Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Begrünter Acker im Winter ist gut für das Klima

10.12.2014

Anbau von Zwischenfrüchten kann die Treibhausgasbilanz von Äckern verbessern

Zwischenfrüchte, die den Acker im Winter begrünen, sind eine der effektivsten Maßnahmen, um in Ackerböden Humus anzureichern. Anders als normale Kulturpflanzen werden Zwischenfrüchte meist nicht abgeerntet, sondern im Frühjahr einfach untergepflügt.


Zwischenfrüchte im Winter tragen zum Humusaufbau bei

(Foto: Michael Welling/Thünen-Institut)

Zwischenfrüchte sind in der Landwirtschaft seit langem bekannt, weil sie die Bodenfruchtbarkeit verbessern und das Grundwasser vor Nitrateinträgen schützen. Nun haben Forscher des Thünen-Instituts für Agrarklimaschutz und der schwedischen Landwirtschaftlichen Universität erstmals auch die Vorteile für den Klimaschutz berechnet.

In einer globalen Analyse von Langzeitversuchen haben sie ermittelt, dass der regelmäßige Anbau von Zwischenfrüchten wie Ackersenf oder Weidelgras die Humusgehalte von Ackerböden langfristig steigert. Mit dem Humus wird auch Kohlenstoff im Boden gespeichert, den die Pflanzen zuvor durch die Umwandlung von Kohlendioxid in Biomasse festgelegt haben. Das Kohlendioxid wird damit der Atmosphäre entzogen und klimaunschädlich gemacht.

„Mit dem Anbau von Zwischenfrüchten kann jährlich mehr als doppelt so viel Humus in den Boden gebracht werden wie mit reduzierter Bodenbearbeitung, die bisher als Maßnahme zur Anreicherung von Humus empfohlen wurde“, erklärt Dr. Axel Don vom Thünen-Institut für Agrarklimaschutz. In nur drei Jahren werden durch den Zwischenfruchtanbau durchschnittlich zwei Tonnen Humus pro Hektar zusätzlich im Boden gespeichert. Für die Forscher am Thünen-Institut sprechen die positiven Synergien für eine Erweiterung des Anbaus von Zwischenfrüchten: Nicht nur das Klima und das Grundwasser profitieren davon, sondern auch der Landwirt aufgrund der verbesserten Bodenfruchtbarkeit.

Bisher werden Zwischenfrüchte nur auf weniger als 10 Prozent der deutschen Ackerflächen angebaut. Ein verstärkter Anbau könnte aber eine wirksame und kostengünstige Klimaschutzmaßnahme sein. Etwa 10 Hektar zusätzlich angebaute Zwischenfrüchte kompensieren die jährlichen Treibhausgasemissionen eines Bundesbürgers.

Zwischenfrüchte sind allerdings nur ein zeitlich befristeter Beitrag zum Klimaschutz. Denn die Humusspeicherung im Boden ist begrenzt. Dagegen kehrt der gespeicherte Humus schnell wieder als klimawirksames Kohlendioxid in die Atmosphäre zurück, wenn der Landwirt wieder auf Zwischenfrüchte verzichtet. Zwischenfrüchte können den Klimawandel daher nur dann bremsen, wenn sie regelmäßig angebaut werden.

Die Studie wurde kürzlich in der Fachzeitschrift Agriculture Ecosystems and Environment veröffentlicht und entstand im Rahmen des europäischen Forschungsverbundprojekts GHG-Europe (http://www.ghg-europe.eu). In dem Projekt wurde der Einfluss der Land- und Forstwirtschaft auf die Treibhausgasbilanz der europäischen Biosphäre untersucht.

