Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Schimmelpilze im Getreide als Folge des nassen Sommers

23.08.2002


Die vielen Regenfälle der Sommermonate haben nicht nur Flüsse über die Ufer treten lassen, sondern auch Felder weiträumig unter Wasser gesetzt und das Getreide zu Boden gedrückt. Als Folge befürchten Wissenschaftler nun ein erhöhtes Auftreten von Fusarium-Pilzen, die bei feucht-warmen Bedingungen ideal gedeihen. Die Pilze mindern nicht nur den Ertrag, sondern können durch die Bildung von Mykotoxinen (Pilzgiften) zu erheblichen Qualitätsminderungen führen.

Besonders Futtergetreide steht im Blickpunkt der Forscher: "Schweine reagieren sehr empfindlich auf die von Fusarien gebildeten Gifte Deoxynivalenol und Zearalenon", erklärt Professor Gerhard Flachowsky, Präsident der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) in Braunschweig und Leiter des dortigen Instituts für Tierernährung. Deoxynivalenol führt schon in relativ geringen Konzentrationen zu einem Rückgang im Futterverzehr und zu verzögertem Wachstum. Das östrogen-ähnliche Zearalenon kann bei Sauen zu Fruchtbarkeitsstörungen und zum Abort der Ferkel führen. Rinder und Hühner, deren Rationen ebenfalls Getreide enthalten, sind weniger empfindlich.

Beruhigend aus Verbrauchersicht ist, dass das Fleisch von Tieren, die mit fusariumhaltigem Getreide gemästet wurden, kaum mit Mykotoxinen belastet ist. Das haben Versuche der FAL und der Bundesanstalt für Fleischforschung (BAFF) in Kulmbach ergeben. Die Gifte werden im Körper der Tiere abgebaut. Allerdings können Menschen die Toxine durch getreidehaltige Lebensmittel wie Brot oder Nudeln direkt aufnehmen. Derzeit werden die diesjährigen Getreidechargen an der Bundesanstalt für Getreide-, Kartoffel- und Fettforschung (BAGKF) in Detmold auf ihren Mykotoxingehalt analysiert. Ergebnisse sind Ende September zu erwarten. Im Rahmen der so genannten "Besonderen Ernteermittlung" untersucht die BAGKF jedes Jahr Proben der Weizen- und Roggenernte aus allen Teilen Deutschlands auf Schadstoffe und Mykotoxine. Laut Auskunft des Detmolder Mykotoxin-Experten Dr. Joachim Wolff ist es vor allem das Wetter zur Zeit der Ährenblüte, das über die Höhe der Infektion entscheidet. Ungünstige Bedingungen in der Erntephase können die Mykotoxin-Situation verschärfen. Vor einer Vermahlung zu Mehl wird mykotoxinhaltiges Kornmaterial ausgereinigt.

Die Bekämpfung von Fusarien mit Pflanzenschutzmitteln ist schwierig, da die Pilze nur im frühen Stadium - wenn sie die blühenden Ähren befallen - empfindlich sind. "Eine Behandlung muss rechtzeitig erfolgen", weiß Dr. Bernd Rodemann von der Biologischen Bundesanstalt (BBA) in Braunschweig. "Wenn der Pilzbefall sichtbar wird, ist es schon zu spät." Der Landwirt muss daher schon in der Blühphase des Getreides entscheiden, ob er Fungizide spritzt und in dieser Zeit besonders das Wetter im Auge behalten.

"Unsere Wissenschaftler sind in der Mykotoxin-Forschung außerordentlich stark engagiert", resümiert Dr. Michael Welling vom Senat der Bundesforschungsanstalten, dem Zusammenschluss der Forschungseinrichtungen des Verbraucherschutzministeriums. "Das geht von der Züchtungsforschung mit dem Ziel resistenter Getreidelinien über den Pflanzenschutz bis hin zur Analytik in Nahrungsmitteln und der Erarbeitung von Richtwerten."

Orientierungswerte zur Belastungssituation der Futterrationen von Schwein und Rind basieren auf Untersuchungsergebnissen aus den Bundesforschungsanstalten und anderen Forschungseinrichtungen. So sollte das Futter von Rindern nicht mehr als 5 mg/kg und das von Schweinen nicht mehr als 1 mg/kg Deoxyinivalenol aufweisen. Der Lebensmittelbereich soll durch die geänderte Mykotoxin-Höchstmengenverordnung geregelt werden. Danach dürfen in Speisegetreide, Mehl und Teigwaren (z. B. Nudeln) nur maximal 0,5 mg/kg Deoxyinivalenol enthalten sein, in Brot und Backwaren 0,35 mg.

Seit 1979 diskutieren Mykotoxin-Forscher ihre neuesten Erkenntnisse jedes Jahr auf einem eigenen Workshop, der ursprünglich von Wissenschaftlern der Bundesforschungsanstalten initiiert wurde. Mittlerweile wird der Mykotoxin-Workshop regelmäßig von 150 bis 200 Experten besucht und findet weit über die Grenzen Deutschlands hinaus Beachtung.


Dr. Michael Welling | idw
Weitere Informationen:
http://www.verbraucherministerium.de/forschungsreport/rep2-99/toxine.htm
http://www.verbraucherministerium.de/forschungsreport/rep2-99/inhalt.htm

Weitere Berichte zu: BAGKF Getreide Mykotoxinen Rind

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Klimawandel – die Tanne sticht Fichte und Buche aus
10.08.2017 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

nachricht Feuerbrand bekämpfen und Salmonellen nachweisen
14.06.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer IPM präsentiert »Deep Learning Framework« zur automatisierten Interpretation von 3D-Daten

22.08.2017 | Informationstechnologie

Globale Klimaextreme nach Vulkanausbrüchen

22.08.2017 | Geowissenschaften

RWI/ISL-Containerumschlag-Index erreicht neuen Höchstwert

22.08.2017 | Wirtschaft Finanzen