Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

1,7 Millionen Euro für das größte Waldweideprojekt in Deutschland

03.05.2011
Das Bundesamt für Naturschutz (BfN), die Stadt Berlin, die Stiftung NaturschutzFonds Brandenburg und der Landkreis Barnim haben heute gemeinsam das Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben (E+E) „Rieselfeldlandschaft Hobrechtsfelde“ gestartet.
Ziel ist es, die ehemalige Rieselfeldlandschaft im Naturpark Barnim in die größte beweidete, parkartige Waldlandschaft Deutschlands zu verwandeln.

1,7 Millionen Euro für das größte Waldweideprojekt in Deutschland

Das Vorhaben soll dazu beitragen, in Zeiten ausgeräumter und monotoner Landschaften artenreiche und attraktive Kulturlandschaften zu entwickeln. Eine besondere Herausforderung stellt dabei die Etablierung einer sinnvollen Nachnutzung für die ehemaligen Rieselfelder im Norden von Berlin dar. Nachdem zu DDR-Zeiten eine rasche Aufforstung von nur wenig Erfolg gekrönt war, bietet sich nun die Chance der Entwicklung einer vielgestaltigen Landschaft mit vielfältigen Perspektiven für die Natur und die Erholung suchenden Menschen. Aus einem ursprünglich stark übernutzten Landschaftsraum, der ausschließlich der Abwasserbeseitigung diente, soll sich ein multifunktionaler Lebensraum entwickeln. Auf 850 Hektar Waldflächen der Berliner Forsten sollen künftig Konik Wildpferde und Robustrinder eine halboffene Waldlandschaft vor den Toren der Bundeshauptstadt Berlin pflegen. „Das Besondere daran ist, dass erstmals eine großflächige Beweidung von Waldflächen stattfinden soll, die in der klassischen Waldbewirtschaftung heute so nicht vorgesehen ist, früher aber in durchaus weiten Teilen Deutschlands einmal das Landschaftsbild geprägt hat. Hier sollen sich in Zukunft seltene Arten wie Neuntöter, Heidelerche und Wendehals dauerhaft zu Hause fühlen und Besucher eine arten- und erlebnisreiche Erholungslandschaft mit S-Bahnanschluss vorfinden“, erklärt die Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, Prof. Dr. Beate Jessel.

Mit dem heute übergebenen Zuwendungsbescheid an den Projektträger, den Förderverein Naturpark Barnim e.V., beteiligt sich der Bund in den kommenden vier Jahren mit 1,7 Millionen Euro an dem insgesamt knapp 2,9 Millionen Euro umfassenden Modellprojekt. Daneben leisten der Förderverein selbst, die Berliner Forsten, der NaturschutzFonds Brandenburg und der Landkreis Barnim weitere wichtige Förderbeiträge.

Aufgrund der strikten Trennung von Wald und Offenland in unserer heutigen Kulturlandschaft sind viele Tier- und Pflanzenarten der Übergangszonen zwischen Wald und Offenland stark gefährdet. Früher fanden solche Arten bevorzugt in sogenannten Hudewäldern geeignete Lebensräume. Diese beweideten Wälder sind heute in Deutschland extrem selten geworden.

Damit leistet das Vorhaben einen wichtigen Beitrag zum Erhalt der biologischen Vielfalt und trägt zur Umsetzung der nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt bei.

„Das Projekt wird gleichermaßen den Zielen des Naturschutzes dienen, der forstlichen Bewirtschaftung eine Perspektive bieten und im Nahbereich der Großstadt Berlin eine abwechslungsreiche Erholungsmöglichkeit für die Bevölkerung bereitstellen“, charakterisiert Bernd Hoffmann, Vorsitzender des Fördervereins Naturpark Barnim e.V., den Projektansatz.

Hintergrundinformationen

Das Projektgebiet des Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben (E+E) „Rieselfeldlandschaft Hobrechtsfelde“ befindet sich am nördlichen Stadtrand von Berlin auf Berliner und Brandenburger Flächen rund um das ehemalige Berliner Stadtgut, dem jetzigem denkmalgeschützten dörflichen Wohnort Hobrechtsfelde. Es ist Teil des 75.000 ha großen länderübergreifenden Naturparks Barnim.

Ziel des Projektes ist es, durch extensive Beweidung einen in Deutschland heutzutage extrem seltenen Landschaftstyp, die halboffene Waldlandschaft, zu entwickeln.
Die aus einem Suchraum von 4.000 ha ausgewählte Beweidungskulisse umfasst zehn Einzelflächen und ca. 850 ha aus einem Mosaik von Hochwaldflächen, halboffenen Waldflächen, offene Wiesenflächen, Hochstaudenfluren, Feuchtgebieten sowie Trockenstandorten. Eingesetzt werden vor allem robuste Rinderrassen (Highlands und Galloways) mit einer Besatzdichte von etwa 0,2 Großvieheinheiten (GVE) pro Hektar sowie Wildpferde.

Grundsätzlich soll das Projekt die Walderhaltung sichern. Die Bedeutung der Waldweide u.a. als forstwirtschaftliches Instrument der Weiterentwicklung von forstlichen Sonderstandorten in eine halboffene Waldlandschaft soll erprobt werden. Im Fokus der Untersuchung stehen sowohl Naturschutzzielsetzungen (Lebensraumvielfalt, landschaftliche Diversität, ausgedehnte Übergangsstadien zwischen Gehölzstrukturen und Offenlandschaft, Schaffung von Pionierstandorten) als auch forstwirtschaftliche Ziele wie die Förderung von Zielbaumarten und das Zurückdrängen von Neophyten (Pflanzenarten, die ursprünglich nicht in Deutschland vorkamen). Dabei sind besonderen Standortbedingungen (Boden, Hydrologie, Schwermetalle), die sich aus der ehemaligen Rieselfeldnutzung ergebenden, zu berücksichtigen.

Die vom Bund geförderten Erprobungs- und Entwicklungsvorhaben haben den Charakter von Modellvorhaben. Ziel in solchen Vorhaben ist es, neuartige Konzepte oder Verfahren im Naturschutz beispielhaft in der Praxis zu erproben. Hierdurch sollen Erkenntnissen gewonnen werden, die über das konkrete Vorhaben vor Ort hinaus naturschutzfachlich bzw. naturschutzpolitisch von Bedeutung sind.
Wissenschaftliche Begleitung: Der Erfolg der im Rahmen des Projektes vorgesehenen Maßnahmen wird im Rahmen von begleitenden wissenschaftlichen Untersuchungen evaluiert werden. Überprüft wird die ökologische und ökonomische Nachhaltigkeit von extensiven Beweidungsformen auf halboffenen Waldstandorten. Beurteilt wird deren Bedeutung für den Naturschutz, die Waldentwicklung und die Erholungsnutzung. Die Hochschule für Nachhaltige Entwicklung (HNE) Eberswalde hat beim Bundesamt für Naturschutz einen entsprechenden Förderantrag auf Durchführung und Koordination der wissenschaftlichen Begleituntersuchung gestellt.
Neuartigkeit: Beweidungsprojekte im kleineren Maßstab werden bereits an verschiedenen Orten im Bundesgebiet durchgeführt. Die Neuartigkeit des E+E-Vorhabens Rieselfeldlandschaft Hobrechtsfelde besteht neben der Größe der Fläche in der vergleichenden Beweidung von Flächen mit sehr unterschiedlichem Charakter in Bezug auf Bewuchs, Bestockung, Nährstoff- und Wasserversorgung. Zum anderen stellt die Beweidung von Waldflächen eine Neuartigkeit dar, die in der klassischen Waldbewirtschaftung nicht vorgesehen und in der Regel bisher nicht gewünscht ist. Insofern gehen die Berliner und Brandenburger Forstverwaltungen mit dem Instrument der Beweidung ein Experiment ein, im Rahmen dieses Projektes Waldflächen zu entwickeln, die nicht den Charakter eines klassischen Hochwaldes haben, sondern eine Mischung aus landwirtschaftlicher Fläche und Waldfläche darstellen: die halboffene Waldlandschaft. Neuartig ist auch die intensive Verzahnung von Erholungsnutzung und extensiver Waldweide. Erprobt werden soll in großem Umfang die Möglichkeit, Besucher auch direkt über Weideflächen zu führen.

