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35 Prozent der Heuschreckenarten sind gefährdet

09.08.2002


BfN legt Gefährdungsanalyse für Heuschrecken vor

Von den 84 in Deutschland vorkommenden Heuschreckenarten sind vier Arten mittlerweile ausgestorben bzw. verschollen. 29 weitere Arten (35%) sind in ihrem Bestand gefährdet, davon zwölf Arten vom Aussterben bedroht. Eine erhöhte Verantwortlichkeit Deutschlands für den weltweiten Erhalt wurde für drei Arten ermittelt, für weitere acht Arten besteht eine Verantwortlichkeit für den Erhalt isolierter Vorposten. Dies sind die wichtigsten Ergebnisse eines durch das Bundesamt für Naturschutz (BfN) finanzierten 3-jährigen Forschungs- und Entwicklungsvorhabens zur Verbreitung, Gefährdung und zum Schutz der Heuschrecken in Deutschland.

Erstmals wurde für eine Insektengruppe deutschlandweit eine umfangreiche historische und aktuelle Datenrecherche durchgeführt, um eine fundierte Gefährdungseinstufung vornehmen zu können. Mit Unterstützung zahlreicher Heuschreckenkundler in den Regionen und der zuständigen Fachbehörden der Bundesländer gelang es, innerhalb von zwei Jahren aus dem heterogenen Datenmaterial eine auf den Bedarf der Gefährdungsanalyse zugeschnittene, umfangreiche Datenbank zusammenzustellen. Diese wurde durch die Auswertung von Museumsbelegen, Gutachten und Literatur sowie durch aktuelle Kartierungen, insbesondere der seltenen und gefährdeten Arten, ergänzt und umfasst nunmehr über 430 000 Datensätze.

Ähnlich wie beim Atlas der Gefäßpflanzen Deutschlands werden die Datensätze in zeitlich und naturräumlich differenzierten Verbreitungskarten auf Messtischblattbasis zugänglich gemacht und zeigen erstmalig die deutschlandweite Verbreitung aller hier vorkommenden Heuschreckenarten. Ergänzend werden für jede Art die biologischen und ökologischen Grunddaten einschließlich der europäischen Verbreitung in kurzgefassten Steckbriefen dokumentiert.

Mit diesen umfangreichen Daten zur Verbreitung, Biologie und Ökologie wurde eine solide und nachvollziehbare Grundlage für die Gefährdungseinstufung der Arten geschaffen. Häufigkeit (als Rasterfrequenz), Verinselungsgrad und Bestandsrückgänge (ermittelt als Rasterverluste) bilden die Hauptkriterien für die Einstufung der Arten in Gefährdungskategorien. Mit der Betrachtung der Verantwortlichkeit Deutschlands für den weltweiten Erhalt der Arten bezieht das Werk ein weiteres Kriterium bei der Formulierung von Artenschutzmaßnahmen ein.

Mit dem vorliegenden Projekt werden somit wesentliche Grundlagen für eine bundesweite Prioritätensetzung des Heuschreckenschutzes erarbeitet. Die Kombination von Gefährdungseinschätzung und Verantwortlichkeitsbewertung führt zu einer Liste von Arten, die im Mittelpunkt zukünftiger Schutzbemühungen stehen sollten. Für zwölf Arten werden Aktionspläne entworfen, um die notwendigen Schutz- und Pflegemaßnahmen zur Bestandssicherung zu präzisieren.

Neben der deutschlandweiten Gefährdungseinstufung erfolgt in analoger Weise eine Bewertung für die sieben landschaftlichen Großräume, um dem Aspekt der unterschiedlichen naturräumlichen Bindung der Arten besser gerecht zu werden. Damit leisten die Ergebnisse des Vorhabens auch einen wichtigen Beitrag für eine regionalisierte Bewertung von Heuschreckenvorkommen in der Planungspraxis.

Hinweis: Nachzulesen sind die Ergebnisse des Forschungsvorhabens in Maas S, Detzel P, Staudt A, (2002): Gefährdungsanalyse der Heuschrecken Deutschlands - Verbreitungsatlas, Gefährdungseinstufung und Schutzkonzepte - und für 18 Euro beim BfN-Schriftenvertrieb im Landwirtschaftsverlag (ISBN:3-7843-3828-3), 48084 Münster, Tel.: 02501/801-300, Fax 02501-351 zu beziehen.

Hintergrund: Heuschrecken
Heuschrecken gehören zu den auffälligsten Insekten und besiedeln fast alle Landlebensräume in Deutschland. Ein großer Anteil der Arten bevorzugt trockenwarme Biotope, insbesondere auch vom Menschen geschaffene Lebensräume wie Bahnanlagen, Sandgruben oder Bergbaufolgeflächen. Einige Arten sind dem Menschen aus seinem direkten Wohnumfeld gut bekannt. So wird die Maulwurfsgrille heute noch von vielen Kleingärtnern als Schädling angesehen, da sie neben den im Boden lebenden Insektenlarven und Würmern auch Pflanzenwurzeln vertilgt oder benagt. Die Maulwurfsgrille ist jedoch gerade in Norddeutschland immer seltener zu finden. Sie bevorzugt feuchte, lockere Böden mit niedriger Grasvegetation, die in landwirtschaftlich intensiv genutzten Gebieten kaum noch vorhanden sind.

Die systematische Gruppe der Heuschrecken lässt sich grob untergliedern in Feldheuschrecken (Kurzfühlerschrecken) und Laubheuschrecken einschließlich Grillen (Langfühlerschrecken).
Durch ihren lauten, weithin hörbaren Gesang tritt die größte einheimische Heuschrecke, das Grüne Heupferd, in vielen Gärten auffällig in Erscheinung. Bei genügend hoher Singwarte ist ihr Gesang bis ca. 100m weit zu hören. Auch die Punktierte Zartschrecke kommt mittlerweile vermehrt in Gärten vor und ist im Sommer manchmal in den Häusern anzutreffen. Das Heimchen ist in Mitteleuropa sogar vorwiegend in beheizten Gebäuden zu finden. Alle drei letztgenannten Arten sind in Deutschland weit verbreitet und ungefährdet.

Die Häufigkeit dieser und manch anderer Arten darf nach Angaben des Bundesamtes aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass in Deutschland von 84 heimischen Heuschreckenarten nach den neuesten Erkenntnissen fast 40 % gefährdet oder ausgestorben bzw. verschollen sind. So zählt neben den Arten Warzenbeißer und Blauflügelige Ödlandschrecke, die bereits länger als gefährdet auf der Roten Liste stehen, nunmehr auch die bereits erwähnte Maulwurfsgrille zu den bundesweit stark gefährdeten Arten. Sie war bislang nur auf der Vorwarnliste verzeichnet.

Viele der wärmeliebenden Heuschreckenarten erlitten durch Sukzession, zunehmende Verbuschung oder Aufforstung ihrer Habitate starke Bestandsrückgänge und sind nun teils vom Aussterben bedroht (z.B. die Rotflügelige Ödlandschrecke). Als besonders stark gefährdet erwiesen sich auch spezialisierte Arten der Kiesbänke von Fließgewässern, die in Flusslandschaften früher weit verbreitet waren, heute jedoch aufgrund des Gewässerausbaus nur noch lokal oder vereinzelt vorkommen wie z.B. der Kiesbank-Grashüpfer oder die Gefleckte Schnarrschrecke.

Franz August Emde | idw

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