Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Zivilisationskrankheiten bei Tieren?

25.04.2003


Das ist eine Frage, die der Tierarzt und Spezialist für Veterinär-Physiologie, Dr. Jörg Rudolf Aschenbach, sofort bejahen würde. "Wir Menschen haben unsere Haustiere aus ihrem natürlichen Lebensraum, an den sie sich im Zuge ihrer evolutionären Entwicklung über viele Jahrtausende hinweg angepasst haben, wieder herausgenommen und in unsere ’zivilisierte’ Umwelt eingegliedert", erläutert er das Problem.




Hochleistungskühe leiden manchmal unter Zivilisationskrankheiten


Das ist eine Frage, die der Tierarzt und Spezialist für Veterinär-Physiologie, Dr. Jörg Rudolf Aschenbach, sofort bejahen würde. "Wir Menschen haben unsere Haustiere aus ihrem natürlichen Lebensraum, an den sie sich im Zuge ihrer evolutionären Entwicklung über viele Jahrtausende hinweg angepasst haben, wieder herausgenommen und in unsere ’zivilisierte’ Umwelt eingegliedert", erläutert er das Problem. "Wird das Anpassungsvermögen der Tiere dabei überfordert, können Krankheiten entstehen, die man durchaus mit dem Wort ’Zivilisationskrankheiten’ umschreiben könnte."

Mit solchen ’Zivilisationskrankheiten’ beschäftigt sich der junge Tierarzt vom Institut für Veterinär-Physiologie der Veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Leipzig wissenschaftlich. Und das so gut, dass ihm die Deutsche Veterinärmedizinische Gesellschaft (DVG) einen der drei Nachwuchswissenschaftlerpreise verlieh, von denen immerhin zwei nach Leipzig gingen (Über den anderen Peis hatten wir bereits informiert). Dr. Aschenbach erhielt den Preis für seine Arbeiten zur Pansen-Azidose und zur Resorption und Entgiftung biologisch wirksamer Amine im Verdauungstrakt.


Hinter dem Namen "Pansen-Azidose" verbirgt sich eine der sogenannten Zivilisationskrankheiten, die dann auftreten können, wenn sich der tierische Organismus nicht an eine Lebensweise anpassen kann, die vor allem den menschlichen Bedürfnissen geschuldet ist. In freier Natur nehmen Wiederkäuer, z.B. Schafe und Rinder, normalerweise schlecht verdauliches, energiearmes Futter auf. Die Tiere können dieses Futter jedoch in einem speziell dafür vorhandenen Vormagen (dem Pansen) durch Mikroorganismen verdauen lassen und sich selbst dann wiederum von den mikrobiellen Endprodukten (kurzkettige Fettsäuren) ernähren.

Hochleistungskühe aber können ihren Nährstoffbedarf über nur energiearmes Futter nicht mehr decken, so dass zunehmend energiereiches Futter verabreicht werden muss. Dies kann in einigen Fällen zu einer überschießenden Säureproduktion im Pansen führen und die Tiere erkranken an Pansen-Azidose. Dr. Aschenbach hat sich dieser Tier-Krankheit in seiner wissenschaftlichen Arbeit angenommen und sich vor allem mit den Prozessen beschäftigt, die im Pansen zu Beginn der Erkrankung ablaufen. Daraus lassen sich wiederum Schlussfolgerungen für die Vorbeugung und Behandlung dieser Tierkrankheit ableiten.

Die Gefahr von Pansenazidosen ist übrigens auch ein Grund dafür, dass an Zoogehegen mit Damwild oder anderen Wildwiederkäuern ein Schild angebracht ist: "Bitte nicht füttern!" "Diese Bitte sollte man unbedingt erfüllen", so Dr. Aschenbach, "denn eine schwere Pansenazidose könnte für das Wild tödlich sein".

weitere Informationen:

Dr. Jörg R. Aschenbach
Telefon: 0341 - 97 38 076
E-Mail: aschenb@vmf.uni-leipzig.de

Dr. Bärbel Adams | idw
Weitere Informationen:
http://www.vmf.uni-leipzig.de/ik/wphysiologie

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Feuerbrand bekämpfen und Salmonellen nachweisen
14.06.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Das Potenzial nichtheimischer Baumarten für den forstlichen Anbau in Deutschland sachlich prüfen
14.06.2017 | Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Im Focus: Climate satellite: Tracking methane with robust laser technology

Heatwaves in the Arctic, longer periods of vegetation in Europe, severe floods in West Africa – starting in 2021, scientists want to explore the emissions of the greenhouse gas methane with the German-French satellite MERLIN. This is made possible by a new robust laser system of the Fraunhofer Institute for Laser Technology ILT in Aachen, which achieves unprecedented measurement accuracy.

Methane is primarily the result of the decomposition of organic matter. The gas has a 25 times greater warming potential than carbon dioxide, but is not as...

Im Focus: How protons move through a fuel cell

Hydrogen is regarded as the energy source of the future: It is produced with solar power and can be used to generate heat and electricity in fuel cells. Empa researchers have now succeeded in decoding the movement of hydrogen ions in crystals – a key step towards more efficient energy conversion in the hydrogen industry of tomorrow.

As charge carriers, electrons and ions play the leading role in electrochemical energy storage devices and converters such as batteries and fuel cells. Proton...

Im Focus: Die Schweiz in Pole-Position in der neuen ESA-Mission

Die Europäische Weltraumagentur ESA gab heute grünes Licht für die industrielle Produktion von PLATO, der grössten europäischen wissenschaftlichen Mission zu Exoplaneten. Partner dieser Mission sind die Universitäten Bern und Genf.

Die Europäische Weltraumagentur ESA lanciert heute PLATO (PLAnetary Transits and Oscillation of stars), die grösste europäische wissenschaftliche Mission zur...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von Batterieforschung bis Optoelektronik

23.06.2017 | Veranstaltungen

10. HDT-Tagung: Elektrische Antriebstechnologie für Hybrid- und Elektrofahrzeuge

22.06.2017 | Veranstaltungen

„Fit für die Industrie 4.0“ – Tagung von Hochschule Darmstadt und Schader-Stiftung am 27. Juni

22.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Radioaktive Elemente in Cassiopeia A liefern Hinweise auf Neutrinos als Ursache der Supernova-Explosion

23.06.2017 | Physik Astronomie

Dünenökosysteme modellieren

23.06.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Makro-Mikrowelle macht Leichtbau für Luft- und Raumfahrt effizienter

23.06.2017 | Materialwissenschaften