Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Ammoniak-Emissionsinventar der deutschen Landwirtschaft

25.06.2002


Gasförmige Emissionen aus der Landwirtschaft können Umwelt und Klima beeinträchtigen. Dazu gehören klimarelevante Gase (CO2, Methan und Lachgas (Distickstoffmonoxid)) und umweltrelevante Gase: Insbesondere Ammoniak, das größtenteils aus der landwirtschaftlichen Tierhaltung stammt, steht aufgrund seiner versauernden und eutrophierenden Wirkung in der Diskussion.

Im Rahmen internationaler Abkommen wie dem Multikomponentenprotokoll der UN/ECE und der NEC -Richtlinie der Europäischen Union wurden nationale Emissionsobergrenzen für Ammoniak beschlossen. Deutschland hat sich in diesen Abkommen verpflichtet, seine Ammoniak-Emissionen von ca. 765.000 t im Jahr 1990 auf 550.000 t im Jahr 2010 zu reduzieren . Für die Emission klimarelevanter Gase ("Treibhausgase") wird die Obergrenze im Kyoto-Protokoll festgelegt. Neben den Emissionshöchstwerten beinhalten die genannten Abkommen auch Anforderungen an die Berichterstattung.

Das Projekt "Landwirtschaftliche Emissionen", das gemeinsam mit dem Kuratorium für Technik und Bauwesen in der Landwirtschaft (KTBL) und der Bundesforschungsanstalt für Landwirtschaft (FAL) bearbeitet wurde, sollte die für den Agrarbereich bisher verwendeten Methoden der Emissionsberechnung so weiter entwickeln, dass die Inventare durch die Zuverlässigkeit ihrer Werte den Anforderungen der internationalen Berichtspflichten entsprechen. Außerdem sollte der notwendige Datenbedarf ermittelt und in einer ersten Anwendung die Emissionen von 1990, dem Basisjahr der Abkommen, neu berechnet werden. Eine weitere Aufgabe war, Prognosen für das Jahr 2010 zu erstellen. Wirkungen und Kosten von Maßnahmen zur Reduktion von Ammoniak-Emissionen wurden zudem dargestellt und bewertet. Zur Kalkulation der Ammoniak-Emissionen wurden Emissionsfaktoren für die einzelnen Bereiche der Tierhaltung wie z.B. unterschiedliche Formen der Stallhaltung, Weidehaltung, Lagerung und Ausbringung von Wirtschaftsdüngern auf nationaler Ebene abgestimmt.

Die erforderlichen Daten zur Anwendung und Verbreitung der verschiedenen Tierhaltungsverfahren wurden in 11 typischen Regionen Deutschlands erhoben und mit den Angaben aus der Offizialstatistik verknüpft. So konnten die Emissionen wesentlich genauer ermittelt werden als bisher. Eine so detaillierte Berechnung macht die Unterschiede zwischen den Verfahren und Bereichen deutlich: z.B. hat sich in der Milchviehhaltung in den letzten 30 Jahren der Laufstall gegenüber dem Anbindestall als arbeits- und kostengünstiger erwiesen und ist zudem artgerechter. Vergleicht man jedoch die Ammoniakemissionen aus beiden Haltungsformen, so werden aus Laufställen 12 kg Ammoniak pro Tierplatz und Jahr freigesetzt, während es bei der Anbindehaltung nur 4 kg Ammoniak pro Tierplatz und Jahr sind. Das weitere Voranschreiten artgerechter Haltungsformen ist in diesem Fall mit einem Anstieg der Ammonikemissionen verbunden.

Außerdem gestattet eine detailgenaue Berechnung Abschätzungen der zukünftigen Entwicklung: Wenn die technologische Entwicklung bis zum Jahr 2010 so wie in den vergangenen Jahren voranschreitet und die Tierbestände weiter zurückgehen, kann Deutschland die eingegangene Verpflichtung zur Reduktion der Ammoniak-Emissionen einhalten. Unter Berücksichtigung der Kosten und der Umsetzbarkeit möglicher Maßnahmen zur Emissionsminderung wurden Handlungsempfehlungen gegeben und die Ergebnisse in der Schrift UBA-Texte 05/02 des Umweltbundesamtes veröffentlicht.

Forschungsbedarf besteht in der Messung von Ammoniakemissionen zusammen mit anderen Spurengasen, insbesondere für neue Haltungsformen, aber auch während der Lagerung von Wirtschaftsdüngern, vor allem bei Festmist. In künftigen Untersuchungen sind vollständige Verfahrensketten zu beurteilen. Nur so gelangt man zu wirksamen Minderungsstrategien. Ebenso ist es bei der Weiterentwicklung der Modelle künftig wichtig, die Zusammenhänge mit anderen Umweltbereichen (Nitratauswaschung ins Grund- und Oberflächenwasser, andere Spurengase) besser abzubilden und zu zeigen, wie sich Minderungsmaßnahmen für unterschiedliche Spurengase wechselseitig beeinflussen. Sollen Emissionen weiter reduziert werden, bedarf es effizienter Lösungen im Bereich der Stallhaltung, bei der Lagerung von Festmist und bei der Ausbringung von Rindergülle auf bewachsene Flächen.

