Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Gezielte Genveränderung an Gerste

16.04.2008
Kooperation mit Freiburger Forschern zur Entwicklung von präzisen Veränderung von Genen

Das aus dem Verbund zur Genomanalyse im biologischen System Pflanze (GABI) hervorgegangene GABI - PRECISE Konsortium gibt eine Kooperation zur Entwicklung von gezielten Genveränderungen bei Gerste bekannt.

Das Projekt ist auf drei Jahre angesetzt und wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert. An dem Zwei-Millionen-Euro Projekt beteiligen sich hochqualifizierte Partner, darunter der Pflanzenbiotechnologe Professor Ralf Reski von der Fakultät für Biologie der Albert-Ludwigs-Universität.

Das Projekt steht damit in einer Linie mit den Zielen der GABI-Initiative. Diese Initiative stärkt die deutsche Forschung an Genomen von Pflanzen auf internationaler Ebene, indem sie nationale Netzwerke bildet und Kompetenzcluster etabliert. Zu diesem Zweck werden strukturelle und funktionelle Informationen von wichtigen Pflanzengenomen gesammelt. Innovative Technologien und Patente sowie Technologietransfer zwischen den Forschungsinstituten und privaten Unternehmen sind das Ergebnis.

... mehr zu:
»Biologie »Gen »Genveränderung

Der Agrarbereich wird mehr und mehr diversifiziert und aufgewertet durch die Produktion von hochwertigen, auf Pflanzen basierenden Produkten, die für die Ernährung, in der chemischen und pharmazeutischen Industrie, oder bei der Energiegewinnung verwendet werden. Dieser Wandel erfordert einen Übergang von der traditionellen zur wissensbasierten Bio-Ökonomie. Grüne Biotechnologie wird mit Methoden zur Übertragung und Nutzung spezifischer pflanzlicher Merkmale eine Schlüsselposition in diesem Prozess spielen. Die derzeitigen Übertragungsmethoden sind aber noch zu ungenau, was ihren Nutzen mindert und zu hohen Kosten führt.

Zielgerichtete Genveränderungen sind seit längerem ein unverzichtbares Mittel für die funktionelle Genomanalyse von Hefe, Mäusen und Moosen geworden, aber sie können immer noch nicht auf Getreidepflanzen angewendet werden. Dabei können präzise Genveränderungen einen großen Einfluss auf die Pflanzenzucht haben und so die gesellschaftliche Akzeptanz genetisch modifizierter Organismen erhöhen. So könnten ungewollte toxische Gene oder Allergene entfernt werden ohne fremde DNA zu übertragen. Ein Ansatz der sich "Selbstklonierung" nennt. Zusätzlich könnte diese Technologie bei Getreide genutzt werden, um interessante Gene zu aktivieren, die zum Beispiel die Widerstandsfähigkeit der Pflanzen gegen Schädlinge oder gegen extreme Klimabedingungen erhöhen.

In dem GABI-PRECISE Konsortium werden Reski und Mitarbeiter erforschen, wieso dieser Mechanismus der gezielten Genveränderung beim Kleinen Blasenmützenmoos Physcomitrella von Natur aus sehr effizient funktioniert. Sie werden diese Technologie an Kollegen im Konsortium weitergeben, damit sie sie, unter anderem am Max-Planck-Institut für Züchtungsforschung in Köln, auf Gerste übertragen können.

Die Nutzbarmachung von zielgerichteten Genveränderungen in (Getreide-) Pflanzen geht einher mit dem aktuellen Trend der modernen industriellen Gesellschaft. Nachhaltigkeit wird immer mehr zu einem wichtigen Eckpfeiler der Produktion. Optimierte nachhaltige Pflanzenressourcen, produziert durch Grüne Biotechnologie, und Methoden wie das effiziente Einbringen veränderter Gene, spielen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, die chemische und die pharmazeutische Industrie zu unterstützen.

Kontakt:
Prof. Dr. Ralf Reski
Tel.: 0761/203-6969
Fax: 0761/203-6967
E-Mail: ralf.reski@biologie.uni-freiburg.de
Zusätzliche Informationen für die Redaktion:
Die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau ist eine klassische Volluniversität. Im Exzellenzwettbewerb des Bundes und der Länder wurde sie 2007 zu einer von neun deutschen "Exzellenzuniversitäten" gekürt.

Die Fakultät für Biologie belegt in allen nationalen Ranglisten einen Spitzenplatz in Forschung und Lehre. Ihre Forscher werben pro Jahr mehr als zehn Millionen Euro Drittmittel ein und sind maßgeblich an allen erfolgreichen Exzellenzprojekten der Freiburger Universität (Spemann Graduiertenschule für Biologie und Medizin, Zentrum für Biologische Signalstudien sowie dem Institute of Advanced Studies) beteiligt.

Prof. Dr. Ralf Reski (49) hat Biologie, Chemie und Erziehungswissenschaften in Gießen und in Hamburg studiert, promovierte 1990 und wurde 1994 Privatdozent in Hamburg. 1996 zeichnete ihn die DFG mit dem Heisenberg-Stipendium aus. Nach Angeboten in- und ausländischer Universitäten wurde er 1999 zum Professor und Lehrstuhlinhaber Pflanzenbiotechnologie in Freiburg berufen. Seit 2006 ist er Dekan der Fakultät für Biologie. Ministerpräsident Oettinger berief Reski kürzlich in den Innovationsrat Baden-Württemberg.

Reski und Mitarbeiter nutzen die im Kleinen Blasenmützenmoos natürlich vorkommende gezielte Genveränderung zur funktionellen Genomanalyse. Hierzu hatten sie eine langjährige millionenschwere Zusammenarbeit mit der BASF AG. Darüber hinaus entwickelten Reski und Mitarbeiter den Moosbioreaktor. In Zusammenarbeit mit der Universitätsausgründung greenovation Biotech produzieren sie darin therapeutische Proteine für die pharmazeutische Industrie. Ferner waren sie führend in einem internationalen Konsortium, das Anfang dieses Jahres die Entschlüsselung der kompletten Erbsubstanz dieses Mooses bekannt gab.

Rudolf-Werner Dreier | idw
Weitere Informationen:
http:// www.plant-biotech.net
http://www.uni-freiburg.de

Weitere Berichte zu: Biologie Gen Genveränderung

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Feuerbrand bekämpfen und Salmonellen nachweisen
14.06.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Das Potenzial nichtheimischer Baumarten für den forstlichen Anbau in Deutschland sachlich prüfen
14.06.2017 | Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Navigationssystem der Hirnzellen entschlüsselt

Das menschliche Gehirn besteht aus etwa hundert Milliarden Nervenzellen. Informationen zwischen ihnen werden über ein komplexes Netzwerk aus Nervenfasern übermittelt. Verdrahtet werden die meisten dieser Verbindungen vor der Geburt nach einem genetischen Bauplan, also ohne dass äußere Einflüsse eine Rolle spielen. Mehr darüber, wie das Navigationssystem funktioniert, das die Axone beim Wachstum leitet, haben jetzt Forscher des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) herausgefunden. Das berichten sie im Fachmagazin eLife.

Die Gesamtlänge des Nervenfasernetzes im Gehirn beträgt etwa 500.000 Kilometer, mehr als die Entfernung zwischen Erde und Mond. Damit es beim Verdrahten der...

Im Focus: Kohlenstoff-Nanoröhrchen verwandeln Strom in leuchtende Quasiteilchen

Starke Licht-Materie-Kopplung in diesen halbleitenden Röhrchen könnte zu elektrisch gepumpten Lasern führen

Auch durch Anregung mit Strom ist die Erzeugung von leuchtenden Quasiteilchen aus Licht und Materie in halbleitenden Kohlenstoff-Nanoröhrchen möglich....

Im Focus: Carbon Nanotubes Turn Electrical Current into Light-emitting Quasi-particles

Strong light-matter coupling in these semiconducting tubes may hold the key to electrically pumped lasers

Light-matter quasi-particles can be generated electrically in semiconducting carbon nanotubes. Material scientists and physicists from Heidelberg University...

Im Focus: Breitbandlichtquellen mit flüssigem Kern

Jenaer Forschern ist es gelungen breitbandiges Laserlicht im mittleren Infrarotbereich mit Hilfe von flüssigkeitsgefüllten optischen Fasern zu erzeugen. Mit den Fasern lieferten sie zudem experimentelle Beweise für eine neue Dynamik von Solitonen – zeitlich und spektral stabile Lichtwellen – die aufgrund der besonderen Eigenschaften des Flüssigkerns entsteht. Die Ergebnisse der Arbeiten publizierte das Jenaer Wissenschaftler-Team vom Leibniz-Instituts für Photonische Technologien (Leibniz-IPHT), dem Fraunhofer-Insitut für Angewandte Optik und Feinmechanik, der Friedrich-Schiller-Universität Jena und des Helmholtz-Insituts im renommierten Fachblatt Nature Communications.

Aus einem ultraschnellen intensiven Laserpuls, den sie in die Faser einkoppeln, erzeugen die Wissenschaftler ein, für das menschliche Auge nicht sichtbares,...

Im Focus: Flexible proximity sensor creates smart surfaces

Fraunhofer IPA has developed a proximity sensor made from silicone and carbon nanotubes (CNT) which detects objects and determines their position. The materials and printing process used mean that the sensor is extremely flexible, economical and can be used for large surfaces. Industry and research partners can use and further develop this innovation straight away.

At first glance, the proximity sensor appears to be nothing special: a thin, elastic layer of silicone onto which black square surfaces are printed, but these...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

10. Uelzener Forum: Demografischer Wandel und Digitalisierung

26.07.2017 | Veranstaltungen

Clash of Realities 2017: Anmeldung jetzt möglich. Internationale Konferenz an der TH Köln

26.07.2017 | Veranstaltungen

2. Spitzentreffen »Industrie 4.0 live«

25.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Robuste Computer für's Auto

26.07.2017 | Seminare Workshops

Läuft wie am Schnürchen!

26.07.2017 | Seminare Workshops

Leicht ist manchmal ganz schön schwer!

26.07.2017 | Seminare Workshops