Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Forschung für ökologischen Landbau wird verstärkt

27.05.2002


Mit 20 neuen Forschungsprojekten der Biologischen Bundesanstalt für Land- und Forstwirtschaft (BBA) soll der Pflanzenschutz im ökologischen Landbau gefördert werden. Das Bundesverbraucherschutzministerium finanziert die Forschung, um den Ökolandbau zu unterstützen. Außer der BBA haben auch andere Institute Fördermittel bekommen, die sich für den Zeitraum 2002 bis 2003 auf eine Gesamthöhe von 35 Millionen Euro belaufen.

Die Biologische Bundesanstalt hat bereits in den vergangenen Jahren Pflanzenschutzthemen zum ökologischen Landbau bearbeitet. Eines der Ergebnisse war, dass Kartoffelfelder im Frühjahr vor Blattläusen geschützt werden können, wenn zwischen den Pflanzreihen Stroh ausgelegt wird. Blattläuse orientieren sich beim Anfliegen auf Nahrungspflanzen anhand der Farbgebung im Feld. Das trockene Stroh signalisiert ihnen, dass hier keine saftigen Kartoffelpflanzen zu finden sind, sie fliegen daher weiter. Im Kohlanbau fördert ein Blumenstreifen nützliche Insekten, vor allem Schwebfliegen, deren Larven Blattläuse auffressen.

Da die Biologische Bundesanstalt bereits seit 103 Jahren besteht und bis vor 50 oder 60 Jahren jeder Landwirt ökologischen Landbau betrieb, verfügt die BBA über viel Wissen, auch aus Zeiten ohne Pflanzenschutzmittel. Dazu Dr. Stefan Kühne, der Spezialist für Pflanzenschutz im Ökolandbau von der BBA in Kleinmachnow: " Die Aufarbeitung und Zusammenstellung vorhandener Kenntnisse, auch die unserer Großväter ist ein wichtiges Anliegen."

Die BBA hat in Darmstadt ein Institut für biologischen Pflanzenschutz, deren Forschungsergebnisse vielfach vom ökologischen Landbau verwendet werden. So ist die Bekämpfung des Hauptschädlings im Apfelanbau, dem Wurm im Apfel, mit einem Verfahren möglich, bei dem eine Viruskrankheit, das Apfelwicklergranulosevirus, und ein Sexuallockstoff eingesetzt werden.

Die Apfelsägewespe ist ein Schädling, der im ökologischen Landbau verstärkt auftritt, aber auch in herkömmlich bearbeiteten Obstanlagen, wenn hier Virus- und Lockstoffe eingesetzt werden. Sie kann mit einem Naturstoff bekämpft werden, der aus dem Holz des Quassiabaums gewonnen wird, auch bekannt als Bitterholz, das bei der Herstellung von Magenlikören und anderen bitteren Lebensmitteln eingesetzt wird. Dabei sind übrigens 50 ml Quassiaextrakt pro Liter Magenbitter erlaubt.

Die BBA bietet im Internet  seit zwei Jahren eine Liste der Stoffe an, aus denen die Landwirte Mittel gegen Schädlinge und Krankheiten an Pflanzen zubereiten dürfen. Quassia ist dort aufgelistet sowie Schwefelkalk und andere Naturstoffe. Der ökologische Landbau verwendet als Pflanzenschutzmittel fast ausschließlich Präparate auf naturstofflicher Basis. Einige dieser Stoffe sind aber auch aus Umweltgründen durchaus problematisch. Kupfer ist ein gegen Pilzkrankheiten häufig eingesetztes Mittel, das aber toxisch auf Regenwürmer wirkt. Die Ökolandbauverbände schreiben daher vor, dass Kupfer nur mit geringen Aufwandmengen eingesetzt werden darf.

Dadurch kann es allerdings zu Problemen bei der Bekämpfung der Kraut- und Knollenfäule im ökologischen Kartoffelanbau kommen. Diese Krankheit führt dazu, dass nur jedes zweite Jahr überhaupt ein guter Ertrag eingefahren wird. Hier ist der Anbau widerstandsfähiger Sorten besonders wichtig. Leider sind diese Sorten nicht immer hundertprozentig resistent gegen die Krankheit, so dass trotzdem Kupfer eingesetzt werden muss. Eines der neuen Forschungsprojekte der BBA wird sich daher dieses Problems annehmen. Insgesamt darf der Ökobauer auf 95 zugelassene Pflanzenschutzmittel zurückgreifen.

Schwierig ist auch die Wissensvermittlung an den Ökobauern. In den nächsten ein bis zwei Jahren soll daher alles Wissenswerte über ein Internetportal bei der Zentralstelle für Agrardokumentation und Information ZADI angeboten werden . Hier sollen sämtliche Bereiche des ökologischen Landbaus erfasst werden. Die Biologische Bundesanstalt wird dabei den Pflanzenschutz bearbeiten.

