Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Roboter in der Pflege - erster Praxistest im Seniorenheim

01.09.2010
Pflegekräfte sollen älteren Menschen beim Waschen, Essen und anderen Alltagsaufgaben helfen. Aber sie müssen auch noch die verschiedensten Dinge, wie Akten oder Getränke, hin und her schleppen.

Dabei geht viel Zeit verloren. Seit knapp zwei Jahren entwickelt Soziologieprofessorin Karen Shire von der Universität Duisburg-Essen (UDE) mit dem Fraunhofer-Institut für Produktion und Automatisierung und zwei weiteren Partnern spezielle Service-Roboter.

Im Projekt WiMi-Care, das vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 1,5 Millionen Euro gefördert wird, erforschen sie die Möglichkeit, die Pflege mit technischen Entwicklungen zu verbessern. Hierfür arbeiten die Projektpartner an zwei Technologien, der dritten Generation des Service-Roboters Care-O-bot und dem fahrerlosen Transportsystem CASERO. Dabei machten sie bereits gewaltige Fortschritte.

In einem Pilotversuch im Mai dieses Jahres wurden die beiden mechanischen Helfer in einem Stuttgarter Pflegeheim getestet. Dort zeigte der CASERO sein Potenzial: Der kleine, L-förmige Wagen nahm dem Personal lästige Routinearbeiten ab, wie das Transportieren von Wäsche oder Postkörben. Die eingesparte Zeit, konnte wiederum für die Pflege aufgewandt werden. Dank seiner hervorragenden Navigation und dem gefälligen Design wurde der Roboter nicht als störend empfunden, weder von den Bewohner oder Angestellten noch von Besuchern. „In Zukunft können sich sowohl die Pflegekräfte als auch die Heimleitung eine Entlastung durch den CASERO vorstellen”, sagt Projektkoordinatorin Prof. Karen Shire.

Auch der Care-O-bot 3, ausgestattet mit einem Greifarm und einem ausklappbaren Tablett, konnte zeigen, was in ihm steckt. Testweise versorgte er Heimbewohner mit Getränken. Der knapp anderthalb Meter hohe Serviceroboter brachte dabei einen Becher mit Wasser sicher zu den Bewohnern und bot diesen auf seinem Tablett an. Durch seine Navigationsart kann sich der Roboter sehr flexibel fortbewegen, und braucht im Gegensatz zu CASERO dafür keine festen Routen. Allerdings zeigte der Test auch Grenzen auf: Zwar nahmen die Bewohner das Wasser vom Tablett des Care-O-bots, aber er konnte sie nicht, wie eine Pflegekraft, zum Trinken animieren. Außerdem konnten seine Bewegungen nicht gut vorhergesehen werden. Dadurch wurde er leicht zum Hindernis. „Es wird wohl noch dauern, bis er dem Heimpersonal effektiv zur Hand gehen kann”, erläutert Karen Shire.

Dennoch bringt die Forschung am Care-O-bot 3 wichtige Erkenntnisse für das gesamte Projekt. Seine anspruchsvolle Navigation gab auch dem CASERO einen ungeheuren Schub. „Beide Systeme zusammen zu entwickeln, hat sich als äußerst fruchtbar erwiesen”, meint Projektmitarbeiter Diego Compagna.

Das WiMi-Care Team sieht noch viele Möglichkeiten für die Roboter. Das Transportfahrzeug CASERO soll demnächst für Rundgänge bei Nachtschichten eingesetzt werden. Dabei fährt er pausenlos durch die Flure und meldet Ungewöhnliches, wie gestürzte Bewohner, an eine Pflegekraft. Durch die am Roboter installierte Kamera kann sie direkt sehen, was passiert ist, und schnell reagieren. Auch der Care-O-bot 3 soll weiterentwickelt werden: So sollen Heimbewohner auf einem Touchpad Gesellschaftspiele direkt am Roboter spielen können oder sich Musik vorspielen lassen.

Ihre bisherigen Ergebnisse stellen die Projektpartner in einem Zwischenworkshop am 4. November vor. Im Duisburger inHaus2 des Fraunhofer Instituts für mikroelektronische Schaltungen und Systeme, wo neuartige, intelligente Raum- und Gebäudesysteme entwickelt und getestet werden, tauschen sich Wissenschaftler, Systementwickler und Pflegedienstleister bei Vorträgen und Diskussionen aus. Außerdem werden beide Roboter sowie die Pflegeräumlichkeiten der Zukunft im inHaus2 vorgeführt.

Weitere Informationen:
Prof. Ph. D. Karen Shire, Tel. 0203/379-4048, karen.shire@uni-due.de,
Diego Compagna, Tel. 0203/379-3703, diego.compagna@uni-due.de,
Stefan Derpmann, Tel. 0203/379-3596, stefan.derpmann@uni-due.de
Redaktion: Robin Writsch, Tel. 0203/379-2429

Ulrike Bohnsack | idw
Weitere Informationen:
http://www.wimi-care.de/index.html
http://www.uni-duisburg-essen.de/

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Energie und Elektrotechnik:

nachricht Neue Sensortechnik für E-Auto-Batterien
08.12.2016 | Ruhr-Universität Bochum

nachricht Siliziumsolarzelle des ISFH erzielt 25% Wirkungsgrad mit passivierenden POLO Kontakten
08.12.2016 | Institut für Solarenergieforschung GmbH

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Energie und Elektrotechnik >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Elektronenautobahn im Kristall

Physiker der Universität Würzburg haben an einer bestimmten Form topologischer Isolatoren eine überraschende Entdeckung gemacht. Die Erklärung für den Effekt findet sich in der Struktur der verwendeten Materialien. Ihre Arbeit haben die Forscher jetzt in Science veröffentlicht.

Sie sind das derzeit „heißeste Eisen“ der Physik, wie die Neue Zürcher Zeitung schreibt: topologische Isolatoren. Ihre Bedeutung wurde erst vor wenigen Wochen...

Im Focus: Electron highway inside crystal

Physicists of the University of Würzburg have made an astonishing discovery in a specific type of topological insulators. The effect is due to the structure of the materials used. The researchers have now published their work in the journal Science.

Topological insulators are currently the hot topic in physics according to the newspaper Neue Zürcher Zeitung. Only a few weeks ago, their importance was...

Im Focus: Rätsel um Mott-Isolatoren gelöst

Universelles Verhalten am Mott-Metall-Isolator-Übergang aufgedeckt

Die Ursache für den 1937 von Sir Nevill Francis Mott vorhergesagten Metall-Isolator-Übergang basiert auf der gegenseitigen Abstoßung der gleichnamig geladenen...

Im Focus: Poröse kristalline Materialien: TU Graz-Forscher zeigt Methode zum gezielten Wachstum

Mikroporöse Kristalle (MOFs) bergen große Potentiale für die funktionalen Materialien der Zukunft. Paolo Falcaro von der TU Graz et al zeigen in Nature Materials, wie man MOFs gezielt im großen Maßstab wachsen lässt.

„Metal-organic frameworks“ (MOFs) genannte poröse Kristalle bestehen aus metallischen Knotenpunkten mit organischen Molekülen als Verbindungselemente. Dank...

Im Focus: Gravitationswellen als Sensor für Dunkle Materie

Die mit der Entdeckung von Gravitationswellen entstandene neue Disziplin der Gravitationswellen-Astronomie bekommt eine weitere Aufgabe: die Suche nach Dunkler Materie. Diese könnte aus einem Bose-Einstein-Kondensat sehr leichter Teilchen bestehen. Wie Rechnungen zeigen, würden Gravitationswellen gebremst, wenn sie durch derartige Dunkle Materie laufen. Dies führt zu einer Verspätung von Gravitationswellen relativ zu Licht, die bereits mit den heutigen Detektoren messbar sein sollte.

Im Universum muss es gut fünfmal mehr unsichtbare als sichtbare Materie geben. Woraus diese Dunkle Materie besteht, ist immer noch unbekannt. Die...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Firmen- und Forschungsnetzwerk Munitect tagt am IOW

08.12.2016 | Veranstaltungen

NRW Nano-Konferenz in Münster

07.12.2016 | Veranstaltungen

Wie aus reinen Daten ein verständliches Bild entsteht

05.12.2016 | Veranstaltungen

 
VideoLinks
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Hochgenaue Versuchsstände für dynamisch belastete Komponenten – Workshop zeigt Potenzial auf

09.12.2016 | Seminare Workshops

Ein Nano-Kreisverkehr für Licht

09.12.2016 | Physik Astronomie

Pflanzlicher Wirkstoff lässt Wimpern wachsen

09.12.2016 | Biowissenschaften Chemie