Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Über 99 Prozent der tierischen Lebensmittel halten zulässige Rückstandsmengen ein

10.09.2008
Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit legt Jahresbericht 2007 zu Rückständen in Lebensmitteln tierischen Ursprungs vor

Fleisch, Milch und Honig enthalten nur selten unzulässige Rückstandsmengen aus Tierarzneimitteln, sonstigen pharmakologisch wirksamen Substanzen, Schwermetallen oder langlebigen Organochlorverbindungen. 2007 wies nicht einmal jede 400.

Probe tierischer Herkunft Rückstandsgehalte oberhalb der gesetzlichen Normen auf. Nach Abzug der Proben, in denen auch natürlicherweise im Tierkörper vorkommende Stoffe nachgewiesen wurden, war nur etwa jede 600. Probe zu beanstanden. Zu diesem Ergebnis kommt der "Jahresbericht 2007 zum Nationalen Rückstandskontrollplan für Lebensmittel tierischen Ursprungs", den das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit heute in Berlin vorgestellt hat.

Im Jahr 2007 wurden in Deutschland 430.450 Untersuchungen an 50.506 Proben von Tieren oder tierischen Erzeugnissen durchgeführt. Weiterhin wurden fast 250.000 Tiere mittels eines Schnelltests auf antibakteriell wirksame Stoffe untersucht. Insgesamt wurde auf 660 Stoffe geprüft. Bei den Untersuchungen werden sowohl unverarbeitete tierische Lebensmittel wie auch Proben lebender Tiere analysiert. Die im Rahmen des Nationalen Rückstandskontrollplans von den Bundesländern erhobenen Daten werden vom BVL ausgewertet und für die Berichterstattung an die Europäische Kommission zusammengestellt.

RINDER, SCHWEINE
Die Belastung von Rindern und Schweinen mit unzulässigen Rückstandsmengen lag bei 0,3 %. In 57 Fällen wurden bei beiden Tierarten Stoffe mit hormoneller Wirkung gefunden. Die Anwendung dieser zum Teil auch natürlicherweise im Tier vorkommenden oder über Schimmelpilze im Futtermittel in das Tier gelangenden Stoffe ist verboten. Hinweise auf eine illegale Behandlung waren allerdings in keinem Fall zu finden.

Das seit 1994 in der Tierhaltung verbotene Antibiotikum Chloramphenicol wurde in 0,06 Prozent der Rinderproben (2 von 3.382 Proben) nachgewiesen. Außerdem gab es Einzelbefunde bei den nicht zugelassenen entzündungshemmenden Stoffen Phenylbutazon und Flunixin sowie Acepromazin, einem Beruhigungsmittel, und Lasalocid, einem Antiparasitikum.

Bei ca. jeder 1.000. Probe waren die zulässigen Höchstgehalte von Antibiotika überschritten. Über 10.000 Proben wurden mit spezifischen Analysemethoden untersucht. Bei den mittels Dreiplatten-Schnelltest auf diese Stoffgruppe untersuchten Proben waren 0,16 Prozent (395 von 244.286 Proben) positiv. Bei einem Schwein wurde der zulässige Höchstgehalt des Beruhigungsmittels Azaperon überschritten.

Auf Kontaminanten wurden 31 von insgesamt 4.287 untersuchten Proben (0,7 %) positiv getestet. In 23 Nieren und einer Leberprobe von insgesamt 775 Proben (3,1 %) wurde Quecksilber oberhalb der seit 2005 festgelegten Höchstmenge gefunden. Außerdem wurden einmal Blei, sechsmal Cadmium und einmal Dioxine nachgewiesen.

