Forum für Wissenschaft, Industrie und Wirtschaft

Hauptsponsoren:     3M 
Datenbankrecherche:

 

Biodiversität - Grünland als Modellökosystem

14.07.2004


Ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Großforschungsprojekt zur Bedeutung von Biodiversität für die Stoffkreisläufe in Ökosystemen läuft derzeit an der Friedrich-Schiller-Universität in Jena.



In einem Projekt wird der "Schwarze Nachtschatten" (Solanum nigrum L.) als Modellpflanze zur Untersuchung der Abwehrbereitschaft gegenüber Fraßfeinden genutzt. Die Pflanze ist nahe verwandt mit Kartoffel und Tomate und wird von einer Reihe pflanzenfressender Insekten befallen. Nach dem Insektenbefall wird im Schwarzen Nachtschatten die Bildung von Abwehrstoffen hervorgerufen, die giftig oder zumindest wachstumshemmend auf die Fraßfeinde wirken. Die Forschenden interessiert der Zusammenhang zwischen Biodiversität und Abwehrbereitschaft. Das heißt, wie beeinflussen die Anzahl und die Vielfalt der umgebenden Pflanzenarten diese Abwehrreaktion. In ersten Experimenten zeigte sich, dass die Bildung von Abwehrstoffen mit zunehmender Konkurrenz durch umgebende andere Pflanzenarten abnahm. Eine Ursache dafür könnte sein, dass die Pflanze insgesamt mehr Energie in ihr Wachstum - jedoch auf Kosten der Produktion von Abwehrstoffen - investieren muss, um sich in der jeweiligen Umgebung erfolgreich zu behaupten.



Wie Artenvielfalt das Wurzelwachstum von Pflanzen beeinflusst, ist eine der Fragestellungen eines anderen Einzelprojektes. Betrachtet werden dabei Wurzeleigenschaften, die Einfluss auf den Humusgehalt oder die Auswaschung von Nährstoffen aus dem Boden haben. Dazu gehören die Durchwurzelungstiefe, die Menge an Wurzeln oder deren Absterberate. Dazu werden Bodenproben genommen und die darin enthaltenen Wurzeln mit einem Scanner erfasst und analysiert. Auf die bislang gemessene Menge an Wurzeln in den oberen 30 Zentimetern des Bodens haben vor allem Grasarten einen positiven, die alleinige Anzahl an Pflanzenarten keinen Einfluss.

Untersucht wird auch der Einfluss von Insekten auf Grünland. Die ersten Ergebnisse auf der Versuchsfläche, die erst 2002 angelegt wurde, zeigen, dass sich die Insektengemeinschaft in den Grünlandparzellen recht schnell etabliert. Die Anzahl der Insektenarten und deren Häufigkeit ist dabei von der Artenvielfalt der Pflanzen in einer Parzelle abhängig. Schmetterlingsblütler und Gräser haben dabei eine besondere Bedeutung für das Vorkommen verschiedener Insekten und Spinnentiere. Erste Ergebnisse weisen auch darauf hin, dass der Einfluss pflanzenfressender Insekten auf die Heuernte im Grünland geringer zu sein scheint als bisher angenommen. Obwohl einzelne Pflanzen oft bis zu einem Zehntel ihrer Masse durch Fraß verlieren, können die Pflanzengemeinschaften dies ausgleichen.

Themen weiterer Projekte sind unter anderem die Wechselwirkungen zwischen Pflanzenvielfalt und Regenwürmern sowie anderen Bodentieren, der Einfluss von Artenvielfalt auf pflanzenökophysiologische und biogeochemische Prozesse im Grasland sowie der Nährstoffkreislauf im Boden und der Wasserhaushalt im Grünland. Der Informationsdienst Wissenschaft informierte in einer Pressemitteilung der Friedrich-Schiller-Universität ausführlich über die Ergebnisse dieser und weiterer Projekte.

Dr. Marion Morgner | aid-infodienst
Weitere Informationen:
http://www.aid.de
http://www.landwirtschaft-neu-erleben.de

Weitere Berichte zu: Abwehrstoffen Artenvielfalt Biodiversität Grünland Insekt Pflanzenart Wurzel

Weitere Nachrichten aus der Kategorie Agrar- Forstwissenschaften:

nachricht Gesundes Saatgut vor Ort produzieren
16.08.2016 | Fraunhofer-Institut für Organische Elektronik, Elektronenstrahl- und Plasmatechnik FEP

nachricht Menge der abgegebenen Antibiotika in der Tiermedizin halbiert
04.08.2016 | Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL)

Alle Nachrichten aus der Kategorie: Agrar- Forstwissenschaften >>>

Die aktuellsten Pressemeldungen zum Suchbegriff Innovation >>>

Die letzten 5 Focus-News des innovations-reports im Überblick:

Im Focus: Mikroskopieren mit einzelnen Ionen

Neuartiges Ionenmikroskop nutzt einzelne Ionen, um Abbildungen mit einer Auflösung im Nanometerbereich zu erzeugen

Wissenschaftler um Georg Jacob von der Johannes Gutenberg-Universität Mainz haben ein Ionenmikroskop entwickelt, das nur mit exakt einem Ion pro Bildpixel...

Im Focus: Streamlining accelerated computing for industry

PyFR code combines high accuracy with flexibility to resolve unsteady turbulence problems

Scientists and engineers striving to create the next machine-age marvel--whether it be a more aerodynamic rocket, a faster race car, or a higher-efficiency jet...

Im Focus: Neues DFKI-Projekt SELFIE schlägt innovativen Weg in der Verifikation cyber-physischer Systeme ein

Vor der Markteinführung müssen neue Computersysteme auf ihre Korrektheit überprüft werden. Jedoch ist eine vollständige Verifikation aufgrund der Komplexität heutiger Rechner aus Zeitgründen oft nicht möglich. Im nun gestarteten Projekt SELFIE verfolgt der Forschungsbereich Cyber-Physical Systems des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz (DFKI) unter Leitung von Prof. Dr. Rolf Drechsler einen grundlegend neuen Ansatz, der es Systemen ermöglicht, sich nach der Produktion und Auslieferung selbst zu verifizieren. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt das Vorhaben über drei Jahre mit einer Fördersumme von 1,4 Millionen Euro.

In den letzten Jahrzehnten wurden enorme Fortschritte in der Computertechnik erzielt. Ergebnis dieser Entwicklung sind eingebettete und cyber-physische...

Im Focus: „Künstliches Atom“ in Graphen-Schicht

Elektronen offenbaren ihre Quanteneigenschaften, wenn man sie in engen Bereichen gefangen hält. Ein Forschungsteam mit TU Wien-Beteiligung baut Elektronen-Gefängnisse in Graphen.

Wenn man Elektronen in einem engen Gefängnis einsperrt, dann benehmen sie sich ganz anders als im freien Raum. Ähnlich wie die Elektronen in einem Atom können...

Im Focus: X-ray optics on a chip

Waveguides are widely used for filtering, confining, guiding, coupling or splitting beams of visible light. However, creating waveguides that could do the same for X-rays has posed tremendous challenges in fabrication, so they are still only in an early stage of development.

In the latest issue of Acta Crystallographica Section A: Foundations and Advances , Sarah Hoffmann-Urlaub and Tim Salditt report the fabrication and testing of...

Alle Focus-News des Innovations-reports >>>

Anzeige

Anzeige

IHR
JOB & KARRIERE
SERVICE
im innovations-report
in Kooperation mit academics
Veranstaltungen

Neue Ideen für die Schifffahrt

24.08.2016 | Veranstaltungen

E-Health, E-Hygiene, IT-Management und IT-Sicherheit: Trends und Chancen für Kliniken und Praxen

24.08.2016 | Veranstaltungen

HTW Berlin richtet im September die 30. EnviroInfo aus

23.08.2016 | Veranstaltungen

 
B2B-VideoLinks
Weitere VideoLinks >>>
Aktuelle Beiträge

Neue Ideen für die Schifffahrt

24.08.2016 | Veranstaltungsnachrichten

Mikroskopieren mit einzelnen Ionen

24.08.2016 | Informationstechnologie

E-Health, E-Hygiene, IT-Management und IT-Sicherheit: Trends und Chancen für Kliniken und Praxen

24.08.2016 | Veranstaltungsnachrichten