Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Alte Rebsorten neu entdeckt

09.01.2003


Unerwartete Schätze in Heidelberger Weinbergen



Wissenschaftler des Instituts für Rebenzüchtung Geilweilerhof haben bei Untersuchungen in alten Weinbergen an der badischen Bergstraße bei Heidelberg sehr seltene Rebsorten, darunter auch einige Stöcke der uralten Sorte "Weißer Heunisch" gefunden - kulturhistorisch eine kleine Sensation.

... mehr zu:
»Rebenzüchtung »Rebsorten »Sorten


Erika Dettweiler und Andreas Jung, Rebenkundler an dem zur Bundesanstalt für Züchtungsforschung an Kulturpflanzen (BAZ) gehörenden Institut, hatten vier alte Weinberge aufgespürt, in denen rund 50 verschiedene, noch wurzelecht bestockte Rebsorten kultiviert werden. Mit Hilfe klassischer und molekulargenetischer Methoden konnten die Spezialisten die Sortenzugehörigkeit der insgesamt rund 1.500 Rebstöcke bestimmen. Dabei fanden sie sehr seltene Sorten, die aus dem Anbau fast verschwunden sind wie "Blauer Elbling" und "Seidentraube" sowie einst aus Ungarn bzw. Italien importierte Sorten wie "Primitivo" oder "Honigler", die selbst in alten Rebsortenbüchern für Heidelberg nicht belegt waren. Der Aufsehen erregendste Fund aber waren einzelne Rebstöcke der Sorte "Weißer Heunisch". Heute fast ausgestorben, im Mittelalter aber weit verbreitet, stammen mindestens 72 Rebsorten, zum Beispiel "Riesling", "Lemberger" und "Chardonnay" direkt von ihm ab. Dies ist der erste Neufund seit mehreren Jahrzehnten. In früheren Jahrhunderten verlief die flächenmäßige Ausdehnung des Heunisch quer durch Mitteleuropa von Ungarn, Kroatien und Mähren bis nach Nordostfrankreich.

Mit solch einem Fund war in Deutschland kaum noch zu rechnen, da durch die Einschleppung der Reblaus und aggressiver Mehltau-Krankheiten, durch Flurbereinigung und Rationalisierung die Rebsortenvielfalt stark reduziert wurde. Viele der alten, einst in Deutschland verbreiteten Sorten wurden ganz aus dem Anbau verdrängt und haben nur vereinzelt in wissenschaftlichen Sortimenten überlebt. Daher ist jeder der vier untersuchten Heidelberger Weinberge für sich genommen einzigartig und erhaltenswert - leisten sie doch einen Beitrag zum Erhalt der genetischen Vielfalt bei einer der ältesten Kulturpflanzen des Menschen.

Möglich wurde die exakte Sortenbestimmung durch moderne molekulargenetische Methoden ("Genetischer Fingerabdruck") sowie durch Vergleiche mit der fast 3.000 Rebsorten umfassenden Referenzsammlung des Instituts für Rebenzüchtung Geilweilerhof. Im Internet-Portal der Bundesforschungsanstalten des Bundesverbraucherministeriums berichten die Wissenschaftler ausführlich über ihre Entdeckung (www.bmvel-forschung.de).

Nähere Informationen erteilt:

Dr. Erika Dettweiler
Institut für Rebenzüchtung Geilweilerhof der BAZ
76833 Siebeldingen
Tel.: 06345 / 41-0
E-Mail: e.dettweiler@bafz.de

Dr. Michael Welling | idw
Weitere Informationen:
http://www.bmvel-forschung.de
http://www.bafz.de/baz99_d/baz_orte/sdg/sdgstart/sdgstart.htm

Weitere Berichte zu: Rebenzüchtung Rebsorten Sorten

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Kombination von Abwehrgenen schützt Weizen besser gegen Mehltau
22.01.2018 | Universität Zürich

nachricht Bürgerforschungsprojekt SAIN: Urban Farming gemeinsam voranbringen
18.01.2018 | Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Optisches Nanoskop ermöglicht Abbildung von Quantenpunkten

Physiker haben eine lichtmikroskopische Technik entwickelt, mit der sich Atome auf der Nanoskala abbilden lassen. Das neue Verfahren ermöglicht insbesondere, Quantenpunkte in einem Halbleiter-Chip bildlich darzustellen. Dies berichten die Wissenschaftler des Departements Physik und des Swiss Nanoscience Institute der Universität Basel zusammen mit Kollegen der Universität Bochum in «Nature Photonics».

Mikroskope machen Strukturen sichtbar, die dem menschlichen Auge sonst verborgen blieben. Einzelne Moleküle und Atome, die nur Bruchteile eines Nanometers...

Im Focus: Optical Nanoscope Allows Imaging of Quantum Dots

Physicists have developed a technique based on optical microscopy that can be used to create images of atoms on the nanoscale. In particular, the new method allows the imaging of quantum dots in a semiconductor chip. Together with colleagues from the University of Bochum, scientists from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute reported the findings in the journal Nature Photonics.

Microscopes allow us to see structures that are otherwise invisible to the human eye. However, conventional optical microscopes cannot be used to image...

Im Focus: Vollmond-Dreierlei am 31. Januar 2018

Am 31. Januar 2018 fallen zum ersten Mal seit dem 30. Dezember 1982 "Supermond" (ein Vollmond in Erdnähe), "Blutmond" (eine totale Mondfinsternis) und "Blue Moon" (ein zweiter Vollmond im Kalendermonat) zusammen - Beobachter im deutschen Sprachraum verpassen allerdings die sichtbaren Phasen der Mondfinsternis.

Nach den letzten drei Vollmonden am 4. November 2017, 3. Dezember 2017 und 2. Januar 2018 ist auch der bevorstehende Vollmond am 31. Januar 2018 ein...

Im Focus: Maschinelles Lernen im Quantenlabor

Auf dem Weg zum intelligenten Labor präsentieren Physiker der Universitäten Innsbruck und Wien ein lernfähiges Programm, das eigenständig Quantenexperimente entwirft. In ersten Versuchen hat das System selbständig experimentelle Techniken (wieder)entdeckt, die heute in modernen quantenoptischen Labors Standard sind. Dies zeigt, dass Maschinen in Zukunft auch eine kreativ unterstützende Rolle in der Forschung einnehmen könnten.

In unseren Taschen stecken Smartphones, auf den Straßen fahren intelligente Autos, Experimente im Forschungslabor aber werden immer noch ausschließlich von...

Im Focus: Artificial agent designs quantum experiments

On the way to an intelligent laboratory, physicists from Innsbruck and Vienna present an artificial agent that autonomously designs quantum experiments. In initial experiments, the system has independently (re)discovered experimental techniques that are nowadays standard in modern quantum optical laboratories. This shows how machines could play a more creative role in research in the future.

We carry smartphones in our pockets, the streets are dotted with semi-autonomous cars, but in the research laboratory experiments are still being designed by...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

23.01.2018 | Veranstaltungen

Gemeinsam innovativ werden

23.01.2018 | Veranstaltungen

Leichtbau zu Ende gedacht – Herausforderung Recycling

23.01.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

15. BF21-Jahrestagung „Mobilität & Kfz-Versicherung im Fokus“

23.01.2018 | Veranstaltungsnachrichten

Gemeinsam innovativ werden

23.01.2018 | Veranstaltungsnachrichten

CES Innovation Award für kombinierte Blick- und Spracheingabe im Auto

23.01.2018 | Förderungen Preise

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics