Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Akute Myeloische Leukämie: Neuer Wirkstoffträger könnte Chemotherapie verbessern

17.12.2012
Anthrazykline sind „Schlüsselbestandteile“ in der Behandlung der „Akuten Myeloischen Leukämie“ (AML), einer lebensbedrohlichen Blutkrebserkrankung.
Einer der wichtigsten Vertreter dieser Substanzklasse ist Doxorubicin (DOX). In enger Kooperation haben Wissenschaftler um Professorin Tanja Weil, Leiterin des Instituts für Organische Chemie III, Professor Christian Buske (Leiter Experimentelle Tumorforschung, Comprehensive Cancer Center Ulm/CCCU) und PD Dr. Michaela Feuring–Buske, Universitätsklinik für Innere Medizin III, ein neues Biopolymer als Transportsystem für die krebshemmenden Wirkstoffe entwickelt.

Bisher hilft die Chemotherapie mit Anthrazyklinen nicht allen AML-Patienten und löst womöglich starke Nebenwirkungen aus. Dank des neuen Trägers könnte die Wirkdosis der Anthrazykline an Leukämiezellen erhöht und so eine Chemotherapie-Resistenz durchbrochen werden. Durch die gezieltere Anwendung werden Nebenwirkungen an gesunden Zellen eventuell verringert. Ihre Erkenntnisse zu dem innovativen „Nano-Transportsystem“ haben die Wissenschaftler kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift „Advanced Healthcare Materials“ veröffentlicht.

Die AML ist eine Erkrankung des blutbildenden Systems, die vor allem ältere Menschen betrifft. Ohne Behandlung können Patienten innerhalb einiger Wochen sterben. Allerdings sprechen bis zu 80 Prozent der Betroffenen auf eine Anthrazyclin-basierte Erstbehandlung an. Als gefährliche Nebenwirkung attackiert das Krebsmittel auch gesunde Körperzellen – zum Beispiel im Herzmuskel. Infolgedessen leiden einige der ohnehin geschwächten Patienten an Herzrhythmusstörungen und –insuffizienzen.

Auf der Reise durch den Blutstrom verliert das Krebsmittel zudem an Wirksamkeit. Schuld ist eine rasche Verstoffwechselung. Einige Tumore entwickeln im Laufe der Chemotherapie sogar Resistenzen gegen Anthrazycline wie DOX oder sprechen gar nicht auf die Wirkstoffe an. „Einen vielseitig einsetzbaren Träger, der Wirkstoffe gezielt, mit einem hohen Therapieerfolg in Krebszellen transportiert und wenige Nebenwirkungen verursacht, gab es noch nicht“, begründen die Autoren ihre Forschungsmotivation.

Mit einem neuartigen Verfahren haben die Ulmer Forscher jetzt von menschlichen Proteinen abgeleitete Biopolymere als Wirkstoff-Träger hergestellt. Der Vorteil: Dank ihrer „Zwiebelstruktur“ können diese Transporter zahlreiche DOX-Moleküle aufnehmen und mit geringem Wirkverlust in Tumorzellen bringen. Am „Einsatzort“ werden die krebshemmenden Substanzen in zwei Stufen gezielt freigesetzt. Im Tiermodell verbuchen die Forscher erste Erfolge: Die Überlebensrate der so behandelten „Krebskranken“ war signifikant erhöht. „Das Biopolymer könnte dabei helfen, die nächste Generation von Chemotherapeutika noch effektiver und sicherer zu machen“, sagt Tanja Weil. Allerdings seien weitere pharmakologische Studien nötig, um das Wirken des neuen Nano-Transporters im menschlichen Körper zu verstehen.

„In den nächsten Untersuchungen soll die verbesserte Wirkung des neuen Anthrazyklin-Wirkstoffträgers an primären Patientenproben bestätigt werden. In Zukunft möchten wir auch Chemotherapiekombinationen über den neuen Träger gezielt an leukämische Zellen abgeben“, sagt Christian Buske. „Aus klinischen Studien ist bekannt, dass Leukämiezellen auf Chemotherapiekombinationen, die zum Beispiel Anthrazykline mit dem Antimetaboliten Ara-C

Die Arbeit wurde in enger Kooperation von Wissenschaftlern des Instituts für Organische Chemie III (Makromolekulare Chemie), des Instituts für Experimentelle Tumorforschung am Comprehensive Cancer Center ULM (CCCU und der Ulmer Universitätsklinik für Innere Medizin III durchgeführt. Sie ist von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im Zuge des Sonderforschungsbereichs 625 (Universität Mainz), des Projekts P3246 029 sowie der Alexander von Humboldt-Stiftung finanziell unterstützt worden.

Yuzhou Wu, Susann Ihme, Michaela Feuring-Buske, Seah Ling Kuan, Klaus Eisele, Markus Lamla, Yanran Wang, Christian Buske, and Tanja Weil. A core-shell albumin copolymer nanotransporter for high capacity loading and two-step release of doxorubicin with enhanced anti-leukemia activity. Advanced Healthcare Materials. http://doi.wiley.com/10.1002/adhm.201200296

Weitere Informationen:
Prof. Dr. Tanja Weil, Tel.: 0731 50-22871
Prof. Dr. Christian Buske, Tel.: 0731 500-65800
PD Dr. Michaela Feuring-Buske, Tel.: 0731 500-65823

Annika Bingmann | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-ulm.de/
http://doi.wiley.com/10.1002/adhm.201200296

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Medizin Gesundheit:

nachricht Erkältungsviren haben ihren Ursprung in Kamelen – genau wie MERS
16.08.2016 | Deutsches Zentrum für Infektionsforschung

nachricht Europaweit neue OP: Offenen Rücken schon während der Schwangerschaft erfolgreich behandelt
12.08.2016 | Universitätsklinikum Heidelberg

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Medizin Gesundheit >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Flexibel statt starr

Gezielter und effizienter Transport zellulärer Frachten durch physikalischen Mechanismus

Damit Zellen richtig funktionieren können, müssen Frachten innerhalb der Zelle ständig von einem Ort zum anderen transportiert werden, wobei es ähnlich zugeht...

Im Focus: Elektronen am Tempolimit

Elektronische Bauteile werden seit Jahren immer schneller und machen damit leistungsfähige Computer und andere Technologien möglich. Wie schnell sich Elektronen mit elektrischen Feldern letztendlich kontrollieren lassen, haben jetzt Forscher an der ETH Zürich untersucht. Ihre Erkenntnisse sind wichtig für die Petahertz-Elektronik der Zukunft.

Geschwindigkeit mag keine Hexerei sein, doch sie ist die Grundlage für Technologien, die nicht selten wie Magie anmuten. Moderne Computer etwa sind so...

Im Focus: Forscher beobachten, wie Chaperone defekte Proteine erkennen

Proteine, auch Eiweiße genannt, erfüllen in unserem Körper lebenswichtige Funktionen: Sie transportieren Stoffe, bekämpfen Krankheitserreger oder fungieren als Katalysatoren. Damit diese Prozesse zuverlässig funktionieren, müssen die Proteine eine definierte dreidimensionale Struktur annehmen. Molekulare Faltungshelfer, die sogenannten Chaperone, kontrollieren den Strukturierungsprozess. Ein Forscherteam unter der Beteiligung der Technischen Universität München (TUM) konnte nun herausfinden, wie Chaperone besonders gefährliche Fehler in diesem Strukturierungsprozess erkennen. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin "Molecular Cell" veröffentlicht.

Chaperone sind sozusagen die TÜV-Prüfer der Zelle. Es handelt sich um Proteine, die wiederum andere Proteine auf Qualitätsmängel untersuchen, bevor diese die...

Im Focus: Mikroskopieren mit einzelnen Ionen

Neuartiges Ionenmikroskop nutzt einzelne Ionen, um Abbildungen mit einer Auflösung im Nanometerbereich zu erzeugen

Wissenschaftler um Georg Jacob von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz haben ein Ionenmikroskop entwickelt, das nur mit exakt einem Ion pro Bildpixel...

Im Focus: Streamlining accelerated computing for industry

PyFR code combines high accuracy with flexibility to resolve unsteady turbulence problems

Scientists and engineers striving to create the next machine-age marvel--whether it be a more aerodynamic rocket, a faster race car, or a higher-efficiency jet...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

VDE und IEEE veranstalten Weltkongress der Consumer-Elektronik auf der IFA

26.08.2016 | Veranstaltungen

IT-Sicherheit – Wettlauf gegen die Zeit

26.08.2016 | Veranstaltungen

Neue Ideen für die Schifffahrt

24.08.2016 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Geothermieforschung: Bund fördert Projekt am Drilling Simulator Celle mit 3,8 Millionen Euro

26.08.2016 | Förderungen Preise

VDE und IEEE veranstalten Weltkongress der Consumer-Elektronik auf der IFA

26.08.2016 | Veranstaltungsnachrichten

Körperwärme als Stromquelle

26.08.2016 | Materialwissenschaften