Dr. P. W. Wohlers | idw
Weitere Informationen:
http://www.bba.de/oekoland/index.htm
http://www.zadi.de

Weitere Berichte zu: BBA Landbau Pflanzenschutz Pflanzenschutzmittel Sorten

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Feuerbrand bekämpfen und Salmonellen nachweisen
14.06.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Das Potenzial nichtheimischer Baumarten für den forstlichen Anbau in Deutschland sachlich prüfen
14.06.2017 | Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Das Auto lernt vorauszudenken

Ein neues Christian Doppler Labor an der TU Wien beschäftigt sich mit der Regelung und Überwachung von Antriebssystemen – mit Unterstützung des Wissenschaftsministeriums und von AVL List.

Wer ein Auto fährt, trifft ständig Entscheidungen: Man gibt Gas, bremst und dreht am Lenkrad. Doch zusätzlich muss auch das Fahrzeug selbst ununterbrochen...

Im Focus: Vorbild Delfinhaut: Elastisches Material vermindert Reibungswiderstand bei Schiffen

Für eine elegante und ökonomische Fortbewegung im Wasser geben Delfine den Wissenschaftlern ein exzellentes Vorbild. Die flinken Säuger erzielen erstaunliche Schwimmleistungen, deren Ursachen einerseits in der Körperform und andererseits in den elastischen Eigenschaften ihrer Haut zu finden sind. Letzteres Phänomen ist bereits seit Mitte des vorigen Jahrhunderts bekannt, konnte aber bislang nicht erfolgreich auf technische Anwendungen übertragen werden. Experten des Fraunhofer IFAM und der HSVA GmbH haben nun gemeinsam mit zwei weiteren Forschungspartnern eine Oberflächenbeschichtung entwickelt, die ähnlich wie die Delfinhaut den Strömungswiderstand im Wasser messbar verringert.

Delfine haben eine glatte Haut mit einer darunter liegenden dicken, nachgiebigen Speckschicht. Diese speziellen Hauteigenschaften führen zu einer signifikanten...

Im Focus: Kaltes Wasser: Und es bewegt sich doch!

Bei minus 150 Grad Celsius flüssiges Wasser beobachten, das beherrschen Chemiker der Universität Innsbruck. Nun haben sie gemeinsam mit Forschern in Schweden und Deutschland experimentell nachgewiesen, dass zwei unterschiedliche Formen von Wasser existieren, die sich in Struktur und Dichte stark unterscheiden.

Die Wissenschaft sucht seit langem nach dem Grund, warum ausgerechnet Wasser das Molekül des Lebens ist. Mit ausgefeilten Techniken gelingt es Forschern am...

Im Focus: Hyperspektrale Bildgebung zur 100%-Inspektion von Oberflächen und Schichten

„Mehr sehen, als das Auge erlaubt“, das ist ein Anspruch, dem die Hyperspektrale Bildgebung (HSI) gerecht wird. Die neue Kameratechnologie ermöglicht, Licht nicht nur ortsaufgelöst, sondern simultan auch spektral aufgelöst aufzuzeichnen. Das bedeutet, dass zur Informationsgewinnung nicht nur herkömmlich drei spektrale Bänder (RGB), sondern bis zu eintausend genutzt werden.

Das Fraunhofer IWS Dresden entwickelt eine integrierte HSI-Lösung, die das Potenzial der HSI-Technologie in zuverlässige Hard- und Software überführt und für...

Im Focus: Can we see monkeys from space? Emerging technologies to map biodiversity

An international team of scientists has proposed a new multi-disciplinary approach in which an array of new technologies will allow us to map biodiversity and the risks that wildlife is facing at the scale of whole landscapes. The findings are published in Nature Ecology and Evolution. This international research is led by the Kunming Institute of Zoology from China, University of East Anglia, University of Leicester and the Leibniz Institute for Zoo and Wildlife Research.

Using a combination of satellite and ground data, the team proposes that it is now possible to map biodiversity with an accuracy that has not been previously...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Internationale Fachkonferenz IEEE ICDCM - Lokale Gleichstromnetze bereichern die Energieversorgung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen der Stammzellforschung

27.06.2017 | Veranstaltungen

Fraunhofer FKIE ist Gastgeber für internationale Experten Digitaler Mensch-Modelle

27.06.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Ultra-sensitiv dank quantenmechanischer Verschränkung

28.06.2017 | Physik Astronomie

Chemisches Profil von Ameisen passt sich bei Selektionsdruck rasch an

28.06.2017 | Biowissenschaften Chemie

Umfangreiche Fördermaßnahmen für Forschung an Chromatin, Nebenniere und Krebstherapie

28.06.2017 | Förderungen Preise