GEFLÜGEL
0,05 % von den insgesamt 6.250 getesteten Geflügelproben waren mit Rückständen in unzulässiger Höhe belastet. In einer von 130 Putenproben wurde Diclazuril, ein Mittel gegen Parasiten (Kokzidien) in Fleisch und Leber nachgewiesen. Außerdem wurde in einer von 242 Proben in der Leber Enrofloxacin und in einer von 192 Proben im Fleisch Doxycyclin gefunden. Beide Stoffe besitzen eine antibakterielle Wirkung.
SCHAFE, PFERDE, KANINCHEN, WILD
536 Proben von Schafen, 90 Proben von Pferden, 12 Proben von Kaninchen und 213 Wildproben wurden untersucht. Bei Schafen wurde in einem Fall infolge einer Futtermittelkontamination Taleranol im Urin ermittelt. Bei sechs von 31 auf Schwermetalle untersuchten Schafproben (19,35 %) wurden Rückstände oberhalb der zulässigen Höchstgehalte insbesondere bei Cadmium (5x) und Quecksilber (2x) festgestellt. Bei Pferden war infolge einer Futtermittelkontamination Zeranol zu finden, in einer Probe war der zulässige Höchstgehalt von Cadmium überschritten. Bei Kaninchen und Zuchtwild konnten keine unzulässigen Rückstände festgestellt werden. Drei Proben von Wildschweinen aus freier Wildbahn waren mit den Kontaminanten Lindan und/oder alpha- und/oder beta-HCH oberhalb der zulässigen Höchstgehalte belastet.
AQUAKULTUREN
2007 wurden 539 Proben, meist Forellen und Karpfen, getestet. In einer Probe war das verbotene antibakteriell wirksame Chloramphenicol nachweisbar. Relativ häufig werden immer noch Rückstände von Malachitgrün, einem zur Anwendung bei Fischen verbotenen Teichdesinfektionsmittel, analysiert. 11 von 219 Forellenproben (5,0 %) und eine von 142 Karpfenproben (0,7 %) waren positiv. Der fortdauernde Nachweis von Malachitgrün hat dazu geführt, dass seit 2004 Fische aus der Aquakultur verstärkt auf Malachitgrün getestet werden.
MILCH, EIER, HONIG
2007 betrug der Probenumfang 1.970 Milchproben, 737 Hühnereierproben und 173 Honigproben. Bei Milch wurde in einer Probe der Höchstgehalt für das Antibiotikum Benzylpenicillin überschritten und in je einer Probe der Entzündungshemmer Phenylbutazon und das Anthelminthikum Doramectin nachgewiesen. Phenylbutazon besitzt keine Zulassung für die Anwendung bei Tieren, die der Lebensmittelgewinnung dienen. Doramectin darf nicht bei Tieren angewandt werden, deren Milch für den menschlichen Verzehr bestimmt ist.

In einer Honigprobe wurde das antibakteriell wirkende Sulfathiazol und in einer anderen Probe N,N-Diethyl-m-toluamid (DEET), ein Insektenabwehrmittel, ermittelt. Mit 1,36 % positiven Proben wurden Eier etwas häufiger beanstandet als andere tierische Erzeugnisse. In vier Proben wurden die gegen Darmparasiten wirksamen Stoffe Lasalocid und in einer Nicarbazin gefunden. Dioxinrückstände wurden in allen 104 untersuchten Eierproben nachgewiesen, in vier davon oberhalb des zulässigen Höchstgehaltes.

Das Bundesinstitut für Risikobewertung kommt in der gesundheitlichen Bewertung der Ergebnisse zu dem Schuss, dass vom einmaligen oder gelegentlichen Verzehr der Lebensmittel mit positiven Rückstandsbefunden kein unmittelbares Risiko für den Verbraucher ausgeht.

HINTERGRUNDINFORMATIONEN
Die Beanstandung von Lebensmitteln, die unerlaubte Rückstände pharmakologisch wirksamer Stoffe enthalten, erfolgt nach gemeinschaftsrechtlichen Vorgaben in Verbindung mit nationalen Rechtsvorschriften. Für die Kontrollen sind die Bundesländer verantwortlich. Die Lebensmittel- und Veterinärüberwachung überprüft vor Ort im Schlachthof, in landwirtschaftlichen Betrieben, im Tierbestand und kontrolliert auch die betrieblichen Aufzeichnungen. Die Probenzahlen richten sich nach den Schlacht- bzw. Produktionszahlen. Neben Fleisch, Fett, Organen, Urin, Blut und Kot können Proben auch von Futter und Wasser genommen werden. Der Nachweis verbotener Stoffe führt im Regelfall zur Sperrung des Betriebes bzw. dazu, dass Tiere nicht mehr transportiert oder an andere Betriebe abgegeben werden dürfen. Betriebe, die gegen das bestehende Recht verstoßen haben, stehen für einen bestimmten Zeitraum unter verstärkter Kontrolle. Je nach Schwere des Verstoßes werden Straf- bzw. Ordnungswidrigkeitenverfahren eingeleitet.

Der Nationale Rückstandskontrollplan ist ein EU-weit nach einheitlichen Maßstäben durchgeführtes Programm zur Untersuchung von Lebensmittel liefernden Tieren und tierischen Erzeugnissen. In Deutschland legt das BVL zusammen mit den Bundesländern den Plan fest, sammelt die Ergebnisse, wertet diese aus und übermittelt sie an die EU-Kommission.

Jochen Heimberg | idw
Weitere Informationen:
http://www.bvl.bund.de/
http://www.bvl.bund.de/nrkp -

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht „Antilopen-Parfüm“ hält Fliegen von Kühen fern
20.10.2017 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

nachricht Agritechnica: Silber für neue Technologie zur Blütenausdünnung im Obstbau
16.10.2017 | Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Hochfeldmagnet am BER II: Einblick in eine versteckte Ordnung

Seit dreißig Jahren gibt eine bestimmte Uranverbindung der Forschung Rätsel auf. Obwohl die Kristallstruktur einfach ist, versteht niemand, was beim Abkühlen unter eine bestimmte Temperatur genau passiert. Offenbar entsteht eine so genannte „versteckte Ordnung“, deren Natur völlig unklar ist. Nun haben Physiker erstmals diese versteckte Ordnung näher charakterisiert und auf mikroskopischer Skala untersucht. Dazu nutzten sie den Hochfeldmagneten am HZB, der Neutronenexperimente unter extrem hohen magnetischen Feldern ermöglicht.