Kontakt:
Dr. Axel Don
Thünen Institut für Agrarklimaschutz, Braunschweig
E-Mail: axel.don@ti.bund.de
Telefon: 0531 596 2641

Dr. Michael Welling | idw - Informationsdienst Wissenschaft
Weitere Informationen:
http://www.ti.bund.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Feuerbrand bekämpfen und Salmonellen nachweisen
14.06.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

nachricht Das Potenzial nichtheimischer Baumarten für den forstlichen Anbau in Deutschland sachlich prüfen
14.06.2017 | Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Einblicke unter die Oberfläche des Mars

Die Region erstreckt sich über gut 1000 Kilometer entlang des Äquators des Mars. Sie heißt Medusae Fossae Formation und über ihren Ursprung ist bislang wenig bekannt. Der Geologe Prof. Dr. Angelo Pio Rossi von der Jacobs University hat gemeinsam mit Dr. Roberto Orosei vom Nationalen Italienischen Institut für Astrophysik in Bologna und weiteren Wissenschaftlern einen Teilbereich dieses Gebietes, genannt Lucus Planum, näher unter die Lupe genommen – mithilfe von Radarfernerkundung.

Wie bei einem Röntgenbild dringen die Strahlen einige Kilometer tief in die Oberfläche des Planeten ein und liefern Informationen über die Struktur, die...

Im Focus: Molekulares Lego

Sie können ihre Farbe wechseln, ihren Spin verändern oder von fest zu flüssig wechseln: Eine bestimmte Klasse von Polymeren besitzt faszinierende Eigenschaften. Wie sie das schaffen, haben Forscher der Uni Würzburg untersucht.

Bei dieser Arbeit handele es sich um ein „Hot Paper“, das interessante und wichtige Aspekte einer neuen Polymerklasse behandelt, die aufgrund ihrer Vielfalt an...

Im Focus: Das Universum in einem Kristall

Dresdener Forscher haben in Zusammenarbeit mit einem internationalen Forscherteam einen unerwarteten experimentellen Zugang zu einem Problem der Allgemeinen Realitätstheorie gefunden. Im Fachmagazin Nature berichten sie, dass es ihnen in neuartigen Materialien und mit Hilfe von thermoelektrischen Messungen gelungen ist, die Schwerkraft-Quantenanomalie nachzuweisen. Erstmals konnten so Quantenanomalien in simulierten Schwerfeldern an einem realen Kristall untersucht werden.

In der Physik spielen Messgrößen wie Energie, Impuls oder elektrische Ladung, welche ihre Erscheinungsform zwar ändern können, aber niemals verloren gehen oder...

Im Focus: Manipulation des Elektronenspins ohne Informationsverlust

Physiker haben eine neue Technik entwickelt, um auf einem Chip den Elektronenspin mit elektrischen Spannungen zu steuern. Mit der neu entwickelten Methode kann der Zerfall des Spins unterdrückt, die enthaltene Information erhalten und über vergleichsweise grosse Distanzen übermittelt werden. Das zeigt ein Team des Departement Physik der Universität Basel und des Swiss Nanoscience Instituts in einer Veröffentlichung in Physical Review X.

Seit einigen Jahren wird weltweit untersucht, wie sich der Spin des Elektrons zur Speicherung und Übertragung von Information nutzen lässt. Der Spin jedes...

Im Focus: Manipulating Electron Spins Without Loss of Information

Physicists have developed a new technique that uses electrical voltages to control the electron spin on a chip. The newly-developed method provides protection from spin decay, meaning that the contained information can be maintained and transmitted over comparatively large distances, as has been demonstrated by a team from the University of Basel’s Department of Physics and the Swiss Nanoscience Institute. The results have been published in Physical Review X.

For several years, researchers have been trying to use the spin of an electron to store and transmit information. The spin of each electron is always coupled...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungen

Den Nachhaltigkeitskreis schließen: Lebensmittelschutz durch biobasierte Materialien

21.07.2017 | Veranstaltungen

Operatortheorie im Fokus

20.07.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Einblicke unter die Oberfläche des Mars

21.07.2017 | Geowissenschaften

Wegbereiter für Vitamin A in Reis

21.07.2017 | Biowissenschaften Chemie

Den Geheimnissen der Schwarzen Löcher auf der Spur

21.07.2017 | Veranstaltungsnachrichten