Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Antistress-Programm für Atome

14.10.2004


Forscher der Universität Frankfurt zeigen, dass Atome überschüssige Energie an andere Atome weitergeben können

... mehr zu:
»Elektron »Kernphysik »Neonatom

Atome können Stress an andere Atome weitergeben. Im Vergleich zu Atomen, die ihr Dasein alleine fristen, haben Atome, die in einer Flüssigkeit oder einem Cluster vorkommen, einen gleichermaßen effizienten wie erstaunlichen Weg entwickelt, überschüssige Energie los zu werden: Sie reichen diese einfach an ihren Nachbarn weiter. Dies belegen Experimente, die kürzlich eine von der Gruppe um Prof. Dr. Reinhard Dörner, Institut für Kernphysik der Universität Frankfurt, geführte Forscherkollaboration am Bessy Synchrotron (www.bessy.de) in Berlin herausgefunden hat.

Bereits 1997 hatte ein Forscherteam der Universität Heidelberg diesen Mechanismus postuliert (Cederbaum et al., Phys Rev. Lett, 15 Dec 1997), der nur dann auftritt, wenn Atome sich zu Gruppen zusammenschließen. Sobald ein angeregtes Teilchen sich in der Nähe von anderen Atomen befindet, führt der neuartige Abregungsmechanismus - in der Fachsprache als "Interatomic Coulombic Decay" bezeichnet - dazu, dass ein niederenergetisches Elektron von einem der Nachbaratome des ursprünglich angeregten Atoms emittiert wird.


Die Wissenschaftler zeigten dies im Rahmen der Doktorarbeit von Till Jahnke an einem Neon Dimer, einem Paar durch eine Van-der-Waals-Bindung schwach zusammengehaltener Neonatome. Wird ein Elektron eines der beiden Neonatome entfernt, so wird die so entstandene Vakanz durch ein anderes Elektron des gleichen Atoms aufgefüllt. Die hierbei freiwerdende Energie ist allerdings nicht ausreichend, um ein weiteres Elektron aus diesem Atom zu lösen. Stattdessen wird die Energie über eine Entfernung von mehr als sechs Atomradien an einen Nachbarn weitergeben. Dies führt dazu, dass dieser Nachbar eines seiner Elektronen emittiert.

Die Arbeit ist soeben in den Physical Review Letters (Volume 93, Issue 16 vom 13.10.2004), der weltweit angesehensten physikalischen Fachzeitschrift (Herausgeber: Amerikanische Physikalische Gesellschaft), erschienen.

Diese Entdeckung könnte weitreichende Konsequenzen auch für die Chemie und Biologie haben, da der Effekt in Systemen, in denen Wasserstoffbindungen vorherrschen, vermutlich oft auftritt. Außerdem könnte es sich dabei um eine wichtige, bisher unbekannte Quelle für Niederenergie-Elektronen handeln, die - wie kürzlich bekannt wurde- mitverantwortlich für das Auftreten von DNA-Schäden sind. (http://www.aip.org/pnu/2003/split/636-1.html)

Nähere Informationen: Prof. Dr. Reinhard Dörner, Institut für Kernphysik, Telefon: 069/798-24218, Fax: 069/798-24212, E-Mail: doerner@hsb.uni-frankfurt.de sowie Till Jahnke, Institut für Kernphysik, Telefon: 069/798-24275, Fax: 069/798-24218, E-Mail: jahnke@hsb.uni-frankfurt.de

Dr. Monika Mölders | idw
Weitere Informationen:
http://hsb.uni-frankfurt.de/photoncluster/icd.html

Weitere Berichte zu: Elektron Kernphysik Neonatom

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Physik Astronomie:

nachricht Leuchtender Zufall
26.09.2016 | Technische Universität Wien

nachricht Quantenboost für künstliche Intelligenz
26.09.2016 | Universität Innsbruck

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Physik Astronomie >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Quantenboost für künstliche Intelligenz

Intelligente Maschinen, die selbständig lernen, gelten als Zukunftstrend. Forscher der Universität Innsbruck und des Joint Quantum Institute in Maryland, USA, loten nun in der Fachzeitschrift Physical Review Letters aus, wie Quantentechnologien dabei helfen können, die Methoden des maschinellen Lernens weiter zu verbessern.

In selbstfahrenden Autos, IBM's Watson oder Google's AlphaGo sind Computerprogramme am Werk, die aus Erfahrungen lernen können. Solche Maschinen werden im Zuge...

Im Focus: Synthese-chemischer Meilenstein: Neues Ferrocenium-Molekül entdeckt

Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben zusammen mit Kollegen der Freien Universität Berlin ein neues Molekül entdeckt: Die Eisenverbindung in der seltenen Oxidationsstufe +4 gehört zu den Ferrocenen und ist äußerst schwierig zu synthetisieren.

Metallocene werden umgangssprachlich auch als Sandwichverbindungen bezeichnet. Sie bestehen aus zwei organischen ringförmigen Verbindungen, den...

Im Focus: Neue Entwicklungen in der Asphären-Messtechnik

Kompetenzzentrum Ultrapräzise Oberflächenbearbeitung (CC UPOB) lädt zum Expertentreffen im März 2017 ein

Ob in Weltraumteleskopen, deren Optiken trotz großer Abmessungen nanometergenau gefertigt sein müssen, in Handykameras oder in Endoskopen − Asphären kommen in...

Im Focus: Mit OLED Mikrodisplays in Datenbrillen zur verbesserten Mensch-Maschine-Interaktion

Das Fraunhofer-Institut für Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP arbeitet seit Jahren an verschiedenen Entwicklungen zu OLED-Mikrodisplays, die auf organischen Halbleitern basieren. Durch die Integration einer Bildsensorfunktion direkt im Mikrodisplay, lässt sich u.a. die Augenbewegung in Datenbrillen aufnehmen und zur Steuerung von Display-Inhalten nutzen. Das verbesserte Konzept wird erstmals auf der Augmented World Expo Europe (AWE), vom 18. – 19. Oktober 2016, in Berlin, Stand B25 vorgestellt.

„Augmented Reality“ (erweiterte Realität) und „Wearable Displays“ (tragbare Displays) sind Schlagworte, denen man mittlerweile fast täglich begegnet. Beide...

Im Focus: OLED microdisplays in data glasses for improved human-machine interaction

The Fraunhofer Institute for Organic Electronics, Electron Beam and Plasma Technology FEP has been developing various applications for OLED microdisplays based on organic semiconductors. By integrating the capabilities of an image sensor directly into the microdisplay, eye movements can be recorded by the smart glasses and utilized for guidance and control functions, as one example. The new design will be debuted at Augmented World Expo Europe (AWE) in Berlin at Booth B25, October 18th – 19th.

“Augmented-reality” and “wearables” have become terms we encounter almost daily. Both can make daily life a little simpler and provide valuable assistance for...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Von der Probe zum digitalen Modell - MikroskopieTrends ´16

26.09.2016 | Veranstaltungen

300 Experten diskutieren auf größter Entrepreneurship-Konferenz im deutschsprachigen Raum

26.09.2016 | Veranstaltungen

Idealer Ablauf für GMP-konforme Projekte

26.09.2016 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Phänotyp auf Knopfdruck

26.09.2016 | Biowissenschaften Chemie

Effiziente elektrische Antriebe: TU Graz startet Christian Doppler Labor

26.09.2016 | Maschinenbau

Methodenentwicklung an BESSY II: Automatische Auswertung beschleunigt die Suche nach neuen Wirkstoffen

26.09.2016 | Biowissenschaften Chemie