Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

„Beißt“ das Klima ins Gras?

12.11.2010
Landwirtschaftsschüler geben Forschern Nachhilfe

Weniger Schnee, mehr Regen im Winter, geringerer Niederschlag und ebenso erhöhte Temperatur im Sommer – so lauten Prognosen für die klimatisch bisher kaum erforschten Wiesen unserer Alpen.

Dieses Grünland umfasst alleine in Österreich rund die Hälfte des gesamten landwirtschaftlich genutzten Areals. In anderen Alpenländern ist dieser Anteil noch weitaus größer. Wie sich Klimaänderungen auswirken und wie sich Landwirte darauf einstellen können, erforscht erstmals das Projekt „GrassClim“ mit beteiligten Landwirtschaftsschülern sowie Forschern aus Österreich und Südtirol.

Für die Landwirtschaft im Alpenraum sind Wiesen zentral wichtig. Rund jede zweite von Österreichs Bauern bewirtschaftete Fläche ist Grünland. Im gesamten Alpenbogen liegt der Anteil an Wiesenökosystemen in drei Vierteln aller Gemeinden bei über 85 Prozent. „Die prognostizierten Klimaänderungen, vor allem die Temperaturerhöhung und die Reduktion der Sommerniederschläge, werden die Erträge in der Grünlandwirtschaft beeinflussen. Sehr vereinfachend und bildhaft erklärt, gehen wir daher erstmals der Frage nach, ob das Klima ins Gras ´beißt`, ob sich Klimaänderungen z.B. auf den Heuertrag auswirken“, sagt der Leiter von GrassClim, Univ.-Doz. Dr. Georg Wohlfahrt vom Institut für Ökologie der Universität Innsbruck.

Jüngste Klimaforscher Österreichs

Das Tiroler Team erforscht gemeinsam mit dem Wegener Zentrum für Klima und Globalen Wandel der Karl-Franzens-Universität Graz sowie der Europäischen Akademie in der Südtiroler Landeshauptstadt Bozen bis 2012 die Auswirkungen des Klimawandels auf Grünlandökosysteme. GrassClim ist ein vom österreichischen Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung finanziertes „Sparkling-Science-Projekt“. „Neu und im Sinne von Nachhaltigkeit äußerst wichtig ist, dass wir als Forscher von Landwirtschaftsschülerinnen und Landwirtschaftsschülern Nachhilfe bekommen“, sagt Wohlfahrt schmunzelnd. Der Grund: 90 Schülerinnen und Schüler der Landwirtschaftlichen Landeslehranstalt in Rotholz in Tirol im Alter von 14 bis 15 Jahren arbeiten mit den Experten im Team.

Konkret führen die Schülerinnen und Schüler auf den Grünflächen ihrer Bauernhöfe unter Anleitung der Wissenschaftler Feldmessungen durch und untersuchen auch Schnittmaterial von Wiesen. Die angehenden Landwirte erhalten dabei Einblicke in die komplexen Wechselwirkungen zwischen landwirtschaftlicher Nutzung und Klima. Das Projekt wird ins Schulfach „Pflanzenbau“ auch direkt eingebaut. „Vom Projekt nehmen die Schülerinnen und Schüler nachhaltig dienliches und praktisch einfach umsetzbares Wissen mit. Wir entwickeln regionalisierte Klimaszenarien, simulieren mögliche Klimaänderungen und erarbeiten auf dieser Basis gemeinsam mit den angehenden Bauern Strategien für die zukünftige Bewirtschaftung ihrer Grünlandökosysteme“, erklärt Wohlfahrt.

Mit GrassClim wollen die Forscher außerdem einen Beitrag zur klimatischen Erforschung von Wiesen liefern. Wälder oder Weizenanbauflächen sind gut erforscht. Grünland in den Alpen, insbesondere der Einfluss des Klimawandels auf Erträge sowie Landnutzung und Rückkoppelungseffekte auf das Klima gelten derzeit zum Großteil als wissenschaftliches Neuland. In Abhängigkeit von klimatischen Gegebenheiten, Standortfaktoren und vor allem der Bewirtschaftungsintensität können Grünlandökosysteme sowohl als Senken wie auch als Quellen für das Treibhausgas Kohlendioxid fungieren, denn Grasflächen können so wie Wälder durch den Austausch von Spurengasen Kohlenstoff speichern oder freisetzen. Im Kohlenstoffkreislauf unseres Planeten, damit für die Erdatmosphäre und das Klima spielen sie daher eine große Rolle.

Kontakt:
Univ.-Doz. Dr. Georg Wohlfahrt
Institut für Ökologie
Sternwartestrasse 15, A-6020 Innsbruck
Telefon: +43(0)512/5075977
Mail: Georg.Wohlfahrt@uibk.ac.at
Mag.a Gabriele Rampl
Wissenschaftskommunikation Ökologie
Telefon: +43(0)650/2763351
Mail: office@scinews.at
Web: http://www.scinews.at

Gabriele Rampl | scinews.at
Weitere Informationen:
http://www.biomet.co.at/projects2_grassclim.php

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht „Antilopen-Parfüm“ hält Fliegen von Kühen fern
20.10.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Agritechnica: Silber für neue Technologie zur Blütenausdünnung im Obstbau
16.10.2017 | Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise