Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Die derzeit innovativste Brücke der Welt steht nun Nutzern - und weiterer Forschung - in Kassel zur Verfügung

11.07.2007
Innovative Forschung, die sich in Praxis vor Ort umsetzt: Das ist die aus ultra-hochfesten Betonplatten und mit einem weltneuen Klebeverfahren verbundene, filigrane Brückenkonstruktion der Gärtnerplatzbrücke. Sie überspannt, rund 140 Meter lang und fünf Meter breit, die Fulda in Kassel und wird am 11. Juli eröffnet und mit einem kleinen Brückenfest als "Projekt im Land der Ideen gefeiert.

Innovative Forschung, die sich in Praxis vor Ort umsetzt: Das ist die aus ultra-hochfesten Betonplatten und mit einem weltneuen Klebeverfahren verbundene, filigrane Brückenkonstruktion der Gärtnerplatzbrücke. Sie überspannt, rund 140 Meter lang und fünf Meter breit, die Fulda in Kassel und wird am 11. Juli eröffnet und mit einem kleinen Brückenfest als "Projekt im Land der Ideen gefeiert.

"Dieses Bauwerk repräsentiert innovative Technologie aus der Universität Kassel in Deutschland- und weltweit", so der Kanzler der Universität Kassel, Dr. Hans Gädeke, anlässlich der Eröffnung der Brücke in seinem Dank an die federführenden Bauexperten Prof. Dr.-Ing. habil. Michael Schmidt und Prof. Dr.-Ing. Ekkehard Fehling von der Universität Kassel. "Wir sind der Stadt Kassel sehr verbunden, dass sie Wissenschaftlern der Universität Gelegenheit gibt, ihre innovativen Materialien und Verfahren in die Praxis umzusetzen", so Gädeke weiter. Denn das bedeutet angesichts technischer Innovationen auch, dass noch nicht alle Verfahren, Materialien und Abläufe standardisiert sind, erläuterte Gädeke. "Ich freute mich mit den Kasseler Bürgerinnen und Bürgern, die nach zeitlicher Verzögerung nun ihre geliebte Fuldaüberquerung zu Fuß oder per Rad endlich wieder nutzen können. Dafür hat Kassel jetzt aber eine Weltattraktion mehr."

Weltweites Vorzeigeprojekt

Die Gärtnerplatzbrücke ist die erste größere Brücke in Deutschland, bei der an der Universität Kassel von den Professoren Schmidt und Fehling entwickelte innovative Methoden und Materialien verwendet wurden. Der in Kassel entwickelte ultra-hochfeste Beton (UHPC) ist stahlähnlich fest und wesentlich dauerhafter als normaler Beton. Die Betonplatten sind lediglich 8,5 cm dick - rund ein Viertel einer üblichen Baukonstruktion. Wurden solche Teilstücke bislang aufwändig mit Dübeln und Bolzen verbunden, werden die 72 superfesten Betonplatten bei der Gärtnerplatzbrücke nun mit einem Spezialharz auf die tragende Konstruktion Kleben und zwischen den Betonbauteilen aufgeklebt. Diese neue Verbindungsart ist für den neuen Beton besonders geeignet, wie zahlreiche Vorversuche zeigten. Zudem übertrifft der von der Universität Kassel entwickelte ultra-hochfeste Beton der Bauteile für die Gärtnerplatzbrücke die an ihn gestellten Anforderungen deutlich. Nach Auswertung von nahezu 200 Prüfungen, die die amtliche Materialprüfanstalt für das Bauwesen in Kassel während der Herstellung der Betonteile im Betonwerk der Firma ELO in Eichenzell durchgeführt hat, steht fest, dass die bereits hohen Festigkeitsanforderungen von mindestens 165 N/mm2 der Bauausschreibung noch um bis zu 10 Prozent übertroffen wurden. Die Betonplatten und die filigranen, bis zu 36 m langen Träger sind auch sonst fehlerfrei. Dies beweist, dass der ultrahochfeste Beton nicht nur ein "Laborprodukt" der Universität, sondern auch großtechnisch geeignet ist, so Fehling und Schmidt. Weitere bautechnische Neuheiten sind

das weitgehende Ersetzen von Bewehrungsstäben aus Stahl durch Stahlfasern,
die Herstellung schlanker, gekrümmter Betonbalken (Obergurt, über der Flussöffnung) durch Verbiegen geradlinig hergestellter UHPC- Spannbetonfertigteile, damit Ausnutzung der hohen Verformbarkeit des UHPC und die wirtschaftliche Herstellung im Fertigteilwerk,

die Verbindung der Stahlkonstruktion mit UHPC - Bauteilen über eine gleitfeste geschraubte Verbindung mit Hilfe hochfester, vorgespannter Schrauben. Das spart Platz in den filigranen UHPC-Bauteilen bei sehr hoher Tragfähigkeit.

