Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Abdriftmindernde Maissägeräte - Reaktion auf erhebliche Bienenschäden im Frühjahr 2008

14.01.2009
Julius Kühn-Institut veröffentlicht erste Liste abdriftmindernder Maissägeräte

Im Frühjahr 2008 traten vor allem im Oberrheingraben große Bienenschäden auf. Als Ursache kamen neben schlecht gebeiztem Saatgut rasch Sägeräte in Verdacht. Zur Aussaat des mit dem Wirkstoff Clothianidin gebeizten Maissaatguts waren vor allem mit Saugluft arbeitende Einzelkorn-Sägeräte verwendet worden.

Seit Oktober 2008 prüfte das Julius Kühn-Institut (JKI) in Braunschweig die von den Herstellern gelieferten Sämaschinen. Im Internetangebot des JKI wurde jetzt eine erste Liste veröffentlicht. Sie enthält alle bisher geprüften Maissägeräte sowie die dazugehörigen notwendigen Umrüstsätze, die die Abdrift von Beizstäuben gegenüber herkömmlichen Standardgeräten um mindestens 90 % verringern.

"Eine Prüfung von Sägeräten ist neu. Es hat sich rasch gezeigt, dass bei Maissägeräten die Luftführung an den Geräten verändert werden muss. Wenn die Maiskörner zur Vereinzelung im Säaggregat angesaugt werden, darf abgeriebenes Beizmittel nicht unkontrolliert durch den Luftauslass in die Umgebung geblasen werden und so auf blühende Pflanzen außerhalb der Felder gelangen", so Dirk Rautmann vom JKI-Institut für Anwendungstechnik im Pflanzenschutz. Im Sommer und Herbst 2008 fanden unter Federführung des JKI drei Fachgespräche mit Experten der Industrie und des Pflanzenschutzdienstes der Länder statt, um ein geeignetes standardisiertes Prüfverfahren zu entwickeln und festzulegen. Wichtiger Bestandteil der Prüfung ist ein Abdrifttest im Freiland. Anstelle des Beizmittels wird ein fluoreszierender Farbstoff eingesetzt, was eine rasche Auswertung möglich macht. So konnten in kurzer Zeit acht verschiedene Gerätetypen von fünf Herstellern geprüft werden.

Auf die jetzt veröffentlichte JKI-Liste, die ständig ergänzt wird, kann die Zulassungsbehörde für Pflanzenschutzmittel - das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) - Bezug nehmen, wenn bei der Aussaat von mit insektiziden Mitteln gebeiztem Saatgut nur Sägeräte verwendet werden sollen, die abdriftmindernd arbeiten.

Hintergrundinformation:
Das Julius Kühn-Institut führt und veröffentlicht die so genannte Pflanzenschutzgeräteliste, in der die Pflanzenschutzgeräte aufgeführt werden, die die gesetzlichen Anforderungen nach § 24 des Pflanzenschutzgesetzes erfüllen. Weiterhin müssen alle Pflanzenschutzgeräte alle zwei Jahre überprüft werden.
Abdrift:
Unter Abdrift versteht man im Pflanzenschutz den durch die Art der Pflanzenschutzgeräte und vor allem durch die Art der verwendeten Düsen technisch bedingte, in Bereiche außerhalb der Ackerfläche gesprühte oder gespritzte Pflanzenschutzmittelmenge. Wind verstärkt die Abdrift erheblich.

Derartige Nebenwirkungen sollen im Sinne eines vorbeugenden Verbraucherschutzes möglichst gering gehalten werden. Viele Pflanzenschutzmittel werden daher nur mit Anwendungsbestimmungen zugelassen, die in der Nähe von Oberflächengewässern oder terrestrischen Biotopen den Einsatz von Pflanzenschutzgeräten vorschreiben, die mit modernen abdriftmindernden Düsen ausgestattet sind. Das Verzeichnis "Verlustmindernder Geräte" des Julius Kühn-Instituts enthält derzeit mehr als 380 Gerätetypen, die die Abdrift um 50, 75, 90 und 99 % verringern.

