Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Nachhaltige Landwirtschaft für Entwicklungsländer: durch Biowissenschaften und Biotechnologie eröffnete Optionen

24.01.2003


Die mit herausragenden Wissenschaftlern zur Beratung von Philippe Busquin, für Forschung zuständiges Mitglied der Europäischen Kommission, besetzte Europäische Expertengruppe für Biowissenschaften lädt zu einer Konferenz ein, bei der untersucht werden soll, wie Biowissenschaften und Biotechnologie die nachhaltige Landwirtschaft in Entwicklungsländern fördern können. Die Konferenz findet am 30. und 31. Januar 2003 in Brüssel statt. Neben Kommissar Busquin nehmen Poul Nielson, für Entwicklung und humanitäre Hilfe zuständiges Mitglied der Europäischen Kommission, Vertreter der Zivilgesellschaft und von Entwicklungsländern, Entwicklungsexperten, Wissenschaftler und Vertreter anderer interessierter Kreise an der Konferenz teil.


„Die Probleme bei der Nahrungsmittelversorgung in vielen Teilen der Welt sind offensichtlich“, stellte Kommissar Busquin fest. „Es wäre eine unverantwortliche Unterlassung, das Potenzial von Biowissenschaften und Biotechnologie bei der Sicherstellung einer nachhaltigen Landwirtschaft in Entwicklungsländern nicht zu untersuchen und zu erörtern. Mit dieser Konferenz möchte ich für Wissenschaftler eine Plattform schaffen, die eine informierte Diskussion mit der interessierten Öffentlichkeit und zahlreichen Vertretern von Entwicklungsländern ermöglicht. Dabei sollen keine voreiligen Beschlüsse gefasst werden. Vielmehr hoffe ich, dass dies eine Gelegenheit zum konstruktiven Meinungsaustausch wird. Das wird die EU bei ihren Entscheidungen unterstützen und ihr Möglichkeiten aufzeigen, den wissenschaftlichen Fortschritt in verantwortungsvoller Weise in den Dienst Notleidender zu stellen. In jedem Fall sollten wir unsere Biotechnologiepolitik auf die Erfordernisse von Entwicklungsländern abstimmen.“

Nachhaltigkeit zu gewährleisten gilt allgemein als globale Priorität. Unter politischen Entscheidungsträgern wird anerkannt, dass nachhaltige Entwicklung nicht isoliert von anderen Fragen wie Bekämpfung von Armut, Hunger, Mangelernährung und Infektionskrankheiten betrachtet werden darf, und dass sie davon abhängt, ob Entwicklungsländern die Möglichkeit gegeben wird, ihre Integration in die Weltwirtschaft eigenverantwortlich zu gestalten. In diesem Zusammenhang sind auch Themen wie Zugang zu Bildung und Liberalisierung des Handels anzusprechen.



Das Problem der Nahrungsmittelproduktion
In den kommenden Jahren wird der Nahrungsmittelbedarf erheblich ansteigen, insbesondere in Entwicklungsländern. Die mögliche Ausdehnung der landwirtschaftlich genutzten Flächen wird durch die Notwendigkeit begrenzt, natürliche Gebiete von vitaler Bedeutung zu schützen, und sie kann nur zu einem Fünftel zur Steigerung der weltweiten Getreideproduktion beitragen, die notwendig ist, um die anwachsende Weltbevölkerung zu ernähren. Deshalb müssen die Ernteerträge gesteigert werden.
Können die Biowissenschaften einen Beitrag leisten?

Um dieses Problem zu lösen, müssen Human- und Finanzressourcen mobilisiert werden. Durch Fortschritte in Biowissenschaften und Biotechnologien kann potenziell ein Beitrag zur nachhaltigen Landwirtschaft in Entwicklungsländern geleistet werden. Das gilt vor allem insofern, als Biowissenschaften es diesen Ländern ermöglichen, auf schädliche mechanische und chemische Methoden zu verzichten.