Kristalle aus den Elementen Uran, Ruthenium, Rhodium und Silizium haben eine geometrisch einfache Struktur und sollten keine Geheimnisse mehr bergen. Doch das...

Im Focus: Schmetterlingsflügel inspiriert Photovoltaik: Absorption lässt sich um bis zu 200 Prozent steigern

Sonnenlicht, das von Solarzellen reflektiert wird, geht als ungenutzte Energie verloren. Die Flügel des Schmetterlings „Gewöhnliche Rose“ (Pachliopta aristolochiae) zeichnen sich durch Nanostrukturen aus, kleinste Löcher, die Licht über ein breites Spektrum deutlich besser absorbieren als glatte Oberflächen. Forschern am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) ist es nun gelungen, diese Nanostrukturen auf Solarzellen zu übertragen und deren Licht-Absorptionsrate so um bis zu 200 Prozent zu steigern. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler nun im Fachmagazin Science Advances. DOI: 10.1126/sciadv.1700232

„Der von uns untersuchte Schmetterling hat eine augenscheinliche Besonderheit: Er ist extrem dunkelschwarz. Das liegt daran, dass er für eine optimale...

Im Focus: Schnelle individualisierte Therapiewahl durch Sortierung von Biomolekülen und Zellen mit Licht

Im Blut zirkulierende Biomoleküle und Zellen sind Träger diagnostischer Information, deren Analyse hochwirksame, individuelle Therapien ermöglichen. Um diese Information zu erschließen, haben Wissenschaftler des Fraunhofer-Instituts für Lasertechnik ILT ein Mikrochip-basiertes Diagnosegerät entwickelt: Der »AnaLighter« analysiert und sortiert klinisch relevante Biomoleküle und Zellen in einer Blutprobe mit Licht. Dadurch können Frühdiagnosen beispielsweise von Tumor- sowie Herz-Kreislauf-Erkrankungen gestellt und patientenindividuelle Therapien eingeleitet werden. Experten des Fraunhofer ILT stellen diese Technologie vom 13.–16. November auf der COMPAMED 2017 in Düsseldorf vor.

Der »AnaLighter« ist ein kompaktes Diagnosegerät zum Sortieren von Zellen und Biomolekülen. Sein technologischer Kern basiert auf einem optisch schaltbaren...

Im Focus: Neue Möglichkeiten für die Immuntherapie beim Lungenkrebs entdeckt

Eine gemeinsame Studie der Universität Bern und des Inselspitals Bern zeigt, dass spezielle Bindegewebszellen, die in normalen Blutgefässen die Wände abdichten, bei Lungenkrebs nicht mehr richtig funktionieren. Zusätzlich unterdrücken sie die immunologische Bekämpfung des Tumors. Die Resultate legen nahe, dass diese Zellen ein neues Ziel für die Immuntherapie gegen Lungenkarzinome sein könnten.

Lungenkarzinome sind die häufigste Krebsform weltweit. Jährlich werden 1.8 Millionen Neudiagnosen gestellt; und 2016 starben 1.6 Millionen Menschen an der...

Im Focus: Sicheres Bezahlen ohne Datenspur

Ob als Smartphone-App für die Fahrkarte im Nahverkehr, als Geldwertkarten für das Schwimmbad oder in Form einer Bonuskarte für den Supermarkt: Für viele gehören „elektronische Geldbörsen“ längst zum Alltag. Doch vielen Kunden ist nicht klar, dass sie mit der Nutzung dieser Angebote weitestgehend auf ihre Privatsphäre verzichten. Am Karlsruher Institut für Technologie (KIT) entsteht ein sicheres und anonymes System, das gleichzeitig Alltagstauglichkeit verspricht. Es wird nun auf der Konferenz ACM CCS 2017 in den USA vorgestellt.

Es ist vor allem das fehlende Problembewusstsein, das den Informatiker Andy Rupp von der Arbeitsgruppe „Kryptographie und Sicherheit“ am KIT immer wieder...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Das Immunsystem in Extremsituationen

19.10.2017 | Veranstaltungen

Die jungen forschungsstarken Unis Europas tagen in Ulm - YERUN Tagung in Ulm

19.10.2017 | Veranstaltungen

Bauphysiktagung der TU Kaiserslautern befasst sich mit energieeffizienten Gebäuden

19.10.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Forscher finden Hinweise auf verknotete Chromosomen im Erbgut

20.10.2017 | Biowissenschaften Chemie

Saugmaschinen machen Waschwässer von Binnenschiffen sauberer

20.10.2017 | Ökologie Umwelt- Naturschutz

Strukturbiologieforschung in Berlin: DFG bewilligt Mittel für neue Hochleistungsmikroskope

20.10.2017 | Förderungen Preise