Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Koexistenz von Gentech-Landwirtschaft und herkömmlichem Landbau unmöglich?

10.09.2002


Schweizer lehnen Gentechnologie am Feld ab – Strengere Gesetzgebung gefordert

Die Umweltorganisation Greenpeace, der Schweizerische Bauernverband und Pro Natura warnen in einem öffentlichen Aufruf vor den Gefahren der gentechnischen Verunreinigung. Eine Koexistenz von Gentech-Landwirtschaft und herkömmlichen und ökologischem Landbau sei unmöglich. Gründe dafür sind die weitreichende Verunreinigung mit genetisch veränderten Pollen, so die Organisationen. Zwei Forschungsberichte unterstützen die schweizerischen Forderungen nach einem Moratorium für den kommerziellen Anbau von genetisch veränderten Pflanzen.

Werner Müller, Wiener Ökologe und Autor einer Studie, die im Auftrag der Österreichischen Regierung erstellt wurde, erklärte wie schwierig es ist, gentechfreie Nahrungsmittel herzustellen, wenn im selben Land Gentech-Pflanzen angebaut werden. "Pollen gentechnisch veränderter Pflanzen können durch Wind und Insekten kilometerweit transportiert und auf andere Pflanzen übertragen werden", so Müller. Die Studie kommt zum Schluss, dass ein vorläufiges Verbot von Gentech-Pflanzen (GVO) der ökologisch und ökonomisch einzig sinnvolle Weg ist, eine qualitativ und ökologisch hochstehende Landwirtschaft zu erhalten.

Ein neuer Bericht vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) dokumentiert die Kontaminationswege von Nahrungs- und Futtermitteln durch GVO auch nach der Ernte. Karin Nowack vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau und Mitautorin des Berichts erklärte in der Vorstellung ihrer Arbeit, dass der sicherste Weg zur Verhinderung einer Kontamination ein Moratorium sei.

Das GVO-Anbau-Moratorium soll zunächst für einen Zeitraum von fünf Jahren gelten. Die Umweltorganisationen und die Bauern fordern eine Gültigkeitsdauer von zehn Jahren. "Der Schweizerische Bauernverband sieht aber auch in einem fünfjährigen Moratorium ein klares Zeichen, dass sich die Bauern für eine qualitativ hochstehende Landwirtschaft ohne gentechnisch veränderte Produkte einsetzen", erklärte Urs Schneider vom Schweizerischen Bauernverband. Das Moratorium soll eine kommerzielle Freisetzung von genetisch veränderten Organismen betreffen. Die Grundlagenforschung soll davon aber nicht betroffen sein.

Greenpeace-Schweiz hatte in einer Umfrage die Haltung der Schweizer Bevölkerung zum Thema Gentech-Landwirtschaft, zur Gen-Lex sowie zu einem Gentech-Moratorium erhoben. Danach lehnen 78 Prozent der Befragten lehnen Gentech-Tiere und –Pflanzen ab, 76 Prozent fordern eine strengere Gesetzgebung und 67 Prozent befürworten ein Moratorium. In der Schweiz steht eine entscheidende Weichenstellung auf dem Gebiet der Gentechnik an: Ab 1. Oktober wird der Schweizer Nationalrat über das Gentechnikgesetz (Gen-Lex) entscheiden.

Wolfgang Weitlaner | pte.online
Weitere Informationen:
http://www.greenpeace.ch
http://www.pronatura.ch

Weitere Berichte zu: Bauernverband Gentech-Landwirtschaft Koexistenz Landbau Moratorium

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Die smarte klassische Landhausvilla
28.11.2016 | Bau-Fritz GmbH & Co. KG, seit 1896

nachricht Kleinbauern setzen verstärkt auf Monokulturen
10.11.2016 | Georg-August-Universität Göttingen

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Greifswalder Forscher dringen mit superauflösendem Mikroskop in zellulären Mikrokosmos ein

Das Institut für Anatomie und Zellbiologie weiht am Montag, 05.12.2016, mit einem wissenschaftlichen Symposium das erste Superresolution-Mikroskop in Greifswald ein. Das Forschungsmikroskop wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem Land Mecklenburg-Vorpommern finanziert. Nun können die Greifswalder Wissenschaftler Strukturen bis zu einer Größe von einigen Millionstel Millimetern mittels Laserlicht sichtbar machen.