Der in der Öffentlichkeit bestehenden Besorgnis beispielsweise in Bezug auf genetisch veränderte Organismen ist natürlich angemessen Rechnung zu tragen, wenngleich diese nur ein Teilaspekt der umfassenderen Diskussion sind. Die Biowissenschaften eröffnen auch andere Optionen. Ebenso wichtig sind boden- und pflanzensanitäre Maßnahmen, Kenntnisse in Bezug auf biologische Vielfalt, Wasser und Klima sowie die technologische Entwicklung ländlicher Gebiete.

Meinungsaustausch
Um auf dieses Ziel hinzuarbeiten, hat die Europäische Kommission mit Unterstützung der Europäischen Expertengruppe für Biowissenschaften (European Group on Life Sciences, EGLS) diese Diskussionsplattform organisiert. Dabei sollen die Optionen, die Biowissenschaften und Biotechnologie den Entwicklungsländern eröffnen, kritisch erörtert werden. Die Konferenz bringt Vertreter dieser Länder, der Biotechnologieindustrie, nichtstaatlicher und internationaler Organisationen, Wissenschaftler, Bildungs- und Medienexperten, europäische Bürger, Vertreter mehrerer Regierungen und insbesondere der jüngeren Generation zusammen.

Dieser Versuch zur öffentlichen Diskussion von Themen in Bezug auf Biowissenschaften, die von großer forschungs- und gesellschaftspolitischer Bedeutung sind, knüpft an Veranstaltungen an, die früher von der EGLS organisiert worden sind: Diskussionen zu den Themen „Genetik und die Zukunft Europas“ (November 2000) und „Stammzellen - Therapien für die Zukunft?“ (Dezember 2001).

Die Konferenz schließt außerdem an die Mitteilung der Kommission „Biowissenschaften und Biotechnologie - Eine Strategie für Europa” an, in der die Verantwortung Europas für Entwicklungsländer in einem Aktionsplan dargelegt wird. Dieser betrifft unter anderem Landwirtschaft, genetische Ressourcen, Gesundheit und die verantwortungsvolle und umsichtige Nutzung der Biotechnologie (Aktionen 25 bis 28).

Sieben Herausforderungen
bei den Diskussionen soll untersucht werden, wie die Biowissenschaften dazu beitragen können, sieben zentralen Herausforderungen zu begegnen:
• Nahrungsmittelerzeugung unter Grenzertragsbedingungen,
• Verbesserung der Wirtschaftlichkeit der Nahrungsmittelproduktion,
• Verbesserung von Gesundheit und Ernährung ohne Beeinträchtigung der Lebensmittelsicherheit und der Umweltqualität,
• Bekämpfung der Armut durch Schaffung von Einkommensmöglichkeiten und neuen Märkten,
• Verringerung des Einsatzes von Pestiziden,
• Mehrwert aus Agrobiodiversität,
• Einbeziehung von Entwicklungsländern in die Nutzung neuer Erkenntnisse der Genomforschung.

Die Konferenz findet im Gebäude „Charlemagne“ in Brüssel statt und wird am 30. Januar um 10.00 Uhr durch Forschungskommissar Philippe Busquin eröffnet. Um 11.00 Uhr findet eine Pressekonferenz mit Kommissar Busquin und Prof. Patrick Cunningham der EGLS statt.

Fabio Fabbi | Europäische Kommission
Weitere Informationen:
http://europa.eu.int/comm/research/life-sciences/egls/index_en.html
http://europa.eu.int/comm/research/sadc
http://europa.eu.int/comm/biotechnology/introduction_de.html

Weitere Berichte zu: Biotechnologie Biowissenschaft Entwicklungsland Optionen

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Mischwälder: ökologisch und ökonomisch überlegen
09.05.2018 | Technische Universität München

nachricht Wertvolle Böden erhalten
03.05.2018 | Schweizerischer Nationalfonds SNF

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mit Hilfe molekularer Schalter lassen sich künftig neuartige Bauelemente entwickeln

Einem Forscherteam unter Führung von Physikern der Technischen Universität München (TUM) ist es gelungen, spezielle Moleküle mit einer angelegten Spannung zwischen zwei strukturell unterschiedlichen Zuständen hin und her zu schalten. Derartige Nano-Schalter könnten Basis für neuartige Bauelemente sein, die auf Silizium basierende Komponenten durch organische Moleküle ersetzen.

Die Entwicklung neuer elektronischer Technologien fordert eine ständige Verkleinerung funktioneller Komponenten. Physikern der TU München ist es im Rahmen...

Im Focus: Molecular switch will facilitate the development of pioneering electro-optical devices

A research team led by physicists at the Technical University of Munich (TUM) has developed molecular nanoswitches that can be toggled between two structurally different states using an applied voltage. They can serve as the basis for a pioneering class of devices that could replace silicon-based components with organic molecules.

The development of new electronic technologies drives the incessant reduction of functional component sizes. In the context of an international collaborative...

Im Focus: GRACE Follow-On erfolgreich gestartet: Das Satelliten-Tandem dokumentiert den globalen Wandel

Die Satellitenmission GRACE-FO ist gestartet. Am 22. Mai um 21.47 Uhr (MESZ) hoben die beiden Satelliten des GFZ und der NASA an Bord einer Falcon-9-Rakete von der Vandenberg Air Force Base (Kalifornien) ab und wurden in eine polare Umlaufbahn gebracht. Dort nehmen sie in den kommenden Monaten ihre endgültige Position ein. Die NASA meldete 30 Minuten später, dass der Kontakt zu den Satelliten in ihrem Zielorbit erfolgreich hergestellt wurde. GRACE Follow-On wird das Erdschwerefeld und dessen räumliche und zeitliche Variationen sehr genau vermessen. Sie ermöglicht damit präzise Aussagen zum globalen Wandel, insbesondere zu Änderungen im Wasserhaushalt, etwa dem Verlust von Eismassen.

Potsdam, 22. Mai 2018: Die deutsch-amerikanische Satellitenmission GRACE-FO (Gravity Recovery And Climate Experiment Follow On) ist erfolgreich gestartet. Am...

Im Focus: Faserlaser mit einstellbarer Wellenlänge

Faserlaser sind ein effizientes und robustes Werkzeug zum Schweißen und Schneiden von Metallen beispielsweise in der Automobilindustrie. Systeme bei denen die Wellenlänge des Laserlichts flexibel einstellbar ist, sind für spektroskopische Anwendungen und die Medizintechnik interessant. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT) haben, im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Projekts „FlexTune“, ein neues Abstimmkonzept realisiert, das erstmals verschiedene Emissionswellenlängen voneinander unabhängig und zeitlich synchron erzeugt.

Faserlaser bieten im Vergleich zu herkömmlichen Lasern eine höhere Strahlqualität und Energieeffizienz. Integriert in einen vollständig faserbasierten...

Im Focus: LZH zeigt Lasermaterialbearbeitung von morgen auf der LASYS 2018

Auf der LASYS 2018 zeigt das Laser Zentrum Hannover e.V. (LZH) vom 5. bis zum 7. Juni Prozesse für die Lasermaterialbearbeitung von morgen in Halle 4 an Stand 4E75. Mit gesprengten Bombenhüllen präsentiert das LZH in Stuttgart zudem erste Ergebnisse aus einem Forschungsprojekt zur zivilen Sicherheit.

Auf der diesjährigen LASYS stellt das LZH lichtbasierte Prozesse wie Schneiden, Schweißen, Abtragen und Strukturieren sowie die additive Fertigung für Metalle,...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Größter Astronomie-Kongress kommt nach Wien

24.05.2018 | Veranstaltungen

22. Business Forum Qualität: Vom Smart Device bis zum Digital Twin

22.05.2018 | Veranstaltungen

48V im Fokus!

21.05.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Was einen guten Katalysator ausmacht

24.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Superkondensatoren aus Holzbestandteilen

24.05.2018 | Biowissenschaften Chemie

Neue Schaltschrank-Plattform für die Energiewelt

24.05.2018 | Messenachrichten

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics