Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Hat das Immunsystem doch keine "Wächterzellen"?

03.12.2004


Heidelberger Wissenschaftler widersprechen grundlegender Arbeit in "Science" / Veröffentlichung in der aktuellen Ausgabe von "Blood"


Eine Veröffentlichung Heidelberger Wissenschaftler stellt eine wichtige Hypothese zur Immunabwehr in Frage: Danach besitzen Menschen keine natürlichen "IDO Dendritischen Zellen" - das sind spezifische Wächterzellen, die den menschlichen Körper vor unerwünschten Abwehrreaktionen gegen das eigene Gewebe bewahren.

Professor Dr. Peter Terness und Dipl. Biol. Jing-Jing Chuang vom Institut für Immunologie des Universitätsklinikums Heidelberg (Ärztlicher Direktor: Professor Dr. Gerhard Opelz) haben jetzt in der Online-Version der renommierten Fachzeitschrift "Blood" eine Untersuchung veröffentlicht, die die Existenz dieser speziellen Wächterzellen in Frage stellt. Sie widersprechen damit einer grundlegenden Entdeckung, die amerikanische Forscher des Medical College of Georgia im September 2002 in der Fachzeitschrift "Science" publiziert haben und die von großer Bedeutung für das Verständnis und die Behandlung vieler Krankheiten ist.


In dieser Arbeit wurde die Hypothese aufgestellt, dass so genannte "dendritische Zellen" des Immunsystems, die das Enzym Indolamin 2,3-Dioxygenase (IDO) produzieren, als Wächterzellen die Immunabwehr lähmen können. Dendritische Zellen sind in der Lage, dem Immunsystem Eiweißkörper zu präsentieren und bei der Entscheidung mitzuwirken, ob diese toleriert oder abgestoßen werden.

"Wächterzellen" sollen den Fetus im Mutterleib vor einer Abstoßung schützen

Auch der Fetus im Mutterleib benutzt - so eine frühere Veröffentlichung der amerikanischen Wissenschaftler - IDO-Zellen, um zu verhindern, dass er als fremdes Gewebe abgestoßen wird. Darüber hinaus fände man IDO-Zellen in vielen Organen des menschlichen Körpers wie Lunge und Darm, wo sie möglicherweise eine Schlüsselrolle bei der Verhinderung von Immunreaktionen gegen den eigenen Körper spielen würden. Diese Entdeckung wurde als Schlüsselergebnis für die Entwicklung neuer Wirkstoffe zur Unterdrückung der Immunabwehr und gegen so genannte Autoimmunerkrankungen, die den Körper zerstören, gewertet.

Die Heidelberger Wissenschaftler stellen nun die Existenz dieser Zellen im Menschen grundsätzlich in Frage. Im Labor produzierten sie dendritische Immunzellen mit denen von ihren amerikanischen Kollegen beschriebenen Merkmalen. Die Zellen waren nicht in der Lage, "spontan" das Enzym IDO zu produzieren. "Zwang" man sie dazu, so gelang es trotzdem nicht, mit ihrer Hilfe die Immunreaktion zu unterdrücken. Die Untersuchungen wurden an menschlichen Zellen durchgeführt. Ob es diese IDO-Zellen in der Maus gibt, welche Rolle sie in der Schwangerschaft spielen und ob andere Zellen dieser Art im menschlichen Körper vorhanden sind, wurde nicht analysiert.

"Wie es zu diesen abweichenden Ergebnissen kommen konnte, ist unklar", sagt Professor Terness. Dieses Beispiel zeige jedoch wieder: Die Natur gibt ihre Geheimnisse nicht so leicht preis. Und: "Entdeckungen, selbst wenn sie in namhaften Zeitschriften publiziert wurden, sollten stets kritisch hinterfragt werden."

Literatur:

Peter Terness, Jing-Jing Chuang, Thomas Bauer, Lucian Jiga, and Gerhard Opelz: Regulation of human auto- and alloreactive T cells by indoleamine 2,3-dioxygenase (IDO)-producing dendritic cells: too much ado about IDO? Blood First Edition Paper, prepublished online November 30, 2004; DOI 10.1182/blood-2004-06-2103

Munn DH, Sharma MD, Lee JR et al: Potential Regulatory Function of Human Dendritic Cells Expressing Indoleamine 2,3-Dioxygenase. Science, Vol 297, Issue 5588, 167-1870 , 13 September 2002

Ansprechpartner:

Professor Dr. Peter Terness
Telefon: 06221 / 56 5544
E-Mail: Peter_Terness@med.uni-heidelberg.de

Dr. Annette Tuffs | idw
Weitere Informationen:
http://www.med.uni-heidelberg.de/
http://www.med.uni-heidelberg.de/aktuelles/

Weitere Berichte zu: IDO IDO-Zelle Immunabwehr Immunsystem Wächterzelle

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Erkältungsviren haben ihren Ursprung in Kamelen – genau wie MERS
16.08.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

nachricht Europaweit neue OP: Offenen Rücken schon während der Schwangerschaft erfolgreich behandelt
12.08.2016 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Flexibel statt starr

Gezielter und effizienter Transport zellulärer Frachten durch physikalischen Mechanismus

Damit Zellen richtig funktionieren können, müssen Frachten innerhalb der Zelle ständig von einem Ort zum anderen transportiert werden, wobei es ähnlich zugeht...

Im Focus: Elektronen am Tempolimit

Elektronische Bauteile werden seit Jahren immer schneller und machen damit leistungsfähige Computer und andere Technologien möglich. Wie schnell sich Elektronen mit elektrischen Feldern letztendlich kontrollieren lassen, haben jetzt Forscher an der ETH Zürich untersucht. Ihre Erkenntnisse sind wichtig für die Petahertz-Elektronik der Zukunft.

Geschwindigkeit mag keine Hexerei sein, doch sie ist die Grundlage für Technologien, die nicht selten wie Magie anmuten. Moderne Computer etwa sind so...

Im Focus: Forscher beobachten, wie Chaperone defekte Proteine erkennen

Proteine, auch Eiweiße genannt, erfüllen in unserem Körper lebenswichtige Funktionen: Sie transportieren Stoffe, bekämpfen Krankheitserreger oder fungieren als Katalysatoren. Damit diese Prozesse zuverlässig funktionieren, müssen die Proteine eine definierte dreidimensionale Struktur annehmen. Molekulare Faltungshelfer, die sogenannten Chaperone, kontrollieren den Strukturierungsprozess. Ein Forscherteam unter der Beteiligung der Technischen Universität München (TUM) konnte nun herausfinden, wie Chaperone besonders gefährliche Fehler in diesem Strukturierungsprozess erkennen. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin "Molecular Cell" veröffentlicht.

Chaperone sind sozusagen die TÜV-Prüfer der Zelle. Es handelt sich um Proteine, die wiederum andere Proteine auf Qualitätsmängel untersuchen, bevor diese die...

Im Focus: Mikroskopieren mit einzelnen Ionen

Neuartiges Ionenmikroskop nutzt einzelne Ionen, um Abbildungen mit einer Auflösung im Nanometerbereich zu erzeugen

Wissenschaftler um Georg Jacob von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz haben ein Ionenmikroskop entwickelt, das nur mit exakt einem Ion pro Bildpixel...

Im Focus: Streamlining accelerated computing for industry

PyFR code combines high accuracy with flexibility to resolve unsteady turbulence problems

Scientists and engineers striving to create the next machine-age marvel--whether it be a more aerodynamic rocket, a faster race car, or a higher-efficiency jet...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

VDE und IEEE veranstalten Weltkongress der Consumer-Elektronik auf der IFA

26.08.2016 | Veranstaltungen

IT-Sicherheit – Wettlauf gegen die Zeit

26.08.2016 | Veranstaltungen

Neue Ideen für die Schifffahrt

24.08.2016 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Geothermieforschung: Bund fördert Projekt am Drilling Simulator Celle mit 3,8 Millionen Euro

26.08.2016 | Förderungen Preise

VDE und IEEE veranstalten Weltkongress der Consumer-Elektronik auf der IFA

26.08.2016 | Veranstaltungsnachrichten

Körperwärme als Stromquelle

26.08.2016 | Materialwissenschaften