Ansprechpartner:
Dr.-Ing. Werner Berg
Abteilung Technikbewertung und Stoffkreisläufe
Tel: (0331) 5699-215
E-Mail: wberg@atb-potsdam.de

Prof. Dr. agr. habil. Reiner Brunsch
Abteilung Technik in der Tierhaltung
Tel: (0331) 5699-510
E-Mail: rbrunsch@atb-potsdam.de

Gudrun Spaan | idw

Weitere Berichte zu: Ammoniak Ammoniak-Emissionen Emission Haltungsformen Lagerung Spurengas

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Arten verschwinden, Pflanzenfraß bleibt
07.02.2017 | Georg-August-Universität Göttingen

nachricht DFG-Projekt: Biodiversität, Interaktion und Stickstoffkreislauf in Grünlandböden
31.01.2017 | Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: „Vernetzte Autonome Systeme“ von acatech und DFKI auf der CeBIT

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) in Kooperation mit der Deutschen Messe AG vernetzte Autonome Systeme. In Halle 12 am Stand B 63 erwarten die Besucherinnen und Besucher unter anderem Roboter, die Hand in Hand mit Menschen zusammenarbeiten oder die selbstständig gefährliche Umgebungen erkunden.

Auf der IT-Messe CeBIT vom 20. bis 24. März präsentieren acatech – Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und das Deutsche Forschungszentrum für...

Im Focus: Kühler Zwerg und die sieben Planeten

Erdgroße Planeten mit gemäßigtem Klima in System mit ungewöhnlich vielen Planeten entdeckt

In einer Entfernung von nur 40 Lichtjahren haben Astronomen ein System aus sieben erdgroßen Planeten entdeckt. Alle Planeten wurden unter Verwendung von boden-...

Im Focus: Mehr Sicherheit für Flugzeuge

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem totalen Triebwerksausfall zum Einsatz kommt, um den Piloten ein sicheres Gleiten zu einem Notlandeplatz zu ermöglichen, und ein Assistenzsystem für Segelflieger, das ihnen das Erreichen größerer Höhen erleichtert. Präsentiert werden sie von Prof. Dr.-Ing. Wolfram Schiffmann auf der Internationalen Fachmesse für Allgemeine Luftfahrt AERO vom 5. bis 8. April in Friedrichshafen.

Zwei Entwicklungen am Lehrgebiet Rechnerarchitektur der FernUniversität in Hagen können das Fliegen sicherer machen: ein Flugassistenzsystem, das bei einem...

Im Focus: HIGH-TOOL unterstützt Verkehrsplanung in Europa

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt sich bewerten, wie verkehrspolitische Maßnahmen langfristig auf Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt wirken. HIGH-TOOL ist ein frei zugängliches Modell mit Modulen für Demografie, Wirtschaft und Ressourcen, Fahrzeugbestand, Nachfrage im Personen- und Güterverkehr sowie Umwelt und Sicherheit. An dem nun erfolgreich abgeschlossenen EU-Projekt unter der Koordination des KIT waren acht Partner aus fünf Ländern beteiligt.

Forschung am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) unterstützt die Europäische Kommission bei der Verkehrsplanung: Anhand des neuen Modells HIGH-TOOL lässt...

Im Focus: Zinn in der Photodiode: nächster Schritt zur optischen On-Chip-Datenübertragung

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium allein – die stoffliche Basis der Chip-Produktion – sind als Lichtquelle kaum geeignet. Jülicher Physiker haben nun gemeinsam mit internationalen Partnern eine Diode vorgestellt, die neben Silizium und Germanium zusätzlich Zinn enthält, um die optischen Eigenschaften zu verbessern. Das Besondere daran: Da alle Elemente der vierten Hauptgruppe angehören, sind sie mit der bestehenden Silizium-Technologie voll kompatibel.

Schon lange suchen Wissenschaftler nach einer geeigneten Lösung, um optische Komponenten auf einem Computerchip zu integrieren. Doch Silizium und Germanium...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Aufbruch: Forschungsmethoden in einer personalisierten Medizin

24.02.2017 | Veranstaltungen

Österreich erzeugt erstmals Erdgas aus Sonnen- und Windenergie

24.02.2017 | Veranstaltungen

Big Data Centrum Ostbayern-Südböhmen startet Veranstaltungsreihe

23.02.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer HHI auf dem Mobile World Congress mit VR- und 5G-Technologien

24.02.2017 | Messenachrichten

MWC 2017: 5G-Hauptstadt Berlin

24.02.2017 | Messenachrichten

Auf der molekularen Streckbank

24.02.2017 | Biowissenschaften Chemie