Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Beatmung im Notfall – Einfacher Blasebalg rettet Pferdeleben auf dem Feld

24.09.2013
Atemstillstand oder Herz-Kreislaufstillstand bei Pferden stellt im Feld ein unlösbares Problem für Tierärzte dar.

Die notwendige Beatmung kann im Freien kaum durchgeführt werden, da herkömmliche Beatmungsgeräte zu groß sind und Strom sowie Druckluft benötigen. Anästhesisten der Veterinärmedizinischen Universität Wien (Vetmeduni Vienna) entwickelten ein simples und kostengünstiges Gerät zur Beatmung von Großtieren im Notfall, das einfach zu transportieren ist und am Feld im Ernstfall Tierleben retten kann. Dass ihre Erfindung auch wirklich funktioniert, zeigten die Wissenschafter in ihrer Veröffentlichung im Journal of Equine Veterinary Education.

Pferde sind stattliche Tiere. Ihre medizinische Behandlung erfordert besondere Kenntnisse aber auch die passenden Gerätschaften. Da Pferde ein entsprechend großes Lungenvolumen besitzen, ist eine künstliche Beatmung im Notfall gar nicht so leicht zu bewerkstelligen. Während in Kliniken geeignete Beatmungsgeräte vorhanden sind, fehlen diese im Ernstfall überall dort, wo Pferde sich sonst aufhalten: im Stall, auf der Koppel, im Wald, während des Transports auf der Autobahn, etc...

Der Blasebalg der Leben rettet

Yves Moens von der Klinischen Abteilung für Anästhesiologie und perioperative Intensivmedizin und seine Mitarbeiter entwickelten eine handliche Beatmungspumpe für Großtiere. Mit diesem einfachen Gerät können Tierärzte auf dem Feld rasch und unkompliziert beatmen und so die Tiere reanimieren. Das Gerät ist, ähnlich wie ein Blasebalg mit dem man Luftmatratzen aufpumpt, konstruiert, einfach zu transportieren und unkompliziert zu bedienen. Erleidet ein Pferd auf der Weide einen Atemstillstand, zum Beispiel während einer Operation, kann der Tierarzt vor Ort das Tier intubieren. Das bedeutet, einen Beatmungsschlauch in die Luftröhre des Tieres einführen. Danach wird die Beatmungspumpe angeschlossen und mit dem Fuß betätigt.

Kleines Gerät mir großer Wirkung

Das neu entwickelte Beatmungsgerät hat ein Luftvolumen von 2,5 Liter. Ein ausgewachsenes Pferd benötigt für einen Atemzug aber mindestens fünf bis sechs Liter Luft, um mit genügend Sauerstoff versorgt zu sein. Ein entsprechend großer Blasebalg wäre wiederum zu groß, um von einem Menschen einfach bedient werden zu können und hat in einem Praxiswagen kaum Platz. Die Wissenschafter zeigten, dass die Beatmung von Pferden auch mit einem kleineren Beatmungsgerät funktioniert. Die Idee war, das vorhandene Ventil zu nutzen und den Blasebalg mehrmals kurz hintereinander rasch zu betätigen, um das benötigte Luftvolumen zu erhalten. Die Ausatmung erfolgt dann über ein manuell gesteuertes zweites Ventil. Sie testeten ihre Hypothese an fünf Haflingern während einer Kastrationsoperation auf der Weide und konnten zeigen, dass die stufenweise Beatmung mit einer 2,5 Liter Pumpe ausreicht, um die Pferde in Narkose ausreichend mit Atemluft zu versorgen.

Beatmung am Feld bietet Sicherheit für Tier und Mensch

„Im Fach Anästhesie hat sich in den letzten Jahrzehnten viel getan. So auch in der veterinärmedizinischen Anästhesie. Wir arbeiten an verbesserten Narkosetechniken und Beatmungsmaschinen um Risiken zu reduzieren. Die von uns entwickelte Beatmungspumpe ermöglicht mehr Sicherheit bei Narkosen für Großtiere im Feld aber auch letztendlich mehr Rechtssicherheit für den Tierarzt entsprechende Vorkehrungen getroffen zu haben“, erläutert Klinikvorstand Yves Moens. Die Beatmungspumpe ist preiswert herzustellen und bietet dem Tierarzt die Möglichkeit, Pferde adäquat zu behandeln.