Dr. Gerlinde Nachtigall | idw
Weitere Informationen:
http://www.jki.bund.de/cln_045/nn_807146/SharedDocs/10__FA/Publikationen/Pflanzenschutzgeraete/maissaegeraete__19122008.pdf.html__nnn=t
http://www.jki.bund.de/nn_806770/DE/pressestelle/Presseinfos/Presseinfo__node.html__nnn=true

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Elefanten-Herpes: Super-Verbreiter gefährden Jungtiere
04.05.2017 | Universität Zürich

nachricht Wurmmittel für Weidetiere können die Keimung von Pflanzensamen beeinflussen
27.04.2017 | Universität Trier

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Tumult im trägen Elektronen-Dasein

Ein internationales Team von Physikern hat erstmals das Streuverhalten von Elektronen in einem nichtleitenden Material direkt beobachtet. Ihre Erkenntnisse könnten der Strahlungsmedizin zu Gute kommen.

Elektronen in nichtleitenden Materialien könnte man Trägheit nachsagen. In der Regel bleiben sie an ihren Plätzen, tief im Inneren eines solchen Atomverbunds....

Im Focus: Turmoil in sluggish electrons’ existence

An international team of physicists has monitored the scattering behaviour of electrons in a non-conducting material in real-time. Their insights could be beneficial for radiotherapy.

We can refer to electrons in non-conducting materials as ‘sluggish’. Typically, they remain fixed in a location, deep inside an atomic composite. It is hence...

Im Focus: Hauchdünne magnetische Materialien für zukünftige Quantentechnologien entwickelt

Zweidimensionale magnetische Strukturen gelten als vielversprechendes Material für neuartige Datenspeicher, da sich die magnetischen Eigenschaften einzelner Molekülen untersuchen und verändern lassen. Forscher haben nun erstmals einen hauchdünnen Ferrimagneten hergestellt, bei dem sich Moleküle mit verschiedenen magnetischen Zentren auf einer Goldfläche selbst zu einem Schachbrettmuster anordnen. Dies berichten Wissenschaftler des Swiss Nanoscience Institutes der Universität Basel und des Paul Scherrer Institutes in der Wissenschaftszeitschrift «Nature Communications».

Ferrimagneten besitzen zwei magnetische Zentren, deren Magnetismus verschieden stark ist und in entgegengesetzte Richtungen zeigt. Zweidimensionale, quasi...

Im Focus: Neuer Ionisationsweg in molekularem Wasserstoff identifiziert

„Wackelndes“ Molekül schüttelt Elektron ab

Wie reagiert molekularer Wasserstoff auf Beschuss mit intensiven ultrakurzen Laserpulsen? Forscher am Heidelberger MPI für Kernphysik haben neben bekannten...

Im Focus: Wafer-thin Magnetic Materials Developed for Future Quantum Technologies

Two-dimensional magnetic structures are regarded as a promising material for new types of data storage, since the magnetic properties of individual molecular building blocks can be investigated and modified. For the first time, researchers have now produced a wafer-thin ferrimagnet, in which molecules with different magnetic centers arrange themselves on a gold surface to form a checkerboard pattern. Scientists at the Swiss Nanoscience Institute at the University of Basel and the Paul Scherrer Institute published their findings in the journal Nature Communications.

Ferrimagnets are composed of two centers which are magnetized at different strengths and point in opposing directions. Two-dimensional, quasi-flat ferrimagnets...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungen

Aachener Werkzeugmaschinen-Kolloquium 2017: Internet of Production für agile Unternehmen

23.05.2017 | Veranstaltungen

14. Dortmunder MST-Konferenz zeigt individualisierte Gesundheitslösungen mit Mikro- und Nanotechnik

22.05.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Medikamente aus der CLOUD: Neuer Standard für die Suche nach Wirkstoffkombinationen

23.05.2017 | Biowissenschaften Chemie

Diabetes Kongress 2017:„Closed Loop“-Systeme als künstliche Bauchspeicheldrüse ab 2018 Realität

23.05.2017 | Veranstaltungsnachrichten

CAST-Projekt setzt Dunkler Materie neue Grenzen

23.05.2017 | Physik Astronomie