Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Agronomische und ökologische Auswirkungen von ausgebrachten Bioabfällen

21.08.2014

Auf Wunsch der Ministerien für Landwirtschaft und Ökologie erstellten das INRA [1], das CNRS [2] und das Irstea [3] gemeinsam ein wissenschaftliches Gutachten zu den agronomischen und ökologischen Auswirkungen der Ausbringung von Düngemitteln aus biologischen Abfallprodukten (Dung, Kompost, Klärschlamm etc.). Die Ergebnisse des Gutachtens wurden am 3. Juli 2014 in Paris vorgestellt.

Gülle wird seit Jahrhunderten auf landwirtschaftlichen Flächen ausgebracht. Diese Methode der organischen Düngung hat sich jedoch weiter entwickelt und wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts von der synthetischen Mineraldüngung verdrängt. Dadurch ist es einfacher geworden, die notwendige Menge an den wichtigsten Nährstoffen wie Stickstoff (N), Phosphor (P) und Kalium (K) zu ermitteln und einzusetzen. 

In der letzten Zeit hat die Wiederverwertung von organischem Dünger aus verschiedenen häuslichen und industriellen Abfällen (Matière fertilisantes d’origine résiduaires = Mafor) (z.B. Abwasser, Hausmüll, Industrieabfälle etc.) in der Landwirtschaft jedoch wieder zugenommen. Der agronomische Vorteil der Mafor ist, dass durch sie organische Substanzen direkt in den Boden gelangen und sie die einzige erneuerbare Phosphor-Quelle sind. 

Im Rahmen einer weiteren Studie sollen jetzt folgende Punkte untersucht werden: 

Heterogene Verteilung der Mafor-Ressourcen. In Frankreich wird ein Viertel der landwirtschaftlich genutzten Flächen mit Gülle gedüngt. Dabei kommt es auf einigen Flächen zu einer Überversorgung mit Stickstoff, wodurch ein Teil des Nährstoffs an die Atmosphäre oder an Gewässer verloren geht, was wiederum Umweltauswirkungen zur Folge hat. 

Kontrollierte Zugabe von pathogenen Mikroorganismen. Dung und städtischer Klärschlamm enthalten aufgrund ihrer fäkalen Herkunft pathogene Mikroorganismen wie Bakterien, Viren und Parasiten. Diese können zur Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen beitragen. 

Variierende Menge chemischer Schadstoffe im Boden. Die meisten Schadstoffe (organisch oder anorganisch), die durch die Mafor in den Boden gelangen, können auch auf andere Weise zu Verunreinigungen führen, z.B. über die atmosphärische Deposition, Pflanzenschutzmittel, Bewässerung etc. Auch wenn die gegenwärtig in Frankreich ausgebrachte Menge an Mafor unter den gesetzlich festgelegten Grenzwerten bleibt, kann sie langfristig dennoch zu einer schwer kontrollierbaren Anreicherung von Schadstoffen im Boden führen.

Für eine Optimierung des Einsatzes von Mafor in der Landwirtschaft und eine Erhöhung ihres Beitrags für die Recycling-Wirtschaft braucht es umfangreiche Kenntnisse der Eigenschaften von Abfallstoffen und deren Behandlungen.

[1] INRA – französisches Institut für Agrarforschung

[2] CNRS – französisches Zentrum für wissenschaftliche Forschung

[3] Irstea – nationales Forschungsinstitut für Umwelt- und Agrarwissenschaften und –Technologien, öffentliche Forschungseinrichtung mit Schwerpunkt Landmanagement (Wasserressourcen, Landtechnik) 

Quelle: Gemeinsame Pressemitteilung des Irstea, des CNRS und des INRA – 03.07.2014 – http://www2.cnrs.fr/sites/communique/fichier/cp_esco_version_def.pdf 

Redakteur: Clément Guyot, clement.guyot@diplomatie.gouv.fr

Wissenschaft-Frankreich (Nummer 274 vom 20. August 2014)

Französische Botschaften in Deutschland und Österreich

Clément Guyot | Wissenschaft-Frankreich
Weitere Informationen:
http://www.wissenschaft-frankreich.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Elefanten-Herpes: Super-Verbreiter gefährden Jungtiere
04.05.2017 | Universität Zürich

nachricht Wurmmittel für Weidetiere können die Keimung von Pflanzensamen beeinflussen
27.04.2017 | Universität Trier

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

Staphylococcus aureus ist aufgrund häufiger Resistenzen gegenüber vielen Antibiotika ein gefürchteter Erreger (MRSA) insbesondere bei Krankenhaus-Infektionen. Forscher des Paul-Ehrlich-Instituts haben immunologische Prozesse identifiziert, die eine erfolgreiche körpereigene, gegen den Erreger gerichtete Abwehr verhindern. Die Forscher konnten zeigen, dass sich durch Übertragung von Protein oder Boten-RNA (mRNA, messenger RNA) des Erregers auf Immunzellen die Immunantwort in Richtung einer aktiven Erregerabwehr verschieben lässt. Dies könnte für die Entwicklung eines wirksamen Impfstoffs bedeutsam sein. Darüber berichtet PLOS Pathogens in seiner Online-Ausgabe vom 25.05.2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) ist ein Bakterium, das bei weit über der Hälfte der Erwachsenen Haut und Schleimhäute besiedelt und dabei normalerweise keine...

Im Focus: Can the immune system be boosted against Staphylococcus aureus by delivery of messenger RNA?

Staphylococcus aureus is a feared pathogen (MRSA, multi-resistant S. aureus) due to frequent resistances against many antibiotics, especially in hospital infections. Researchers at the Paul-Ehrlich-Institut have identified immunological processes that prevent a successful immune response directed against the pathogenic agent. The delivery of bacterial proteins with RNA adjuvant or messenger RNA (mRNA) into immune cells allows the re-direction of the immune response towards an active defense against S. aureus. This could be of significant importance for the development of an effective vaccine. PLOS Pathogens has published these research results online on 25 May 2017.

Staphylococcus aureus (S. aureus) is a bacterium that colonizes by far more than half of the skin and the mucosa of adults, usually without causing infections....

Im Focus: Orientierungslauf im Mikrokosmos

Physiker der Universität Würzburg können auf Knopfdruck einzelne Lichtteilchen erzeugen, die einander ähneln wie ein Ei dem anderen. Zwei neue Studien zeigen nun, welches Potenzial diese Methode hat.

Der Quantencomputer beflügelt seit Jahrzehnten die Phantasie der Wissenschaftler: Er beruht auf grundlegend anderen Phänomenen als ein herkömmlicher Rechner....

Im Focus: A quantum walk of photons

Physicists from the University of Würzburg are capable of generating identical looking single light particles at the push of a button. Two new studies now demonstrate the potential this method holds.

The quantum computer has fuelled the imagination of scientists for decades: It is based on fundamentally different phenomena than a conventional computer....

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Meeresschutz im Fokus: Das IASS auf der UN-Ozean-Konferenz in New York vom 5.-9. Juni

24.05.2017 | Veranstaltungen

Diabetes Kongress in Hamburg beginnt heute: Rund 6000 Teilnehmer werden erwartet

24.05.2017 | Veranstaltungen

Wissensbuffet: „All you can eat – and learn”

24.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

DFG fördert 15 neue Sonderforschungsbereiche (SFB)

26.05.2017 | Förderungen Preise

Lässt sich mit Boten-RNA das Immunsystem gegen Staphylococcus aureus scharf schalten?

26.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Unglaublich formbar: Lesen lernen krempelt Gehirn selbst bei Erwachsenen tiefgreifend um

26.05.2017 | Gesellschaftswissenschaften