Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Waldplantagen sind kein CO2-Killer

28.10.2002


Erste CarboEurope-Ergebnisse stellen Aufforstungen für den Klimaschutz in Frage



Das Kyoto-Protokoll zum Stopp des Klimawandels baut auf einem wissenschaftlichen Trugschluss auf. Dies legen die ersten Ergebnisse des europaweiten Forschungsprogramms zur Kohlenstoff-Bilanzierung CarboEurope nahe. Laut Kyoto-Protokoll können Vertragsstaaten ihre Ziele, Treibhausgas-Emissionen bis 2012 zu senken, durch das Anpflanzen von Wäldern so genannte "CO2-Senken", erreichen. Diese "Kyoto-Wälder" sollen aber laut Ergebnissen mehr Kohlenstoff abgeben, als wachsenden Bäume in den ersten zehn Jahren aufnehmen können.

... mehr zu:
»Aufforstung »CO2 »Kyoto-Protokoll


Die ersten Ergebnisse, die jüngst in Valencia/Spanien vom beteiligten Forscher Riccardo Valentini von der Universita della Tuscia/Viterbo präsentiert wurden, könnten Regierungen in Verlegenheit bringen, die derzeit auf dem Umweltgipfel in Neu Delhi über die Implementierung des Kyoto-Protokolls diskutieren. Staaten wie Italien haben bereits Pläne angekündigt, zehn bis 40 Prozent der Emissionsreduktionsziele bis 2012 durch Aufforstungen erreichen zu wollen. Forscher aus dem eigenen Land warnen aber, dass diese Senken nicht wirken werden.

Das Problem sind laut Forschern die Böden. Waldböden und deren pflanzliche Bestandteile enthalten drei bis vier Mal so viel Kohlenstoff wie die darüber liegende Vegetation. Wird der Boden im Zuge der Aufforstung gerodet, gibt das verfaulende organische Material im Boden CO2 an die Atmosphäre ab. Diese Abgabe ist den CarboEurope-Ergebnissen zufolge größer als jene CO2-Menge, die von den wachsenden Bäumen in zehn Jahren aufgenommen werden kann. Der CarboEurope-Vorsitzende Han Dolman von der Freien Universität Amsterdam erklärte darüber hinaus, dass neu gepflanzte Wälder auf Torfböden nie soviel CO2 aufnehmen werden wie diese abgeben.

In Schätzungen ist man bislang davon ausgegangen, dass europäische Wälder bis zu 400 Mio. Tonnen CO2 pro Jahr aufnehmen können. Forscher gingen davon aus, dass die meiste Absorption durch Jungwälder zu erreichen ist. Nach Angaben von Valentini akkumulieren tatsächlich aber alte Baumbestände mehr CO2 als Neuanpflanzungen. Daher sei im Kampf gegen die globale Erwärmung die Erhaltung von bestehenden Wäldern eine bessere Strategie als neue Wälder zu pflanzen. Diese Tatsache würde das Kyoto-Protokoll nicht berücksichtigen, berichten die Forscher im Fachblatt New Scientist. "Außerdem enthält es keine Maßnahmen, Abholzungen zu stoppen", kritisierte Valentini. Ergänzend dazu Dolman: "Hätten Politiker 1997 gewusst, was wir jetzt wissen, hätten sie den Bestimmungen zu CO2-Senken niemals zugestimmt. Zumindest hoffe ich das."

Sandra Standhartinger | pressetext.austria
Weitere Informationen:
http://www.unitus.it
http://www.newscientist.com

Weitere Berichte zu: Aufforstung CO2 Kyoto-Protokoll

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Julius Kühn-Institut etabliert Forschungszentrum für landwirtschaftliche Fernerkundung (FLF)
22.03.2017 | Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen

nachricht Im Drohnenflug dem Wasser auf der Spur
03.03.2017 | Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Im Focus: Physiker erzeugen gezielt Elektronenwirbel

Einem Team um den Oldenburger Experimentalphysiker Prof. Dr. Matthias Wollenhaupt ist es mithilfe ultrakurzer Laserpulse gelungen, gezielt Elektronenwirbel zu erzeugen und diese dreidimensional abzubilden. Damit haben sie einen komplexen physikalischen Vorgang steuern können: die sogenannte Photoionisation oder Ladungstrennung. Diese gilt als entscheidender Schritt bei der Umwandlung von Licht in elektrischen Strom, beispielsweise in Solarzellen. Die Ergebnisse ihrer experimentellen Arbeit haben die Grundlagenforscher kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Physical Review Letters“ veröffentlicht.

Das Umwandeln von Licht in elektrischen Strom ist ein ultraschneller Vorgang, dessen Details erstmals Albert Einstein in seinen Studien zum photoelektrischen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

Unter der Haut

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungsnachrichten

Neues Schiff für die Fischerei- und Meeresforschung

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie

Mit voller Kraft auf Erregerjagd

22.03.2017 | Biowissenschaften Chemie