Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Warzenbeißer und Weizen passen zusammen

04.07.2002


Vielfältige Landschaftsstrukturen in einer intensiven Landwirtschaft erhalten die Artenvielfalt unserer Fauna und Flora

Die Artenvielfalt der heimischen Fauna und Flora in intensiv genutzten Agrargebieten kann durch regionaltypische Landschaftsstrukturen erhalten und gefördert werden. Dazu zählen beispielsweise Feldsäume, Ufer- und Krautstreifen sowie Hecken und Ackerrandstreifen. Keine Form der heutigen Landwirtschaft ist jedoch in der Lage, auf den Produktionsflächen selbst nachhaltig die Artenvielfalt zu bewahren. Natur- und Artenschutz stellt ein Anliegen der gesamten Gesellschaft dar. Deshalb müssen sie in Kooperation aller Beteiligten gestaltet und von der Allgemeinheit honoriert werden. So lautete ein Fazit der Veranstaltung "Artenschutz und intensive Landwirtschaft - nachhaltige Wege zum Erfolg" der Fördergemeinschaft Nachhaltige Landwirtschaft e.V.1), die am 3. Juli 2002 in Bonn stattfand.

Für Staatssekretär Dr. Thomas Griese, Ministerium für Umwelt und Naturschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen, funktioniert das Zusammenspiel von Natur- und Artenschutz mit praktischer Landwirtschaft nicht von allein, sondern muss tatkräftig organisiert werden. Der ökologische Landbau bringe die Entwicklung in vielen Feldern voran, ohne ein Ersatz für spezifische Artenschutzmaßnahmen sein zu können. In einem integrativen Ansatz gehörten die Anliegen zusammengeführt. Während diese Position einhellig begrüßt wurde, führte seine besondere Herausstellung des ökologischen Landbaus zu einer regen Diskussion.

Ebenso wie Staatssekretär Dr. Griese setzte sich Friedhelm Decker, Präsident des Rheinischen Landwirtschafts-Verbandes, für die Entlohnung von Naturschutzleistungen ein, die über das übliche Maß der guten fachlichen Praxis hinausgehen. Schließlich sei der Artenschutz ein Interesse der ganzen Gesellschaft. Das Kulturlandschaftsprogramm des Landes Nordrhein-Westfalen diene beispielsweise diesem Ziel. Decker warnte ausdrücklich vor planwirtschaftlichen Maßnahmen und bürokratischen Regelungen. Sie könnten die Kooperationsbereitschaft der Landwirte, wie im Fall der Abstandsregelungen zu Hecken und Gewässern für Pflanzenschutzmittel, drastisch einschränken.

Carsten Fischer, FNL, unterstrich in seinem Beitrag, dass eine intensive Landwirtschaft durchaus mit einer vielfältigen Flora und Fauna vereinbar sei. Mehrjährige wissenschaftliche Untersuchungen im FNL-Projekt "Lebendige Natur durch Landwirtschaft" hätten dies bewiesen. Würden die Produktionsflächen mit regionaltypischen Landschaftsstrukturen kombiniert und der vielfältige Charakter der Kulturlandschaft erhalten, könnten bemerkenswerte Ergebnisse erzielt werden. Dies belegte er mit Hilfe überzeugender Artenzahlen auf den untersuchten Projektflächen.

"Die faunistische Artenvielfalt auf den Untersuchungsflächen hat uns überrascht. Wir haben ein Viertel der in Deutschland insgesamt vorkommenden Vogel-, Tagfalter- und Heuschreckenarten sowie etwa ein Fünftel der Spinnen und Laufkäfer gefunden", erklärte Dr. Claus Albrecht vom Kölner Büro für Faunistik (KBF). Zusammen mit seinen Kollegen hätte er auf den 4 untersuchten und nach den Prinzipien des Integrierten Landbaus bewirtschafteten Betrieben zahlreiche Rote-Liste-Arten erfasst. Dazu gehörten beispielsweise der Warzenbeißer (Heuschreckenart) oder der Neuntöter (Vogelart). "Entscheidend für die Artenvielfalt ist nicht der Naturraum oder das Bewirtschaftungsverfahren, sondern das Vorhandensein von vielfältigen Biotopen, die möglichst selten durch Bewirtschaftungsmaßnahmen beeinflusst werden", betonte der Wissenschaftler. Jede Form der Bewirtschaftung schränke jedoch die Artenvielfalt auf der Produktionsfläche ein.2)

Übereinstimmend stellten Fischer und Dr. Albrecht abschließend fest, dass das Zusammenarbeiten von allen Beteiligten vor Ort der beste Weg sei, im Sinne der Nachhaltigkeit Fortschritte zu erzielen.

  1. Die Fördergemeinschaft Nachhaltige Landwirtschaft (FNL) ist eine Vereinigung der maßgeblichen Organisationen und Unternehmen der Landwirtschaft sowie ihrer vor- und nachgelagerten Bereiche. Ihr Auftrag ist es, die nachhaltige Entwicklung der Landwirtschaft zu fördern und die Gesellschaft über deren Bedeutung zu informieren. Dies schließt insbesondere die ökonomischen und ökologischen Aspekte, aber auch die sozialen und die Kulturlandschaft prägenden Einflüsse der pflanzlichen Produktion und der tierischen Veredlung ein.
  2. Die ausführlichen Ergebnisse des Forschungsprojektes "Lebendige Natur durch Landwirtschaft" sind unter dem Titel "Vielfalt der Tierwelt in der Agrarlandschaft - Ergebnisse des Projektes Lebendige Natur durch Landwirtschaft" als Heft 4/2002 der ilu-Schriftenreihe erschienen. Autoren sind C. Albrecht, T. Esser, J. Weglau und H. Klein. Der Bezug erfolgt über die FIL GmbH, Konstantinstraße 90, 53179 Bonn, per Fax unter 02 28 - 9 79 93 40 oder per E-Mail unter ilu@fnl.de. Der Preis beträgt ¤ 10,70 zzgl. ¤ 1,30 Versandkosten.

Dr. Jürgen Fröhling | ots
Weitere Informationen:
http://www.fnl.de

Weitere Berichte zu: Artenschutz Artenvielfalt Fauna Landbau Warzenbeißer

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Neue Strategie zur Kupferreduktion im Pflanzenschutz entwickelt
21.02.2018 | Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

nachricht Da haben wir den Salat: Erste Ernte aus aufbereitetem Abwasser im Forschungsprojekt HypoWave
20.02.2018 | ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics