Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

„Antilopen-Parfüm“ hält Fliegen von Kühen fern

20.10.2017

In Afrika übertragen Tsetse-Fliegen die Schlafkrankheit auch auf Rinder. Der Schaden beträgt nach Schätzungen rund 4,6 Milliarden US-Dollar pro Jahr. Prof. Dr. Christian Borgemeister vom Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn hat nun mit Kollegen aus Kenia und Großbritannien erforscht, wie sich die Krankheit verhindern lässt. Tsetse-Fliegen meiden Wasserböcke, eine weit verbreitete Antilopenart. Die Wissenschaftler imitierten den Geruch dieser Antilopen. Trugen die Rinder Halsbänder mit dem Abwehrstoff, blieben mehr als 80 Prozent der Tiere von der gefürchteten Infektion verschont. Die Ergebnisse werden nun in „PLOS Neglected Tropical Diseases“ vorgestellt.

Tsetse-Fliegen sind in Afrika weit verbreitet. Sie ernähren sich von Blut und können dabei die gefürchtete Schlafkrankheit übertragen. Die Infektion kann tödlich verlaufen und führt zunächst zu einer Schädigung des Nervensystems und im Endstadium zu einem Dämmerzustand, der der Krankheit ihren Namen gegeben hat. Zahlreiche Menschen im tropischen Afrika sind direkt gefährdet, doch auch die Übertragung auf Rinder hat teils drastische Folgen für die Landwirtschaft: Beim Vieh sind Einbußen an Milch, Fleisch und Arbeitskraft zu verzeichnen.


Ein Farmer verwendet beim Pflügen die neuartigen Halsbänder mit dem Abwehrstoff des Wasserbocks. Die Ausbrüche der Schlafkrankheit beim Vieh konnten damit um mehr als 80 Prozent reduziert werden.

© Foto: Dr. R. K. Saini/icipe


Mit der traditionellen Methode soll Rauch die Tsetse-Fliegen von den Rindern fernhalten.

© Foto: Dr. R. K. Saini/icipe

Im Kampf gegen die Schlafkrankheit verfolgt Prof. Dr. Christian Borgemeister vom Zentrum für Entwicklungsforschung (ZEF) der Universität Bonn mit einem Team aus Forschern des International Centre of Insect Physiology and Ecology (icipe), vom Interafrican Bureau for Animal Resources (beide in Kenia) und vom Rothamsted Research, Harpenden (Großbritannien) einen neuen Ansatz. Die Tsetse-Fliegen meiden Wasserböcke, eine afrikanische Antilopenart, weil sie den Geruch der Tiere abstoßend finden.

Das internationale Wissenschaftlerteam hat zuerst die Abwehrstoffe des Wasserbocks isoliert, identifiziert und im Labor synthetisiert. Winzige Mengen der Tsetse-Fliegen abweisenden Substanz füllten die Forscher in Plastikbehälter, die den Rindern mit einem Halsband umgebunden wurden. Fortan verströmte das Vieh den Geruch der ungeliebten Wasserböcke – wie beim berühmten Wolf im Schafspelz wurden die Tsetse-Fliegen durch das „Antilopen-Parfüm“ getäuscht.

Wasserbockgeruch reduziert Erkrankungsraten um mehr als 80 Prozent

Die innovative Methode zur Krankheitsprävention wurde in einem groß angelegten zweijährigen Feldversuch in Kenia getestet. Für das Experiment stellten 120 Maasai-Hirten mehr als 1.100 ihrer Rindern zur Verfügung. Im Vergleich zu ungeschützten Rindern waren die Erkrankungsraten der mit dem Abwehrstoff behandelten Tiere um mehr als 80 Prozent reduziert. Allgemein waren die Tiere mit dem schützenden Halsband gesünder, schwerer, gaben mehr Milch, konnten mehr Land pflügen und erzielten auf den regionalen Märkten deutlich höhere Verkaufserlöse.

„All dies trug zu einer deutlichen Verbesserung der Ernährungssicherheit und des Haushaltseinkommens der beteiligten Hirtenfamilien bei“, sagt Borgemeister. Im Vergleich zu den ansonsten eingesetzten Tiermedikamenten sei die Halsband-Methode deutlich kostengünstiger und damit wirtschaftlicher, so die Forscher. Darüber hinaus stieß die neue Technologie bei den Maasai-Hirten auf eine sehr große Akzeptanz. Rund 99 Prozent der Hirten möchten die Halsbänder gerne nutzen.

„Diese in der Praxis erfolgreich getestete Methode bedeutet einen großen Fortschritt für die Nahrungssicherheit vieler Hirten und Viehhalter in Afrika“, sagt Borgemeister. Da die Halsbänder mit dem Abwehrstoff einfach anzuwenden sind und keine hohen Kosten verursachen, sei diese Vorgehensweise besonders attraktiv und erfolgsversprechend.

