Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

300 Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe verschwinden europaweit vom Markt

31.07.2002


Bis Ende 2003 werden europaweit mehr als 300 Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffe vom Markt verschwinden. Das wurde auf der 126. Sitzung des Europäischen Gremiums für die Prüfung von Pflanzenschutzmitteln (ECCO) deutlich, die am 30. und 31. Juli in der Biologischen Bundesanstalt (BBA) in Braunschweig stattfindet. Zum ersten Mal nehmen nicht nur Vertreter sämtlicher EU-Mitgliedstaaten teil, sondern auch die der elf Beitrittskandidaten.



Bereits seit 1996 treffen sich die Fachwissenschaftler der nationalen Zulassungsbehörden für Pflanzenschutzmittel, um über die weiteren Schritte der Prüfung zu beraten. Von den insgesamt 800 Pflanzenschutzmittel-Wirkstoffen, die in Europa in irgendeinem Land eine Zulassung haben, sind aber erst 90 Wirkstoffe eingehend beurteilt worden. Für 60 weitere Wirkstoffe ist dies in der Bearbeitung. Der Arbeitsaufwand für jede abschließende Beurteilung ist immens, so Prof. Dr. Hans-Gerd Nolting, der Leiter der BBA-Abteilung für Pflanzenschutzmittel und Anwendungstechnik. Das Dossier für einen Wirkstoff umfasst 50.000 bis 100.000 Blatt Papier: eine ungeheure Menge an Informationen.



Die etwa 320 Pflanzenschutzmittelwirkstoffe verschwinden vor allem deshalb vom Markt, weil keine Firma sie im EU-Überprüfungsverfahren verteidigen und am Markt halten will. Die meisten Wirkstoffe waren in Deutschland nie zugelassen, für einige ist die Zulassung vor Jahren, wenn nicht Jahrzehnten ausgelaufen. Für Deutschland ändert sich daher kaum etwas. Betroffen sind Mittel mit etwa zwanzig Wirkstoffen, die in Deutschland zurzeit noch eingesetzt werden dürfen. Diese haben aber einen so kleinen Markt, dass die Firmen die hohen Kosten scheuen. Ein Beispiel ist ein Wundverschlussmittel, dass nach Schneidemaßnahmen oder anderen Verletzungen bei Obstbäumen auf die frischen Wunden gestrichen wird. Oder ein Wachstumsregler, der zur Stauchung im Zierpflanzenbereich eingesetzt wird, damit die Pflanzen schön kompakt aussehen. Auch ein Mittel gegen Rapsglanzkäfer und die Kleine Kohlfliege im Gemüsebau ist dabei.

Natürlich sind die Auffassungen über Pflanzenschutzmittel in den einzelnen EU-Ländern sehr unterschiedlich. Dank der Biologischen Bundesanstalt, die bereits seit mehr als siebzig Jahren Pflanzenschutzmittel auf gesetzlicher Grundlage prüft, hat Deutschland bisher eine sehr strenge und selektive Haltung eingenommen. Mit dem am 4. Juli vom Bundestag verabschiedeten Änderungsgesetz zur Reorganisation der betreffenden Behörden wird die BBA allerdings nicht mehr zuständig sein. Ein neues Bundesamt für Verbraucherschutz wird die Pflanzenschutzmittelprüfung und Mitarbeiter der BBA übernehmen, die wohl am gleichen Standort verbleiben werden. Auch die europäische Wirkstoffprüfung wird weiterhin von Braunschweig aus koordiniert. Parallel zu den Änderungen in Deutschland wird eine europäische Behörde für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (European Food and Safety Authority) gegründet, deren Standort aber noch nicht festliegt.

Die EU-Mitgliedsstaaten dürfen zukünftig nur Pflanzenschutzmittel mit Wirkstoffen zulassen, die in einer zur Zeit angefertigten Liste stehen. Genau um diese Liste geht es auch bei dem Treffen in Braunschweig. Vor allem die Biologische Bundesanstalt, aber auch Kollegen aus England haben mit regelmäßigen Arbeitstreffen eine Vorreiterrolle gespielt. In insgesamt 126 Tagungen seit 1996 wurde der ungeheure Aktenumfang diskutiert und europaweit über die Pflanzenschutz-Wirkstoffe entschieden. (BBA)

Dr. P. W. Wohlers | idw
Weitere Informationen:
http://www.bba.de/mitteil/presse/020730_01.htm

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Feuerbrand bekämpfen und Salmonellen nachweisen
14.06.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Das Potenzial nichtheimischer Baumarten für den forstlichen Anbau in Deutschland sachlich prüfen
14.06.2017 | Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Im Focus: Klima-Satellit: Mit robuster Lasertechnik Methan auf der Spur

Hitzewellen in der Arktis, längere Vegetationsperioden in Europa, schwere Überschwemmungen in Westafrika – mit Hilfe des deutsch-französischen Satelliten MERLIN wollen Wissenschaftler ab 2021 die Emissionen des Treibhausgases Methan auf der Erde erforschen. Möglich macht das ein neues robustes Lasersystem des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnologie ILT in Aachen, das eine bisher unerreichte Messgenauigkeit erzielt.

Methan entsteht unter anderem bei Fäulnisprozessen. Es ist 25-mal wirksamer als das klimaschädliche Kohlendioxid, kommt in der Erdatmosphäre aber lange nicht...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Mainzer Physiker gewinnen neue Erkenntnisse über Nanosysteme mit kugelförmigen Einschränkungen

27.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Wave Trophy 2017: Doppelsieg für die beiden Teams von Phoenix Contact

27.06.2017 | Unternehmensmeldung

Warnsystem KATWARN startet international vernetzten Betrieb

27.06.2017 | Informationstechnologie