Monitoring für innovative Technologie
Doch die Gärtnerplatzbrücke ist nicht nur ein Ergebnis von Forschung, sie wird auch weiterhin Forschungsgegenstand sein. Über 80 Messeinrichtungen wurden installiert und in Betrieb genommen, die den Forschern der Universität ebenso wie nationalen und internationalen Forschergruppen über Jahre hin wichtige Daten für die Materialforschung über das praktische Verhalten des neuen Werkstoffs "unter Verkehr" liefern werden. Jede noch so kleine Bewegung oder Veränderung wird automatisch und online sofort an die Universität übermittelt. Die Brücke dient so auch zukünftig der universitären Forschung; die Bauwerksüberwachung (Structural Health Monitoring) erforscht mit Hilfe modernster Sensorik und Auswertemethodik Temperatur, Feuchte, Verformungen, Beschleunigungen sowie Neigungswinkel unter Belastung.

Auch andere Städte nutzen mittlerweile das Know how der Kasseler Uni und der am Bau der Gärtnerplatzbrücke beteiligten regionalen Unternehmen wie ELO, Fulda, und Beck Bau in Eschwege: sie arbeiten bereits an dem fünften Brückenbauwerk mit ultrahochfestem Beton. Die Kasseler Wissenschaftler wollen sich nun weiteren Herausforderungen stellen: Eine hoch belastete Brücke für PKW- und LKW-Straßenverkehr befindet sich in Planung.

Erster Schritt zu nano-optimierten Hochleistungsbaustoffen
"Wir wollen in der Forschung weitere Schritte in Richtung nano-optimierter Hochleistungswerkstoffe gehen. Wir erwarten weitere Leistungssteigerungen durch nano-optimierte Baustoffe hin zu "smart materials", erläutert Schmidt. So könne die Herstellung und Verwendung von Nanopartikeln nicht nur zur Steigerung der Festigkeit und Dauerhaftigkeit führen, sondern denkbar sei auch, über nanoskalige Beschichtungen von Baustoffen zur Selbstreinigung und Zersetzung von Umweltschadstoffen beizutragen, optimierte bauchemische Produkten und neuen Konstruktionsweisen mit den optimierten Baustoffen zu entwickeln bis hin zu energiegewinnenden Baumaterialien. Dabei sei die interdisziplinäre Zusammenarbeit am Kasseler Zentrum für Nanostrukturforschung (CINSaT) wichtig, ebenso wie mit der Bau- und -chemischen Industrie. Die Bedeutung des Zukunftsthemas für die Wissenschaft zeigt das DFG-Schwerpunktfor­schungsprogramm "Nachhaltiges Bauen mit Ultra-Hochfestem Beton (UHPC)", dessen Sprecher Prof. Michael Schmidt ist. Das DFG-Forschungsprojekt in Kassel soll dazu dienen, diesen neuen Beton für neue Anwendungsgebiete weitere zu entwickeln und zu einer allgemein anwendbaren Standardbauweise zu machen. Schließlich gelte die Nanotechnologie in Deutschland als eine der aufstrebenden Schlüsseltechnologien und als eine der chancenreichsten Querschnittstechnologien der Welt.
Ein Ort im Land der Ideen
Jürgen Grosch, Leiter des Investment & Finanz Centers der Deutschen Bank Kassel, übergab den Professoren Fehling und Schmidt den Pokal, mit dem die Gärtnerplatzbrücke als "Ausgewählter Ort 2007" ausgezeichnet wird. Damit gehört das Projekt offiziell zu den von der Standortinitiative "Deutschland - Land der Ideen" und ihrem Projektpartner Deutsche Bank ausgezeichneten "365 Orten im Land der Ideen". Grosch hob in seiner Laudatio besonders die Innovationskraft und Zukunftsfähigkeit des Projekts hervor: "Leistungsfähige, aber energiesparende Baustoffe und Bauweisen aus dem Flugzeugbau sind die beeindruckenden Fakten der Gärtnerplatzbrücke. Doch das Projekt steht für weitaus mehr: Es ist ein Symbol dafür, wie mit Innovationskraft, Leistungsbereitschaft und interdisziplinärer Zusammenarbeit verschiedener Fachrichtungen und Institutionen aus Ideen Erfolge für unser aller Zukunft werden. Das hat Vorbildcharakter." Der Kanzler der Universität Kassel, Dr. Hans Gädeke, freut sich, dass seine Universität mittlerweile zum zweiten Mal diese Auszeichnung erhält: Die Gärtnerplatzbrücke hatte sich als einer von über 1.500 Orten am Wettbewerb "365 Orte im Land der Ideen" beteiligt, der gemeinsam von der Deutschen Bank und der Standortinitiative "Deutschland - Land der Ideen" durchgeführt wurde. Die Deutsche Bank als exklusiver Partner der Initiative ermöglicht diese einzigartige Aktion. "Mit '365 Orten im Land der Ideen' entsteht ein Netzwerk von Leistungskraft, visionärem Denken, kreativer Leidenschaft und unternehmerischem Mut in Deutschland", begründet Jürgen Grosch das Engagement.

"Deutschland - Land der Ideen" ist die gemeinsame Standortinitiative der Bundesregierung und der deutschen Wirtschaft, vertreten durch den Bundesverband der Deutschen Industrie. Ziel ist es, im In- und Ausland ein Bild von Deutschland als innovatives und weltoffenes Land zu vermitteln. Schirmherr der Initiative ist Bundespräsident Horst Köhler.

Bilder unter
www.uni-kassel.de/presse/pm/bilder/bruecke1.jpg
www.uni-kassel.de/presse/pm/bilder/bruecke2.jpg
www.uni-kassel.de/presse/pm/bilder/bruecke3.jpg
www.uni-kassel.de/presse/pm/bilder/bruecke4.jpg
www.uni-kassel.de/presse/pm/bilder/bruecke5.jpg

Ingrid Hildebrand | idw
Weitere Informationen:
http://www.uni-kassel.de/presse/pm/bilder/bruecke1.jpg

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Architektur Bauwesen:

nachricht Dank dormakaba sind offene Architektur und Gebäudesicherheit kein Widerspruch
23.09.2016 | Kaba GmbH

nachricht Bauindustrie 4.0: Smarter Straßenbau mit intelligenten Baumaschinen
22.09.2016 | Universität Hohenheim

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Architektur Bauwesen >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Synthese-chemischer Meilenstein: Neues Ferrocenium-Molekül entdeckt

Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) haben zusammen mit Kollegen der Freien Universität Berlin ein neues Molekül entdeckt: Die Eisenverbindung in der seltenen Oxidationsstufe +4 gehört zu den Ferrocenen und ist äußerst schwierig zu synthetisieren.

Metallocene werden umgangssprachlich auch als Sandwichverbindungen bezeichnet. Sie bestehen aus zwei organischen ringförmigen Verbindungen, den...

Im Focus: Neue Entwicklungen in der Asphären-Messtechnik

Kompetenzzentrum Ultrapräzise Oberflächenbearbeitung (CC UPOB) lädt zum Expertentreffen im März 2017 ein

Ob in Weltraumteleskopen, deren Optiken trotz großer Abmessungen nanometergenau gefertigt sein müssen, in Handykameras oder in Endoskopen − Asphären kommen in...

Im Focus: Mit OLED Mikrodisplays in Datenbrillen zur verbesserten Mensch-Maschine-Interaktion

Das Fraunhofer-Institut für Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP arbeitet seit Jahren an verschiedenen Entwicklungen zu OLED-Mikrodisplays, die auf organischen Halbleitern basieren. Durch die Integration einer Bildsensorfunktion direkt im Mikrodisplay, lässt sich u.a. die Augenbewegung in Datenbrillen aufnehmen und zur Steuerung von Display-Inhalten nutzen. Das verbesserte Konzept wird erstmals auf der Augmented World Expo Europe (AWE), vom 18. – 19. Oktober 2016, in Berlin, Stand B25 vorgestellt.

„Augmented Reality“ (erweiterte Realität) und „Wearable Displays“ (tragbare Displays) sind Schlagworte, denen man mittlerweile fast täglich begegnet. Beide...

Im Focus: OLED microdisplays in data glasses for improved human-machine interaction

The Fraunhofer Institute for Organic Electronics, Electron Beam and Plasma Technology FEP has been developing various applications for OLED microdisplays based on organic semiconductors. By integrating the capabilities of an image sensor directly into the microdisplay, eye movements can be recorded by the smart glasses and utilized for guidance and control functions, as one example. The new design will be debuted at Augmented World Expo Europe (AWE) in Berlin at Booth B25, October 18th – 19th.

“Augmented-reality” and “wearables” have become terms we encounter almost daily. Both can make daily life a little simpler and provide valuable assistance for...

Im Focus: Künstliche Intelligenz ermöglicht die Entdeckung neuer Materialien

Mit Methoden der künstlichen Intelligenz haben Chemiker der Universität Basel die Eigenschaften von rund 2 Millionen Kristallen berechnet, die aus vier verschiedenen chemischen Elementen zusammengesetzt sind. Dabei konnten die Forscher 90 bisher unbekannte Kristalle identifizieren, die thermodynamisch stabil sind und als neuartige Werkstoffe in Betracht kommen. Das berichten sie in der Fachzeitschrift «Physical Review Letters».

Elpasolith ist ein glasiges, transparentes, glänzendes und weiches Mineral mit kubischer Kristallstruktur. Erstmals entdeckt im El Paso County (USA), kann man...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Einsteins Geburtsstadt wird für eine Woche Hauptstadt der Physik

23.09.2016 | Veranstaltungen

Industrie und Wissenschaft diskutieren künftigen Mobilfunk-Standard 5G auf Tagung in Kassel

23.09.2016 | Veranstaltungen

Fachgespräch Feste Biomasse diskutiert Fragen zum Thema "Qualitätshackschnitzel"

23.09.2016 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Das Korallenthermometer muss neu justiert werden

23.09.2016 | Biowissenschaften Chemie

Doppel-Infektion macht Erreger aggressiver

23.09.2016 | Biowissenschaften Chemie

Synthese-chemischer Meilenstein: Neues Ferrocenium-Molekül entdeckt

23.09.2016 | Biowissenschaften Chemie