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Außerhalb von Maisfeldern sind Bt-Maispollen keine Gefahr für Schmetterlinge

04.04.2008
Im Land Brandenburg soll künftig ein Regelabstand von 800 Metern zwischen Bt-Maisfeldern und Naturschutzgebieten eingehalten werden. Ein entsprechender Erlass des Landesumweltministeriums stützt sich auf Pollenmessungen, die im Naturschutzgebiet Ruhlsdorfer Bruch durchgeführt wurden. - bioSicherheit sprach dazu mit Prof. Dr. Ingolf Schuphan vom Institut für Umweltforschung der RWTH Aachen.

Prof. Dr. Ingolf Schuphan, RWTH Aachen, beschäftigt sich seit zehn Jahren mit möglichen ökologische Auswirkungen von Bt-Mais: Koordinator von drei großen, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) geförderten Forschungsverbünden sowie mehreren europäischen Forschungsprojekten.

bioSicherheit: Sie haben sich in mehreren Forschungsprojekten mit den Wirkungen des Bt‑Toxins auf Nicht‑Zielorganismen beschäftigt. Halten Sie besondere Maßnahmen für notwendig, um Naturschutzgebiete vor möglichen Gefährdungen durch Bt-Mais zu schützen?

Ingolf Schuphan: Das in Bt-Mais produzierte Bt-Protein wirkt spezifisch gegen Schmetterlingslarven. Ausgeschaltet werden jedoch nur die Larven des Maiszünslers , da nur sie an der Maispflanze fressen. Andere Schmetterlingslarven fressen nicht an Mais. Durch diese hohe Spezifität des Bt-Proteins wird die Mais-Biozönose gezielt geschont, während der Maiszünsler effektiv bekämpft wird. Dies ist vom ökologischen Standpunkt aus gesehen der ideale selektive Pflanzenschutz, denn Nützlinge werden geschont. Darum werden konventionelle Bt-Spritzmittel im biologischen Landbau ja auch bevorzugt verwendet.

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bioSicherheit: Zur Begründung für den 800-Meter-Abstand wird angeführt, dass damit seltene Schmetterlingsarten besser geschützt würden.

Ingolf Schuphan: Aus vielen Untersuchungen wissen wir, dass außerhalb von Maisfeldern die Konzentration von Maispollen sehr gering ist. Pollen, der auf Blättern von Raupen-Futterpflanzen landet, wird durch Regen- und Windeinwirkungen stark reduziert. Außerdem dauert die Pollenschüttung nur wenige Tage und fällt nur selten mit der Larvenentwicklung der Schmetterlinge zusammen. Alle nationalen und internationalen Literaturdaten belegen eindeutig, dass außerhalb von Feldern mit Bt-Mais MON810 und eines Randstreifens von höchsten zehn Metern keine Bt-Mon810-Pollenkonzentrationen erreicht werden, die Schmetterlingspopulationen schädigen könnten. Das bestätigen auch die Ergebnisse unserer eigenen, vom BMBF geförderten Forschungsprojekte. Wenn es in der Literatur Berichte über toxische Effekte von Bt-Mais auf Schmetterlinge gibt, handelt es sich um Bt-Mais der Linie Bt176. Dieser enthält gegenüber MON810-Mais einen zehn- bis zwanzigfach höheren Gehalt an Bt-Protein. Bt176-Mais ist heute in der EU nicht mehr zugelassen.

bioSicherheit: Aber der Brandenburger Abstandserlass stützt sich doch auf Pollenmessungen im Naturschutzgebiet "Ruhlsdorfer Bruch"?

Ingolf Schuphan: Die Ergebnisse dieser Pollenmessungen unterstützen doch eher den derzeitigen Kenntnisstand, dass es außerhalb der Bt-Maisfelder keine Beeinträchtigungen für Schmetterlinge gibt, auch nicht für Schmetterlinge in FFH- und Naturschutzgebieten. In der Nähe der Mais-Felder wurden 175 Gesamtpollen pro Quadratzentimeter gemessen. Der Anteil von Bt-Mais lag dabei zwischen etwa zehn und dreißig Prozent. In 120 Metern Entfernung waren es zehn Pollen pro Quadratzentimeter, also ein bis drei Bt-Maispollen pro Quadratzentimeter. Dabei handelt es sich um über die gesamte Pollenschüttzeit aufaddierte Mengen. Bei Untersuchungen mit dem sehr empfindlich reagierenden Monarch-Falter in den USA wurden bei Bt-Mais MON810 erst ab tausend Pollen pro Quadratzentimeter Effekte gefunden. Entwarnung gibt es etwa auch für den Großen Feuerfalter.

bioSicherheit: Angeführt wird auch, dass sich Störche und Kraniche auf Maisfeldern aufhalten und durch Bt-Mais gefährdet werden könnten. Sie sind ja auch Ornithologe - teilen Sie diese Befürchtungen?

Ingolf Schuphan: Das ist allein schon durch die Lebensweise von Störchen und Kranichen auszuschließen: Sie bevorzugen Feuchtbiotope. Maisfelder sind für beide Arten nicht attraktiv. Falls sich einzelne Störche oder Kraniche dorthin verirren sollten, ernähren sie sich überwiegend von tierischen Organismen - Regenwürmer, Käfer, der Storch auch von Mäusen. Aus Untersuchungen wissen wir, dass entlang der Nahrungskette der Bt-Protein-Gehalt in den tierischen Organismen um Größenordnungen abnimmt. Somit würden wieder – wenn überhaupt - nur unwirksame Spuren an Bt-Protein aufgenommen. Im Herbst, wenn sich die Kraniche vor dem Wegzug sammeln, ist es denkbar, dass einzelne Kraniche auf abgeernteten Feldern auch Maiskörner aufnehmen. Dies ist schon wegen der geringen Menge ohne Bedeutung. Außerdem ist aus Fütterungsversuchen bekannt, dass Bt-Protein keine Wirkung auf Vögel hat. Nach dem derzeitigen wissenschaftlichen Kenntnisstand können negative Einflüsse von Bt-Mais auf Storch, Kranich und andere Vögel ausgeschlossen werden.

bioSicherheit: Noch einmal: Sehen Sie eine wissenschaftliche Begründung für den nun in Brandenburg beschlossenen 800-Meter-Abstand?

Ingolf Schuphan: Nein. Es ist eine politische Entscheidung. Sogar die Studie, die im Auftrag des Landesumweltamtes Brandenburg am Ruhlsdorfer Bruch durchgeführt wurde und die als Begründung herangezogen wird, belegt doch, dass die MON810-Pollenkonzentrationen außerhalb des Maisfelds viel zu gering sind. Unsere Forschungsergebnisse zeigen ganz klar, dass der Anbau von Bt-Mais MON810 keine nachteiligen Wirkungen auf den Naturhaushalt hat. Abstandsflächen zu Naturschutzgebieten sind nicht nötig. Die im Gentechnik-Gesetz vorgeschrieben Mindestabstände von 150 bzw. 300 Metern dienen ausschließlich dazu, Auskreuzungen in benachbarte konventionelle Maisbestände zu minimieren.

Sandra Wilcken | Genius GmbH
Weitere Informationen:
http://www.biosicherheit.de
http://www.biosicherheit.de/de/mais/oekosystem/626.doku.html
http://www.gmo-safety.eu

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