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FAL findet Zusammenhang zwischen Überflutungen und Landwirtschaft

20.08.2002


Überflutungen durch Flüsse bedrohen seit Menschengedenken Leben und Besitz von Anrainern. Die einzelnen Faktoren, die am Entstehen von Überflutungen beteiligt sind, und deren komplexes Zusammenwirken sind in vielen Bereichen auch heute noch unbekannt. Ein wesentlicher Faktor für die Entstehung von Überflutungen ist die Menge an Wasser, die durch Oberflächenabfluss die Flüsse erreicht. Der Oberflächenabfluss ist umso größer, je weniger Wasser der Boden aufnimmt. An der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) in Braunschweig hat eine Wissenschaftlergruppe den Zusammenhang zwischen der Wasseraufnahmefähigkeit (Infiltrationsrate) von landwirtschaftlich genutzten Flächen und Überflutungen untersucht.

Die Landwirtschaft ist der flächenmäßig größte Landnutzer in Deutschland. Durch Bodenbearbeitungsverfahren, Fruchtfolgegestaltung und Düngemitteleinsatz nimmt sie Einfluss auf die Stabilität des Bodengefüges. Die Stabilität des Bodengefüges wiederum ist ausschlaggebend für die Infiltrationsrate: Je stabiler das Bodengefüge, umso höher ist die Infiltrationsrate. Wird die Stabilität des Bodengefüges z.B. durch hohe Druckbelastung von landwirtschaftlichen Geräten bei der Bodenbearbeitung herabgesetzt, so vermindert sich die Infiltrationsrate des Bodens. Eine ungünstige Fruchtfolgegestaltung wirkt sich ebenso aus. In der Düngung führt ein steigender Einsatz von Gülle und eine tendenziell rückläufige Kalkzufuhr zu einer Destabilisierung des Bodengefüges und somit zu einer geringeren Infiltrationsrate.

Eine Wissenschaftlergruppe im Institut für Pflanzenernährung und Bodenkunde der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) hat ein einfaches Modell zur Prognose von Überflutungen entwickelt. Dieses Modell schätzt die Auswirkungen des Einzelfaktors "Infiltration" auf Häufigkeit und Intensität von Überflutungen ab. Erprobt wurde das Modell an Klimadaten über 30 Jahre aus Braunschweig und Abflussdaten der Schunter. Die Wissenschaftler/innen haben herausgefunden, dass eine verringerte Infiltration zwar keinen Einfluss auf die Häufigkeit von Überflutungen, wohl aber auf deren Intensität hat. Unterhalb von Infiltrationsraten von ~ 15 mm h-1 nahm in dem Modell die Häufigkeit extremer Überflutungen stark zu.

Die Ergebnisse unterstreichen die Sensibilität der Schutzfunktionen von Böden und lassen u.a. ableiten, dass die Erhaltung und Erhöhung der Infiltration, z.B. durch schonende Landbewirtschaftungsverfahren, letztlich auch ein Beitrag zum Zivilschutz ist.

Publiziert ist die Arbeit in: Sparovek, G., de Jong van Lier, Q., Marcinkonis, S., Rogasik, J., Schnug, E.: A simple model to predict river floods - a contribution to quantify the significance of soil infiltration rates. Landbauforschung Völkenrode 2/2002 (52), 187-195.

Kontaktadresse:
Prof. Dr. Dr. Ewald Schnug
Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL)
Institut für Pflanzenernährung und Bodenkunde
Bundesallee 50, 38116 Braunschweig
Tel: 0531 596 2102, ewald.schnug@fal.de

Margit Fink | idw

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