Weit über hundert Jahre lang galt die von Ernst Abbe 1873 publizierte Theorie zur Auflösungsgrenze von Lichtmikroskopen als ein in Stein gemeißeltes Gesetz....

Im Focus: Durchbruch in der Diabetesforschung: Pankreaszellen produzieren Insulin durch Malariamedikament

Artemisinine, eine zugelassene Wirkstoffgruppe gegen Malaria, wandelt Glukagon-produzierende Alpha-Zellen der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) in insulinproduzierende Zellen um – genau die Zellen, die bei Typ-1-Diabetes geschädigt sind. Das haben Forscher des CeMM Forschungszentrum für Molekulare Medizin der Österreichischen Akademie der Wissenschaften im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit mit modernsten Einzelzell-Analysen herausgefunden. Ihre bahnbrechenden Ergebnisse werden in Cell publiziert und liefern eine vielversprechende Grundlage für neue Therapien gegen Typ-1 Diabetes.

Seit einigen Jahren hatten sich Forscher an diesem Kunstgriff versucht, der eine simple und elegante Heilung des Typ-1 Diabetes versprach: Die vom eigenen...

Im Focus: Makromoleküle: Mit Licht zu Präzisionspolymeren

Chemikern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es gelungen, den Aufbau von Präzisionspolymeren durch lichtgetriebene chemische Reaktionen gezielt zu steuern. Das Verfahren ermöglicht die genaue, geplante Platzierung der Kettengliedern, den Monomeren, entlang von Polymerketten einheitlicher Länge. Die präzise aufgebauten Makromoleküle bilden festgelegte Eigenschaften aus und eignen sich möglicherweise als Informationsspeicher oder synthetische Biomoleküle. Über die neuartige Synthesereaktion berichten die Wissenschaftler nun in der Open Access Publikation Nature Communications. (DOI: 10.1038/NCOMMS13672)

Chemische Reaktionen lassen sich durch Einwirken von Licht bei Zimmertemperatur auslösen. Die Forscher am KIT nutzen diesen Effekt, um unter Licht die...

Im Focus: Neuer Sensor: Was im Inneren von Schneelawinen vor sich geht

Ein neuer Radarsensor erlaubt Einblicke in die inneren Vorgänge von Schneelawinen. Entwickelt haben ihn Ingenieure der Ruhr-Universität Bochum (RUB) um Dr. Christoph Baer und Timo Jaeschke gemeinsam mit Kollegen aus Innsbruck und Davos. Das Messsystem ist bereits an einem Testhang im Wallis installiert, wo das Schweizer Institut für Schnee- und Lawinenforschung im Winter 2016/17 Messungen damit durchführen möchte.

Die erhobenen Daten sollen in Simulationen einfließen, die das komplexe Geschehen im Inneren von Lawinen detailliert nachbilden. „Was genau passiert, wenn sich...

Im Focus: Neuer Rekord an BESSY II: 10 Millionen Ionen erstmals bis auf 7,4 Kelvin gekühlt

Magnetische Grundzustände von Nickel2-Ionen spektroskopisch ermittelt

Ein internationales Team aus Deutschland, Schweden und Japan hat einen neuen Temperaturrekord für sogenannte Quadrupol-Ionenfallen erreicht, in denen...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von „Coopetition“ bis „Digitale Union“ – Die Fertigungsindustrien im digitalen Wandel

02.12.2016 | Veranstaltungen

Experten diskutieren Perspektiven schrumpfender Regionen

01.12.2016 | Veranstaltungen

Die Perspektiven der Genom-Editierung in der Landwirtschaft

01.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Parkinson-Krankheit und Dystonien: DFG-Forschergruppe eingerichtet

02.12.2016 | Förderungen Preise

Smart Data Transformation – Surfing the Big Wave

02.12.2016 | Studien Analysen

Nach der Befruchtung übernimmt die Eizelle die Führungsrolle

02.12.2016 | Biowissenschaften Chemie