Zu den Projektpartnern zählen neben den Berliner Forsten, dem Landesumweltamt Brandenburg (LUGV) mit dem Naturpark Barnim und der Agrar GmbH Hobrechtsfelde die Senatsverwaltung Berlin, die Berliner Stadtgüter GmbH, der Landkreis Barnim, der Berliner Bezirk Pankow, die Gemeinden Wandlitz und Panketal, die Stadt Bernau, Berliner und Brandenburger Naturschutzverbände, die Wohnungsbaugenossenschaft Brehmer Höhe, Berliner und Brandenburger Hochschulen sowie Fachleute für umweltbezogene Planungen und regionale Tourismusanbieter. Alle haben eine hohe Erwartungshaltung an die Impulswirkung des Vorhabens.

Zur Finanzierung: Das Bundesamt für Naturschutz stellt für dieses Vorhaben in den nächsten 4 Jahren insgesamt rund 1.7 Millionen Euro aus Mitteln des Bundesumweltministeriums zur Verfügung. Weitere Förderer sind die Stadt Berlin mit etwas mehr als 700.000 Euro, die Stiftung NaturSchutzFonds Brandenburg mit 300.000 Euro und der Landkreis Barnim mit 50.000 Euro. Der Förderverein Naturpark Barnim e. V. wird Eigenmittel in Höhe von 120.000 € in das Vorhaben einbringen.

Ausblick: Mit dem E+E-Vorhaben Rieselfeldlandschaft Hobrechtsfelde soll ein ganzheitlicher Ansatz entwickelt und erprobt werden, der zu einer langfristig wirkenden, ökologisch und ökonomisch sowie sozial vertretbaren Nutzung des Gebietes der ehemaligen Rieselfeldlandschaft Hobrechtsfelde führen soll. Instrumente dafür sind die Beweidung und die Verbesserung bzw. Stabilisierung des Landschaftswasserhaushaltes. Das Projekt wird die Entwicklung in den angrenzenden Berliner und Brandenburger Siedlungsgebiete stützen und eine Verzahnung der Landschaftsräume und Wälder des Naturparks Barnims an dieser Nahtstelle erreichen. Der Landschaftsraum um Hobrechtsfelde wird ein eindrucksvolles Naturerlebnis- und Erholungsgebiet an der Peripherie der Metropole Berlin werden.

Franz August Emde | idw
Weitere Informationen:
http://www.bfn.de

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Klimawandel – die Tanne sticht Fichte und Buche aus
10.08.2017 | Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL

nachricht Feuerbrand bekämpfen und Salmonellen nachweisen
14.06.2017 | Eidgenössische Technische Hochschule Zürich (ETH Zürich)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Wissenschaftler entdecken seltene Ordnung von Elektronen in einem supraleitenden Kristall

In einem Artikel der aktuellen Ausgabe des Forschungsmagazins „Nature“ berichten Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Chemische Physik fester Stoffe in Dresden von der Entdeckung eines seltenen Materiezustandes, bei dem sich die Elektronen in einem Kristall gemeinsam in einer Richtung bewegen. Diese Entdeckung berührt eine der offenen Fragestellungen im Bereich der Festkörperphysik: Was passiert, wenn sich Elektronen gemeinsam im Kollektiv verhalten, in sogenannten „stark korrelierten Elektronensystemen“, und wie „einigen sich“ die Elektronen auf ein gemeinsames Verhalten?