Die Studie „A commercial foot pump for emergency ventilation of horses, proof-of-principle during equine field anaesthesia“ von Stephanie von Ritgen, Ulrike Auer, Johannes Schramel und Yves Moens wurde vor kurzem im Journal Equine Veterinary Education veröffentlicht.http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1111/eve.12069/abstract

Wissenschaftlicher Kontakt:
Prof. Yves Moens
Klinik für Kleintiere
Klinische Abteilung für Anästhesiologie und perioperative Intensivmedizin
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 250 77-5350
yves.moens@vetmeduni.ac.at
Aussenderin:
Dr. Susanna Kautschitsch
Wissenschaftskommunikation / Public Relations
Veterinärmedizinische Universität Wien (Vetmeduni Vienna)
T +43 1 25077-1153
susanna.kautschitsch@vetmeduni.ac.at

Susanna Kautschitsch | idw
Weitere Informationen:
http://www.vetmeduni.ac.at/de/infoservice/presseinformationen/presseinfo2013/notfallbeatmung-pferde/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Julius Kühn-Institut etabliert Forschungszentrum für landwirtschaftliche Fernerkundung (FLF)
22.03.2017 | Julius Kühn-Institut, Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen

nachricht Im Drohnenflug dem Wasser auf der Spur
03.03.2017 | Leibniz-Zentrum für Agrarlandschaftsforschung (ZALF) e.V.

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Fliegende Intensivstationen: Ultraschallgeräte in Rettungshubschraubern können Leben retten

Etwa 21 Millionen Menschen treffen jährlich in deutschen Notaufnahmen ein. Im Kampf zwischen Leben und Tod zählt für diese Patienten jede Minute. Wenn sie schon kurz nach dem Unfall zielgerichtet behandelt werden können, verbessern sich ihre Überlebenschancen erheblich. Damit Notfallmediziner in solchen Fällen schnell die richtige Diagnose stellen können, kommen in den Rettungshubschraubern der DRF Luftrettung und zunehmend auch in Notarzteinsatzfahrzeugen mobile Ultraschallgeräte zum Einsatz. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) schulen die Notärzte und Rettungsassistenten.

Mit mobilen Ultraschallgeräten können Notärzte beispielsweise innere Blutungen direkt am Unfallort identifizieren und sie bei Bedarf auch für Untersuchungen im...

Im Focus: Gigantische Magnetfelder im Universum

Astronomen aus Bonn und Tautenburg in Thüringen beobachteten mit dem 100-m-Radioteleskop Effelsberg Galaxienhaufen, das sind Ansammlungen von Sternsystemen, heißem Gas und geladenen Teilchen. An den Rändern dieser Galaxienhaufen fanden sie außergewöhnlich geordnete Magnetfelder, die sich über viele Millionen Lichtjahre erstrecken. Sie stellen die größten bekannten Magnetfelder im Universum dar.

Die Ergebnisse werden am 22. März in der Fachzeitschrift „Astronomy & Astrophysics“ veröffentlicht.

Galaxienhaufen sind die größten gravitativ gebundenen Strukturen im Universum, mit einer Ausdehnung von etwa zehn Millionen Lichtjahren. Im Vergleich dazu ist...

Im Focus: Giant Magnetic Fields in the Universe

Astronomers from Bonn and Tautenburg in Thuringia (Germany) used the 100-m radio telescope at Effelsberg to observe several galaxy clusters. At the edges of these large accumulations of dark matter, stellar systems (galaxies), hot gas, and charged particles, they found magnetic fields that are exceptionally ordered over distances of many million light years. This makes them the most extended magnetic fields in the universe known so far.

The results will be published on March 22 in the journal „Astronomy & Astrophysics“.

Galaxy clusters are the largest gravitationally bound structures in the universe. With a typical extent of about 10 million light years, i.e. 100 times the...

Im Focus: Auf der Spur des linearen Ubiquitins

Eine neue Methode ermöglicht es, den Geheimcode linearer Ubiquitin-Ketten zu entschlüsseln. Forscher der Goethe-Universität berichten darüber in der aktuellen Ausgabe von "nature methods", zusammen mit Partnern der Universität Tübingen, der Queen Mary University und des Francis Crick Institute in London.

Ubiquitin ist ein kleines Molekül, das im Körper an andere Proteine angehängt wird und so deren Funktion kontrollieren und verändern kann. Die Anheftung...

Im Focus: Tracing down linear ubiquitination

Researchers at the Goethe University Frankfurt, together with partners from the University of Tübingen in Germany and Queen Mary University as well as Francis Crick Institute from London (UK) have developed a novel technology to decipher the secret ubiquitin code.

Ubiquitin is a small protein that can be linked to other cellular proteins, thereby controlling and modulating their functions. The attachment occurs in many...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Die „Panama Papers“ aus Programmierersicht

22.03.2017 | Veranstaltungen

Über Raum, Zeit und Materie

22.03.2017 | Veranstaltungen

Unter der Haut

22.03.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Innenraum-Ortung für dynamische Umgebungen

23.03.2017 | Architektur Bauwesen

Verschwindende Äderchen: Diabetes schädigt kleine Blutgefäße am Herz und erhöht das Infarkt-Risiko

23.03.2017 | Medizin Gesundheit

Die Evolutionsgeschichte der Wespen, Bienen und Ameisen erstmals entschlüsselt

23.03.2017 | Biowissenschaften Chemie