a completely new and extremely small optical microscope capable of observing the interior of living cells in real time. A consortium of 7 partners from 5 countries will tackle this issue with very ambitious objectives during a four-year research program.

To demonstrate the usefulness of this new scientific tool, at the end of the project the developed chip-sized microscope will be used to observe in real-time...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Industriearbeitskreis »Prozesskontrolle in der Lasermaterialbearbeitung ICPC« lädt nach Aachen ein

28.03.2017 | Veranstaltungen

Neue Methoden für zuverlässige Mikroelektronik: Internationale Experten treffen sich in Halle

28.03.2017 | Veranstaltungen

Wie Menschen wachsen

27.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Nierentransplantationen: Weisse Blutzellen kontrollieren Virusvermehrung

30.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Zuckerrübenschnitzel: der neue Rohstoff für Werkstoffe?

30.03.2017 | Materialwissenschaften

Integrating Light – Your Partner LZH: Das LZH auf der Hannover Messe 2017

30.03.2017 | HANNOVER MESSE