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Nonylphenol-Spuren in Lebensmitteln

31.07.2002


Risikobewertung noch nicht abgeschlossen


Nonylphenol ist eine weit verbreitete Industriechemikalie, die im Lebensmittelbereich zu einem neuen Risikostoff werden könnte. Eine Studie des Forschungszentrums in Jülich ergab, dass Nonylphenole, das sind Abbauprodukte der u.a. in Haushalts- und Industriereinigern verwendeten Tenside (Nonylphenolethoxylate) in vielen Lebensmitteln vorhanden sind und mit der Nahrung aufgenommen werden. Da Nonylphenole auf das Hormonsystem wirken und zudem krebserregend sein können, sind Lebensmittelhersteller und Verbraucher entsprechend verunsichert. Am Jülicher Forschungszentrum wurde der Stoff bereits im April 2002 in Nahrungsmitteln nachgewiesen. Besonders hohe Konzentrationen fanden sich in Äpfeln und Tomaten. Bisher wusste niemand, ob und wie viel von dieser Chemikalie in Nahrungsmitteln zu finden ist. Nach Angaben der Jülicher Forscher nimmt jeder bundesdeutsche Normalverbraucher mit seiner Nahrung täglich 7,5 Mikrogramm Nonylphenole auf. Das Bundesinstitut für gesundheitlichen Verbraucherschutz und Veterinärmedizin (BgVV) weist darauf hin, dass es im Lebensmittelbereich bisher keine Grenzwerte für die Aufnahme dieser Substanzen gibt. Als mögliche Quellen für die Verunreinigung von Lebensmitteln mit Nonylphenolen kommen nach Kenntnis des BgVV sogenannte Nonylphenolethoxylate in Frage, die für die Herstellung von Kunststoffen mit Lebensmittelkontakt verwendet werden. Dazu gehören Emulgatoren und Stabilisatoren, die zum Beispiel als Weichmacher in Verpackungen eingesetzt werden. In einer früheren Bewertung des BgVV, als Nonylphenole in Mineralwasser nachgewiesen worden waren, wurden die Kunststoffeinlagen der Schraubverschlüsse als mögliche Quelle ausgemacht.

Die neue Analysemethode der Jülicher Forschergruppe weist jedoch laut BgVV erhebliche Schwankungen für die Wiederholbarkeit der Ergebnisse auf. Die gefundenen Nonylphenolwerte in den einzelnen Lebensmitteln bewertet das BgVV bisher nur als orientierende Information. Zur Abklärung der Situation im Hinblick auf die Verunreinigung von Lebensmitteln mit Nonylphenolen sollten nach Ansicht des BgVV zunächst alle vorhandenen Untersuchungsergebnisse überprüft und eine Auswahl von Lebensmitteln nach einer einheitlich festgelegten Methode analysiert werden.


Vor dem Hintergrund, dass Nonylphenole beim Menschen hormonell und cancerogen wirken können, plant das BgVV eine Anhörung, um u.a. zu klären, wie hoch der Einsatz von nonylphenolhaltiger Hilfsstoffe in Pflanzenschutzmitteln ist, welche toxikologischen Untersuchungen durchgeführt werden und welche Rückstandsproblematik es im Bereich der Lebensmittel gibt. In der deutschen Industrie gibt es übrigens eine Selbstverpflichtung, den Eintrag von Nonylphenol in die Umwelt zu beschränken. Für die Verbraucher gibt es derzeit keine Empfehlungen.

Renate Kessen | aid infodienst
Weitere Informationen:
http://www.aid.de

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