In den meisten Metallen beeinflussen sich Elektronen gegenseitig nur wenig und leiten Wärme und elektrischen Strom weitgehend unabhängig voneinander durch das...

Im Focus: Wie ein Bakterium von Methanol leben kann

Bei einem Bakterium, das Methanol als Nährstoff nutzen kann, identifizierten ETH-Forscher alle dafür benötigten Gene. Die Erkenntnis hilft, diesen Rohstoff für die Biotechnologie besser nutzbar zu machen.

Viele Chemiker erforschen derzeit, wie man aus den kleinen Kohlenstoffverbindungen Methan und Methanol grössere Moleküle herstellt. Denn Methan kommt auf der...

Im Focus: Topologische Quantenzustände einfach aufspüren

Durch gezieltes Aufheizen von Quantenmaterie können exotische Materiezustände aufgespürt werden. Zu diesem überraschenden Ergebnis kommen Theoretische Physiker um Nathan Goldman (Brüssel) und Peter Zoller (Innsbruck) in einer aktuellen Arbeit im Fachmagazin Science Advances. Sie liefern damit ein universell einsetzbares Werkzeug für die Suche nach topologischen Quantenzuständen.

In der Physik existieren gewisse Größen nur als ganzzahlige Vielfache elementarer und unteilbarer Bestandteile. Wie das antike Konzept des Atoms bezeugt, ist...

Im Focus: Unterwasserroboter soll nach einem Jahr in der arktischen Tiefsee auftauchen

Am Dienstag, den 22. August wird das Forschungsschiff Polarstern im norwegischen Tromsø zu einer besonderen Expedition in die Arktis starten: Der autonome Unterwasserroboter TRAMPER soll nach einem Jahr Einsatzzeit am arktischen Tiefseeboden auftauchen. Dieses Gerät und weitere robotische Systeme, die Tiefsee- und Weltraumforscher im Rahmen der Helmholtz-Allianz ROBEX gemeinsam entwickelt haben, werden nun knapp drei Wochen lang unter Realbedingungen getestet. ROBEX hat das Ziel, neue Technologien für die Erkundung schwer erreichbarer Gebiete mit extremen Umweltbedingungen zu entwickeln.

„Auftauchen wird der TRAMPER“, sagt Dr. Frank Wenzhöfer vom Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) selbstbewusst. Der...

Im Focus: Mit Barcodes der Zellentwicklung auf der Spur

Darüber, wie sich Blutzellen entwickeln, existieren verschiedene Auffassungen – sie basieren jedoch fast ausschließlich auf Experimenten, die lediglich Momentaufnahmen widerspiegeln. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums stellen nun im Fachjournal Nature eine neue Technik vor, mit der sich das Geschehen dynamisch erfassen lässt: Mithilfe eines „Zufallsgenerators“ versehen sie Blutstammzellen mit genetischen Barcodes und können so verfolgen, welche Zelltypen aus der Stammzelle hervorgehen. Diese Technik erlaubt künftig völlig neue Einblicke in die Entwicklung unterschiedlicher Gewebe sowie in die Krebsentstehung.

Wie entsteht die Vielzahl verschiedener Zelltypen im Blut? Diese Frage beschäftigt Wissenschaftler schon lange. Nach der klassischen Vorstellung fächern sich...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

International führende Informatiker in Paderborn

21.08.2017 | Veranstaltungen

Wissenschaftliche Grundlagen für eine erfolgreiche Klimapolitik

21.08.2017 | Veranstaltungen

DGI-Forum in Wittenberg: Fake News und Stimmungsmache im Netz

21.08.2017 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Fraunhofer IPM präsentiert »Deep Learning Framework« zur automatisierten Interpretation von 3D-Daten

22.08.2017 | Informationstechnologie

Globale Klimaextreme nach Vulkanausbrüchen

22.08.2017 | Geowissenschaften

RWI/ISL-Containerumschlag-Index erreicht neuen Höchstwert

22.08.2017 | Wirtschaft Finanzen