Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Projekt an der Uni Essen: Wie weit entwickeln sich embryonale Stammzellen von Primaten?

29.06.2001


Wissenschaftler der Universität Essen wollen herausfinden, ob sich aus den embryonalen Stammzellen von Affen wieder vollständige Embryonen entwickeln können. Bislang wird dies für nicht möglich gehalten. Zwar ist bekannt, dass aus embryonalen Stammzellen "embryoide Körper" wachsen können; sie sind aber keine Embryonen und können sich, so die Deutsche Forschungsgemeinschaft am 3. Mai dieses Jahres, auch nicht zu Embryonen weiter entwickeln. Am Institut für Anatomie des Essener Universitätsklinikums hält der Entwicklungsbiologe Professor Dr. Hans-Werner Denker diese Annahme für zumindest nicht ausreichend belegt. Denker will ein Experiment wiederholen, über das der in Madison, Wisconsin, tätige, hoch renommierte Stammzellexperte James A. Thomson bereits 1996 in der Fachzeitschrift "Biology of Reproduction" berichtet hatte. Es handelte sich um ein Experiment mit den Stammzellen von Weißbüscheläffchen.

In einer der Abbildungen zu Thomsons Aufsatz, die - wenn die bislang vertretene Auffassung von der "Nur-Pluripotenz" embryonaler Stammzellen zutreffend ist - lediglich eine aus embryonalen Stammzellen gezüchtete Zellmasse hätte zeigen dürfen, sieht Denker - wie Thomson selbst - etwas, das "einem frühen Embryo auf verblüffende Weise ähnlich sieht". Vergleichbare Embryo-Bildungen könnten geschehen, wenn humane embryonale Stammzellen im Labor gezüchtet werden, wie dies Arbeitsgruppen an den Universitäten Bonn und - nach jüngsten Meldungen - auch in Kiel - vorhaben. Dort soll mit exportierten humanen embryonalen Stammzellen experimentell gearbeitet werden. Dabei müsste aber - wie im Experiment bei Thomson - eventuell die Bildung ganzer Embryonenanlagen befürchtet werden.

Das deutsche Embryonenschutzgesetz verbietet kompromisslos die Erzeugung humaner embryonaler Stammzellen, nicht aber ihre Einfuhr, worauf sich die Wissenschaftler-Gruppen an den Universitätskliniken Bonn und Kiel stützen. Die von ihnen geplanten Experimente - das Bonner ist inzwischen durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft und durch die Ethikkommission der Universität genehmigt - dürften aber nicht stattfinden, sollten humane embryonale Stammzellen sich als totipotent erweisen. Denn die Nutzung totipotenter Zellen ist in Deutschland strikt untersagt.

Wie sich isolierte embryonale Stammzellen weiterentwickeln, hatten die Wissenschaftler zunächst in Versuchen mit Mäusen feststellen wollen. Die Experimente endeten mit dem Ergebnis, dass neue Embryonen nicht entstehen. Das lasse, meint Professor Denker, keine zuverlässigen Schlüsse auf die Entwicklung bei Primaten oder gar dem Menschen zu, denn bei ihnen verlaufe die frühe Embryonalentwicklung anders.

Auf der Abbildung, die Denker in der Veröffentlichung aus dem Jahre 1996 in Alarm versetzt hatte, waren statt einer Zellmasse denn auch Dottersack, Amnionhöhle, embryonale Membranen und Trophoblast zu erkennen und sogar ein sogenannter Primitivstreifen. Das ist die erste und wichtigste Symmetrieachse werdenden Lebens, die Voraussetzung für die Festsetzung eines Embryos im Muttergewebe. Thomson selbst beschreibt das so: "Dies entspricht ungefähr der Stufe der Primitiv-Streifenbildung im normalen Primatenembryo".

Thomsons Versuch hätte in anderen Arbeitsgruppen wiederholt und fortgesetzt werden müssen, um wirklich Aussagekraft zu erhalten. Das ist nach Denkers Erkenntnissen - er hat in allen wissenschaftlichen Datenbanken nach Hinweisen gesucht - offenbar nicht geschehen. Bereits seit zwei Jahren bemühte er sich deshalb selbst in Wisconsin um den Kauf von Zelllinien der Weißbüscheläffchen. Stattdessen beginnt er seine Arbeit notgedrungen mit Zellkulturen von Rhesusaffen: Die weltweit tätige Firma WiCell, bei der Denker eingekauft hatte, hat noch keine Ausfuhrgenehmigung für Zelllinien der Weißbüscheläffchen. Sie sollen nun später in Essen eintreffen.

Redaktion: Monika Rögge, Telefon (02 01) 1 83 - 20 85

... mehr zu:
»Embryo »Stammzelle

Weitere Informationen: Prof. Hans-Werner Denker, Telefon (02 01) 7 23 - 43 80

Monika Roegge | idw

Weitere Berichte zu: Embryo Stammzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Allergieforschung: Weltweit erstes automatisches Pollennetz in Bayern am Start
28.09.2016 | Helmholtz Zentrum München - Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt

nachricht Maßgeschneiderte Strategie gegen Glioblastome
26.09.2016 | Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: First-Ever 3D Printed Excavator Project Advances Large-Scale Additive Manufacturing R&D

Heavy construction machinery is the focus of Oak Ridge National Laboratory’s latest advance in additive manufacturing research. With industry partners and university students, ORNL researchers are designing and producing the world’s first 3D printed excavator, a prototype that will leverage large-scale AM technologies and explore the feasibility of printing with metal alloys.

Increasing the size and speed of metal-based 3D printing techniques, using low-cost alloys like steel and aluminum, could create new industrial applications...

Im Focus: Zielsichere Roboter im Mikromaßstab

Dank einer halbseitigen Beschichtung mit Kohlenstoff lassen sich Mikroschwimmer durch Licht antreiben und steuern

Manche Bakterien zieht es zum Licht, andere in die Dunkelheit. Den einen ermöglicht dieses phototaktische Verhalten, die Sonnenenergie möglichst effizient für...

Im Focus: Experimentalphysik - Protonenstrahlung nach explosiver Vorarbeit

LMU-Physiker haben mit Nanopartikeln und Laserlicht Protonenstrahlung produziert. Sie könnte künftig neue Wege in der Strahlungsmedizin eröffnen und bei der Tumorbekämpfung helfen.

Stark gebündeltes Licht entwickelt eine enorme Kraft. Ein Team um Professor Jörg Schreiber vom Lehrstuhl für Experimentalphysik - Medizinische Physik der LMU...

Im Focus: Der perfekte Sonnensturm

Ein geomagnetischer Sturm hat sich als Glücksfall für die Wissenschaft erwiesen. Jahrzehnte rätselte die Forschung, wie hoch energetische Partikel, die auf die Magnetosphäre der Erde treffen, wieder verschwinden. Jetzt hat Yuri Shprits vom Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ und der Universität Potsdam mit einem internationalen Team eine Erklärung gefunden: Entscheidend für den Verlust an Teilchen ist, wie schnell die Partikel sind. Shprits: „Das hilft uns auch, Prozesse auf der Sonne, auf anderen Planeten und sogar in fernen Galaxien zu verstehen.“ Er fügt hinzu: „Die Studie wird uns überdies helfen, das ‚Weltraumwetter‘ besser vorherzusagen und damit wertvolle Satelliten zu schützen.“

Ein geomagnetischer Sturm am 17. Januar 2013 hat sich als Glücksfall für die Wissenschaft erwiesen. Der Sonnensturm ermöglichte einzigartige Beobachtungen, die...

Im Focus: New welding process joins dissimilar sheets better

Friction stir welding is a still-young and thus often unfamiliar pressure welding process for joining flat components and semi-finished components made of light metals.
Scientists at the University of Stuttgart have now developed two new process variants that will considerably expand the areas of application for friction stir welding.
Technologie-Lizenz-Büro (TLB) GmbH supports the University of Stuttgart in patenting and marketing its innovations.

Friction stir welding is a still-young and thus often unfamiliar pressure welding process for joining flat components and semi-finished components made of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Smart Glasses Experience Day

30.09.2016 | Veranstaltungen

Einzug von Industrie 4.0 und Digitalisierung im Südwesten - Innovationstag der SmartFactoryKL

30.09.2016 | Veranstaltungen

"Physics of Cancer" - Forscher diskutieren über biomechanische Eigenschaften von Krebszellen

30.09.2016 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Smart Glasses Experience Day

30.09.2016 | Veranstaltungsnachrichten

Materialkompetenz für den Leichtbau: Fraunhofer IMWS präsentiert neue Lösungen auf der K-Messe

30.09.2016 | Messenachrichten

Vom Rollstuhl auf das Liegerad – Mit Funktioneller Elektrostimulation zum Cybathlon

30.09.2016 | Energie und Elektrotechnik