Publikation: Protecting cows in small holder farms in East Africa from tsetse flies by mimicking the odor profile of a non-host bovid, PLOS NTD

Kontakt für die Medien:

Alma van der Veen
Zentrum für Entwicklungsforschung
Universität Bonn
Tel. 0228/731846
E-Mail: presse.zef@uni-bonn.de

Weitere Informationen:

http://www.plosntds.org/article/info:doi/10.1371/journal.pntd.0005977 Publication

Johannes Seiler | idw - Informationsdienst Wissenschaft

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Neue Strategie zur Kupferreduktion im Pflanzenschutz entwickelt
21.02.2018 | Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

nachricht Da haben wir den Salat: Erste Ernte aus aufbereitetem Abwasser im Forschungsprojekt HypoWave
20.02.2018 | ISOE - Institut für sozial-ökologische Forschung

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Vorstoß ins Innere der Atome

Mit Hilfe einer neuen Lasertechnologie haben es Physiker vom Labor für Attosekundenphysik der LMU und des MPQ geschafft, Attosekunden-Lichtblitze mit hoher Intensität und Photonenenergie zu produzieren. Damit konnten sie erstmals die Interaktion mehrere Photonen in einem Attosekundenpuls mit Elektronen aus einer inneren atomaren Schale beobachten konnten.

Wer die ultraschnelle Bewegung von Elektronen in inneren atomaren Schalen beobachten möchte, der benötigt ultrakurze und intensive Lichtblitze bei genügend...

Im Focus: Attoseconds break into atomic interior

A newly developed laser technology has enabled physicists in the Laboratory for Attosecond Physics (jointly run by LMU Munich and the Max Planck Institute of Quantum Optics) to generate attosecond bursts of high-energy photons of unprecedented intensity. This has made it possible to observe the interaction of multiple photons in a single such pulse with electrons in the inner orbital shell of an atom.

In order to observe the ultrafast electron motion in the inner shells of atoms with short light pulses, the pulses must not only be ultrashort, but very...

Im Focus: Good vibrations feel the force

Eine Gruppe von Forschern um Andrea Cavalleri am Max-Planck-Institut für Struktur und Dynamik der Materie (MPSD) in Hamburg hat eine Methode demonstriert, die es erlaubt die interatomaren Kräfte eines Festkörpers detailliert auszumessen. Ihr Artikel Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, nun online in Nature veröffentlich, erläutert, wie Terahertz-Laserpulse die Atome eines Festkörpers zu extrem hohen Auslenkungen treiben können.

Die zeitaufgelöste Messung der sehr unkonventionellen atomaren Bewegungen, die einer Anregung mit extrem starken Lichtpulsen folgen, ermöglichte es der...

Im Focus: Good vibrations feel the force

A group of researchers led by Andrea Cavalleri at the Max Planck Institute for Structure and Dynamics of Matter (MPSD) in Hamburg has demonstrated a new method enabling precise measurements of the interatomic forces that hold crystalline solids together. The paper Probing the Interatomic Potential of Solids by Strong-Field Nonlinear Phononics, published online in Nature, explains how a terahertz-frequency laser pulse can drive very large deformations of the crystal.

By measuring the highly unusual atomic trajectories under extreme electromagnetic transients, the MPSD group could reconstruct how rigid the atomic bonds are...

Im Focus: Verlässliche Quantencomputer entwickeln

Internationalem Forschungsteam gelingt wichtiger Schritt auf dem Weg zur Lösung von Zertifizierungsproblemen

Quantencomputer sollen künftig algorithmische Probleme lösen, die selbst die größten klassischen Superrechner überfordern. Doch wie lässt sich prüfen, dass der...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

VideoLinks
Industrie & Wirtschaft
Veranstaltungen

Von festen Körpern und Philosophen

23.02.2018 | Veranstaltungen

Spannungsfeld Elektromobilität

23.02.2018 | Veranstaltungen

DFG unterstützt Kongresse und Tagungen - April 2018

21.02.2018 | Veranstaltungen

VideoLinks
Wissenschaft & Forschung
Weitere VideoLinks im Überblick >>>
 
Aktuelle Beiträge

Vorstoß ins Innere der Atome

23.02.2018 | Physik Astronomie

Wirt oder Gast? Proteomik gibt neue Aufschlüsse über Reaktion von Rifforganismen auf Umweltstress

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Wie Zellen unterschiedlich auf Stress reagieren

23.02.2018 | Biowissenschaften Chemie

Weitere B2B-VideoLinks
IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics